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Tagblatt Online, 07. August 2012 01:34:00

Die Nachbarn unterm Apfelbaum

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Fahrende aus der Schweiz haben sich für rund zehn Tage auf der Wiese neben dem Sportplatz niedergelassen. (Bild: Andrea Kern)

HOHENTANNEN. Eine Gruppe Schweizer Fahrende macht in Hohentannen halt. Von April bis Oktober ist sie ständig unterwegs. «Wir können und wollen nicht anders», sagt einer, der im Wohnwagen aufgewachsen ist. Im Dorf ist Unsicherheit zu spüren.

ANDREA KERN

Der Dalmatiner bellt. Artig bewacht er den Wohnwagen mit dem SGer-Kennzeichen. Der 66jährige Besitzer sitzt unter der Sonnenstore und trinkt Kaffee. Langsam erwacht das Leben um ihn herum. Seine Frau kommt aus dem Wohnwagen, ein Nachbar stösst dazu und wünscht einen guten Morgen. Rund 20 Personen leben in den acht Wohnwagen, die derzeit zwischen den Obstbäumen neben dem Sportplatz stehen. «Das sind alles Verwandte und Bekannte, darunter Freunde aus Deutschland, die grad zu Besuch sind», sagt der Rentner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. «In vier Wohnwagen leben meine Kinder und Grosskinder.»

Im Winter in einer Wohnung

Auch er selber ist im Wohnwagen aufgewachsen. «Früher waren wir das ganze Jahr unterwegs.» Nun reist er jeweils von April bis Oktober von Ort zu Ort. Im Winter lebt er in seiner Wohnung in Wil. Die Schule hat er nie besucht. «Aber ich kann Französisch und Deutsch schreiben und sprechen.» Wie die meisten Schweizer Fahrenden war er als Möbel- und Altmetallhändler tätig. «Wir machen keine Ausbildung, sondern lernen den Beruf vom Vater.»

Spontan zum nächsten Ort

Die Gruppe bleibt jeweils 10 bis 14 Tage am gleichen Ort, bevor sie weiterzieht. Entschieden, wohin die Reise geht, wird spontan. «Meist ungefähr 30 bis 40 Kilometer weiter», sagt der Rentner. Dass ihr Erscheinen öfters Unbehagen auslöst, ist ihm bewusst. Und er versteht es auch. «Es gibt kriminelle Gruppen aus dem Osten. Deshalb denkt mancher Dorfbewohner, dass nun eingebrochen wird.» Trotzdem kann er sich nicht vorstellen, sesshaft zu werden. «Ich will und kann nicht anders leben. Ich liebe es, in der Natur zu sein. Wir können nichts machen, ausser uns ruhig und anständig zu verhalten.»




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