Thurgauer Unternehmer will nach China expandieren

UTTWIL ⋅ Fredy Iseli will mit seinem Ecocell-Bausystem auf der Basis von Altpapier im asiatischen Raum Fuss fassen. Diesem Ziel ist er am Freitag einen grossen Schritt näher gekommen.
24. November 2017, 19:22
Markus Schoch
Es ist alles sehr schnell gegangen. «Wir stehen bei den Verhandlungen noch am Anfang», sagte ­Fredy Iseli vor sieben Wochen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt erste Gespräche mit Zhonglin Wang und seiner Entourage geführt. Der Präsident von Shandong in China zeigte sich damals sehr ­interessiert, mit dem Uttwiler Architekten ins Geschäft zu kommen. Verlockende Aussichten für  den Unternehmer: Die Provinz gehört zu den grössten Wirtschaftsregionen des Landes und zählt knapp 100 Millionen Einwohner.

Angedacht war ein Joint Venture: Die Idee: Iseli liefert das Know-how für den Bau der Maschinen und Anlagen, die dann auch in der Schweiz für die industrielle Produktion der Fertigbauelemente zum Einsatz kommen könnten und weltweit in Lizenz verkauft werden. Die Chinesen auf der anderen Seite helfen, einen Partnerbetrieb in ihrem Land zu suchen und unterstützten diesen nach Möglichkeiten.
 

Produktion im riesigen Industriepark

Seit Freitag ist diese Idee bereits offizielle Absichtserklärung. Iseli hat mit dem Leiter eines 26 Quadratkilometer grossen Industrieparkes an der chinesischen Ostküste im Beisein des extra mit einer fünfköpfigen Delegation angereisten Vizepräsidenten der Provinz einen sogenannten Letter of Intent unterzeichnet. Darin bekunden beide Seiten ihren guten Willen, eine strategische Partnerschaft einzugehen. Es sei noch ein weiter Weg zu gehen, sagte der Vizepräsident von Shandong. Doch er würde sich sehr freuen, wenn das Projekt zum Fliegen käme. «Wir heissen alle ausländischen Investoren bei uns herzlich willkommen, bieten ihnen Unterstützung an und garantieren ihnen Gleichbehandlung», betonte er. Iseli machte keinen Hehl daraus, dass es für ihn wie ein Sechser im Lotto wäre, wenn es mit der Zusammenarbeit klappen würde. 

In einem nächsten Schritt geht es darum, eine Produktionsfirma für die Maschinen zu finden. «Wir haben schon diverse Unternehmen im Auge», sagt ­Iseli. Er sei zuversichtlich, das ­Interesse eines Betriebes wecken zu können. Auch weil er die Unterstützung der politischen Verantwortungsträger vor Ort habe. China setze derzeit enorm stark auf grüne Technologien, zu denen seine Ecocell-Betonwaben zählen würden. «Sie bestehen aus Holz, Fasern sowie Altpapier. Wir liegen damit voll im Trend.»

Mit dem neuartigen Bau­material gewann Iseli 2016 den Green Tec Award – den bedeutendsten Umweltpreis in Europa. Damit gingen ihm Türen auf, die vorher verschlossen waren. Und nicht nur in China. Nächste Woche bekommt Iseli Besuch vom Präsidenten des europäischen Verbandes der Fertighaushersteller, der mehr über Ecocell erfahren will.

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