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Tagblatt Online, 16. Mai 2012 01:05:00

Eine Brücke für den Biber

Biberrampe Zoom

Ein Plakat kennzeichnet die Biberrampe am Gebäude der Sittermühle hinten links; im Vordergrund diskutieren Stadtammann Josef Mattle, Projektleiter Philip Taxböck und Bauleiter und Schlosser Jonas à Wengen. (Bild: Reto Martin)

«Hallo Biber! Ostschweiz» hat beim Sitterwehr eine Rampe erstellt. Sie ist 40 Zentimeter breit und rund 28 Meter lang. Damit sollen die Tiere flussaufwärts neue Lebensräume erschliessen können.

ANDREA KERN

BISCHOFSZELL. Die Hauptfigur fehlte an der gestrigen Information bei der Sitterbrücke. «Biber sind nachtaktiv», erklärt Philip Taxböck. Er ist Leiter von «Hallo Biber! Ostschweiz», einem Projekt von Pro Natura. Dieses setzt sich für die Lebensräume der Tiere ein und hat in den vergangenen zwei Wochen an der Hauswand der Sittermühle eine Biberrampe errichtet. 40 Zentimeter breit und rund 28 Meter lang. Damit sollen die Tiere zukünftig das Sitterwehr überwinden können.

«Biber folgen dem Wasserweg»

«Der Biber verbreitet sich immer mehr», sagt Philip Taxböck. Viele leben der Thur entlang Richtung Kanal. Der Steg soll den jungen Tieren, die ihre Familie verlassen, helfen, neue Reviere zu erschliessen. «Die Stufe und glitschige Algen machen das Wehr unpassierbar.» Da Biber von Natur aus dem Wasserweg folgten, sei es wahrscheinlich, dass sie die Rampe annehmen werden. Diese Erfahrung hat «Hallo Biber!» mit einer ähnlichen Rampe in Rheinfelden gemacht, wobei das neue Bauwerk bedeutend höher liegt. «Wir mussten die Begrenzung des Hochwasserschutzes einhalten», begründet Philip Taxböck.

Die ungewohnte Situation vor Ort stellte auch Jonas à Wengen vor Herausforderungen. Der Schlosser und Bauleiter hat mit Zivildienstleistenden die Rampe erstellt, «massiv und für die Ewigkeit gebaut», betont er. Als Hilfsmittel zur Verfügung standen: Klettergstältli, zwei Leitern, Seile und ein Surfbrett als Rettungsboot. «Die Vorbereitung dauerte lange und war sehr spannend. Es war wie auf einem Robinsonspielplatz», sagt Jonas à Wengen, der sich über den Auftrag freute. «Ich habe gerne etwas für den Naturschutz gemacht.»

Bald beginnt die Wanderzeit

Der Stadt lag ein «einzigartiges Baugesuch» vor. «Besonders heikel war, das Ortsbild des denkmalgeschützten Gebäudes nicht zu stören», sagt Stadtammann Josef Mattle. Gekostet hat das Projekt laut Philip Taxböck rund 15 000 Franken, das von Pro Natura und mit Spendengeldern finanziert wurde. Und wann überqueren die ersten Biber den Steg? «Demnächst beginnt die Wanderzeit.» Doch auch wenn gestern vor allem wegen der Tageszeit keine Tiere zu sehen waren, könne es noch eine Weile dauern, bis sich ein erster Biber darüberwagt. «Das hängt davon ab, wann die Rampe entdeckt wird», sagt Philip Taxböck. Für Menschen ist sie gut zu sehen. Zurzeit winkt von einem Plakat ein Biber herunter.




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