3,5 Millionen für den WerkZwei-Park?

ARBON ⋅ Diese hohen Kosten relativiert Stadtpräsident Andreas Balg. Netto käme er günstiger. Es handle sich um ein kompliziertes Vertragsgebilde.
07. April 2018, 05:18
Max Eichenberger

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

 

Letzten Herbst ist die Stadt um eine Parkanlage reicher geworden: Die erste Etappe (und damit der grösste Teil) des WerkZwei-Parks ist am 24. September eingeweiht worden. Drei Tage zuvor war der Abtretungsvertrag über die 11101 Quadratmeter grosse Parkfläche grundbuchamtlich beurkundet worden. HRS trat das Areal der Stadt ab. Eine weitere Fläche von rund 6000 Quadratmeter soll dereinst hinzukommen – und damit die Verbindung zum Aach-Grüngürtel hergestellt werden. Die Realisierung der zweiten Etappe ist noch offen. Laut Stadtpräsident Andreas Balg bedarf es noch Anpassungen beim Gestaltungsplan. Auch das grüne Aach-Band ab der Schöntalstrasse zum See mit dem Knackpunkt Querung der Bahngeleise ist noch offen. Die Planung läuft. «Wenn alles realisiert ist, haben wir in Arbon neue zusammenhängende attraktive Verbindungen.»

Das ganze Konstrukt ist kompliziert aufzuschlüsseln

Manche Arboner zeigen sich nun aber irritiert ob der hohen öffentlich genannten Kosten des WerkZwei-Parks von knapp 3,5 Millionen Franken für die Stadt. 3,5 Millionen für 170 Bäume und Sträu- cher, Spontanvegetation, chaussierte Plätze und Wege, einen Spielplatz, Sitzelemente im Bahnschwellenstil, eine mit Beton ausgegossene Gleisspur, Tischtennistisch und Brunnenspiel? Dies auf einem von HRS gratis abgetretenen Areal?

Das ganze Konstrukt sei in der Tat kompliziert aufzuschlüsseln, sagt Balg. Und die Kosten insofern zu relativieren, da es sich um Bruttokosten handle. Das Ganze basiert auf dem Erschliessungsvertrag von 2006, damals unter Martin Klöti abgeschlossen noch mit der OC Oerlikon Saurer. Mit dem Erwerb des ganzen gut 200 000 Quadratmeter grossen WerkZwei 2012 hat HRS diesen übernommen. In den später verhandelten Detail-Erschliessungsverträgen habe sich die Stadt «eine gute Ausgangslage» geschaffen, sagt Balg. Integraler Bestandteil ist auch das Parkband.

Die Stadt steht grundsätzlich in der Erschliessungspflicht. Der Park WerkZwei und die weniger extensiv begrünte Franz-Saurer-Passage haben beide Erschliessungsfunktionen. Die Passage zu einem höheren Anteil. Entsprechend weniger – 20 Prozent – trägt die Stadt an den Kosten von 2,3 Millionen. Der öffentliche Park wiederum hat eine grössere Erholungsfunktion. Entsprechend stelle diese einen hohen städtischen Gegenwert der Investition dar, sagt Balg. Zudem profitiere die Stadt, weil neue Verbindungswege für Fussgänger und den Langsamverkehr entstehen.

Die Interessen von HRS einerseits und Stadt anderseits seien minutiös abgewogen worden und in die Verträge eingeflossen. So variieren je nach Bautiefe oder Bereiche wie Trottoir, Strassen, Parkplätze oder Grünsteifen die Kostenanteile, erklärt Balg die Grundlagen des Vertragswerkes. Dieses ist im Übrigen nicht öffentlich. Einsicht hat die Subkommission der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission, die dazu noch nicht abschliessend Stellung genommen hat.

Bei Netto-Betrachtung Kosten «einiges tiefer»

Der Spielplatz vor den Wohnbauten ist laut Balg von den Investoren finanziert – eingeschlossen ein pauschal berechneter Unterhalts- und Erneuerungsanteil. Zudem koste die Sanierung der Altlasten nur rund ein Drittel der geschätzten Kosten von knapp 885600 Franken. Und davon wiederum wird HRS 43 Prozent tragen. Durch Effizienz wird der Unterhaltsmehraufwand aufgefangen. Eine früher vorgesehene zusätzliche Stelle im Werkhof wird nicht geschaffen.

Alles in allem und bei «Netto-Betrachtung», so das Fazit von Stadtpräsident Andreas Balg, werden die Kosten für die Gestaltung der Grünflächen letztlich einiges tiefer liegen.


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