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Tagblatt Online, 19. Mai 2012 10:56:00

«Sozialamt soll mehr beraten»

Maya Villabruna-Belt Zoom

Leiterin Maya Villabruna-Belt am Eingang der Sozialen Dienste an der Marktgasse. (Bild: Reto Martin)

BISCHOFSZELL. Auf die Sozialen Dienste kommt eine Neuorganisation zu. Ab 2013 fällt die Amtsvormundschaft weg. Die neue Leiterin Maya Villabruna-Belt möchte den Schwerpunkt auf die Beratung legen und vermehrt mit dem Gewerbe zusammenarbeiten.

ANDREA KERN

Die massive Türe ist verziert, Pflastersteine verschönern den Eingang. Der Weg aufs Sozialamt ist für viele nicht einfach, doch das kleine Gebäude neben dem Rathaus, wo die Sozialen Dienste untergebracht sind, wirkt freundlich und einladend. In gemütlichen Räumen empfängt das Team Personen, die auf fachliche Hilfe angewiesen sind. Als Leiterin ist seit Anfang April Maya Villabruna-Belt tätig. Sie führt drei Angestellte – alles Frauen. «Wir sind ein Frauenpower-Team», sagt die 42-Jährige.

Aus einer neuen Perspektive

Angela Hug, Marlène Fässler und Sabrina Schönholzer kümmern sich mit ihrer Leiterin um Sozialhilfe, Asylwesen, Alimentenbevorschussung und Amtsvormundschaft. Für Maya Villabruna-Belt ist die Thematik nicht neu, doch die Sozialpädagogin sieht sie nun aus einer anderen Perspektive. Zuvor arbeitete sie in Littenheid auf der offenen Akut-Jugendstation und in St. Gallen im Kinder- und Jugendheim Riederenholz. «Ich arbeitete mit Menschen, die Sozialhilfe beanspruchten. Es ist interessant, nun auf der anderen Seite des Tisches zu sitzen», sagt sie, froh darüber, dass sie beide Seiten kennt.

Gesammelt hat Maya Villabruna-Belt in den verschiedensten Bereichen auch Führungserfahrung, sei es als Präsidentin des Open Airs Bischofszell oder im Vorstand des Berufsverbandes Avenir Suisse. «Führen liegt mir», sagt sie. Es ist eine ihrer Eigenschaften, die sie besonders hervorhebt. Eine andere ist das Schaffen von Neuem. So hat sie im Riederenholz ein Jugendhaus aufgebaut, welches sie danach leitete.

Die Leute besser kennenlernen

Führen und Umstrukturieren sind auch die Hauptaufgaben ihrer neuen Arbeit. Dabei geht es unter anderem darum, herauszufinden, wie es mit den Sozialen Diensten weitergeht, wenn die Amtsvormundschaft, die von der Berufsbeistandschaft übernommen wird, wegfällt. Die freiwerdenden Kapazitäten sollen für eine Qualitätsverbesserung genutzt werden. «Die Sozialberatung war bis jetzt nur ein kleiner Teil, den wir nun stärken möchten», sagt Maya Villabruna-Belt.

Zudem will sich das Team mehr Zeit für die einzelnen Personen nehmen. «Wir möchten die Leute kennenlernen, beraten und wenn möglich selber helfen.» Sei es ein Budget aufstellen oder an Fachstellen vermitteln. Wichtig ist ihr, zu versuchen, möglichst früh anzusetzen. «Prävention kann verhindern, dass jemand von der Sozialhilfe unterstützt werden muss.» Jene, die bereits darauf angewiesen sind, möchte sie intensiver begleiten, damit sie schnell wieder selbständig sind. Tendenziell sei es schwieriger, sich davon zu lösen, je länger man von ihr abhängig sei. Durch den intensiveren Kontakt und die persönliche Beziehung erhofft sie sich, dass die Personen die Hilfe eher annehmen. «Es ist nicht einfach, auf das Sozialamt zu kommen.»

Intensivieren möchte Maya Villabruna-Belt auch den Kontakt mit dem Gewerbe. «Wir arbeiten mit der Sozialfirma Fiwo zusammen.» Das sei leider bis jetzt das einzige Unternehmen. Weil dort körperlich gearbeitet wird, kann sie lediglich einen Teil dorthin verweisen. «Schön wäre, wenn wir verschiedene Angebote den Leuten anpassen könnten.»

In Kontakt mit Ämtern

Sie ist Coach, Beraterin, Beistand, Vermittlerin: «Das schöne an diesem Job ist es, mit vielen verschiedenen Leuten, Ämtern und Beratungsstellen im Kontakt zu sein», sagt Maya Villabruna-Belt. Ob sie nicht nach kurzer Zeit wieder eine neue Herausforderung suche? «Ich glaube, es geht hier einige Jahre, bis sich unsere Vision erfüllt hat», antwortet sie.





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