Velofahrer suchen neue Wege

ARBON ⋅ Die Arboner Grünen und Pro Velo Thurgau wollten am Samstag wissen, wo die Bevölkerung der Schuh in Sachen Langsamverkehr drückt. Sie luden zum Info- und Diskussionstag ins Kappeli ein. Das Echo war gross.
02. Oktober 2017, 07:20
Christof Lampart

Christof Lampart

arbon

@thurgauerzeitung.ch

Der Arboner Grüne und Kantonsrat Didi Feuerle konnte am Ende des Tages höchst zufrieden bilanzieren: «Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Die Leute kamen nicht nur zahlreich und diskutierten rege mit uns verschiedene Verkehrsprobleme und -lösungen, sondern machten auch bei unserer Umfrage mit», sagte Feuerle. Bis zum Schluss der Foto-Ausstellung, in der viele schlechte Arboner und gute ausländische städtische Verkehrslösungen für Velofahrer und Fussgänger in Bild und Wort thematisiert wurden, hatten nicht weniger als 58 Frauen, Männer und Jugendliche ganz konkrete Tipps und Beanstandungen in Sachen Arboner Langsamverkehr aufgeschrieben.

Die Massnahmen reichen vom akkuraten Zurückschneiden von Büschen und Sträuchern über das Anbringen von Tafeln und dem Zeichnen von Markierungen. Das Abflachen von hohen und somit gefährlichen Randsteinen wurde ebenso aufgeführt wie auch selbstredend sehr aufwendige und teure Umbauten und Sanierungen von Strassen und Wegen. Auch wurden Vorschläge zur Verkehrsschulung von Kindern geäussert. Wenig überraschend war die neue Linienführung der Kantonsstrasse NLK das Ziel mancher Beanstandung. Insbesondere im Bereich des Webschiffkreisels (Langkreisel), des Hamel und entlang des Abschnitts zwischen «Grossenbacher»-Haus und «Frohsinn» hagelte es Kritik. Dass dem so war, ist für Feuerle wenig verwunderlich, denn «auf diesen Abschnitten werden die Velofahrenden zu sehr gefährlichen Strassenquerungen gezwungen».

Details auswerten und Dossier für den Kanton

Mehrere Besucherinnen und Besucher äusserten den Wunsch, dass die Stadt Arbon bei den Kantonsstrassen unbedingt beim Kanton vorstellig werden müsse und Verbesserungen verlangen sollte. Die erst vor vier Jahren eröffnete und Bund, Kanton und Arbon insgesamt 58 Millionen Franken kostende NLK sei – so der allgemeine Tenor der Ausstellungsbesucher – ihr Geld nicht wert.

Für die Arboner Grünen ist dies ein gewichtiger Grund, um demnächst aktiv zu werden. Zum weiteren Vorgehen meinte Feuerle: «Wir werden in den nächsten Wochen die heute gesammelten Anliegen zuerst im Detail auswerten und uns dann die Situationen vor Ort genau anschauen, dokumentieren und dann ein Dossier ausarbeiten, das wir dann der Stadt Arbon und dem Kanton Thurgau zukommen lassen werden». Für den Grünen-Kantonsrat ist Arbon noch weit davon entfernt, eine Velostadt zu sein, denn für Feuerle ist eine Stadt dann eine Velostadt, wenn «ich Freude daran habe, mich in einer Stadt mit dem Velo von A nach B zu bewegen; das ist hier aber ganz sicher nicht der Fall».

Gut besucht war auch der abendliche Fachvortrag von Pro Velo Thurgau im stimmungs-vollen Kappeli. Die Verantwortlichen zeigten dabei viele positive Beispiele von velofreundlichen Städten in Europa und den USA.


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