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Tagblatt Online, 13. Januar 2009 01:01:27

Hexe Befana beschenkt die Kinder

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Wie ein weiblicher Samichlaus: Hexe Befana, umringt von Kindern. Auch die Heiligen Drei Könige erschienen im Arboner Pfarreisaal.

ARBON. Die italienischen Familien in Arbon feierten ihrer Tradition entsprechend im Pfarreizentrum Befana. Die Kinder wurden von Befana, einer verkleideten Hexe, beschenkt. Der von der Kirche geduldete Brauch hat die heidnische Zeit überlebt; die Immigranten pflegen ihn bei uns weiter.

Hedy Züger

Befana heisst ein volkstümliches Fest in Italien. Befana, übersetzt: Hexe, beschenkt die Kinder. Das Fest wird auch im Ausland begangen, am vergangenen Samstag besuchte Befana im Pfarreizentrum die italienischen Familien. Die Kinder rückten ins Zentrum, die Erwachsenen freuten sich auf den gemütlichen Treff mit Bekannten, auf ein Tänzchen sowie italienische Spezialitäten. Michele Schirinzi und der Consiglio Pastorale (Pfarreirat) organisierten den Anlass.

Vorchristlich

An Dreikönig feiern Italien und einige Tessiner Dörfer den Tag der Befana, der hässlichen, aber lieben Hexe. Es soll, trotz des katholischen Landes, ein ursprünglich heidnischer Brauch sein, aber seit langer Zeit eine bedeutende Tradition der Weihnachtszeit. Die Kinder hängen einen Strumpf auf, der über Nacht gefüllt wird: Befana macht's. Die verkleidete Frau kann auch tadeln, ähnlich wie der Samichlaus, ist sie unzufrieden, verteilt sie Kohlestücke. Diese sind so populär, dass sie als Leckerei beim Konditor erhältlich sind.

Zusammenhänge

Anfangs unserer Zeitrechnung galt der 6. Januar als Jahresbeginn und markierte das Ende des tiefen Winters. Ab dem 4. Jahrhundert wurde das alte Jahreszeitenfest durch das christliche Fest der Epiphanie (griechisch: Erscheinung) ersetzt. Nach der Kalenderreform von Papst Gregor XIII. verlegte Papst Innozenz XII. den Jahresbeginn vom 6. auf den 1. Januar. Epiphanie ist das älteste Fest der Kirche, das kalendarisch festgelegt war. Es wurde später durch Weihnachten abgelöst.

Christus ist das Licht

Als die christliche Kirche im 4. Jh. n. Chr. nicht länger verfolgt wurde und begann, die Heiden zu missionieren, stiess sie auf fest eingewurzelte Feste. Es war schwierig, diese auszurotten. So entschloss sich der römische Bischof, in diese Zeit ein christliches Fest zu legen, welches die heidnischen Feiern verdrängen sollte. Er wählte dazu die Geburtsfeier Jesu und legte sie auf den 25. Dezember (354). Dies war besonders eine Kampfansage an die Sonnenanbeter im Mithraskult: Nicht die Sonne bringt Licht und Leben, sondern Christus. Die Kirche versuchte bis etwa zum Jahrtausendwechsel, heidnische Bräuche auszumerzen. Man gab ihnen einen neuen Sinn: Die Kerzen sind Symbole für Jesus, das Licht der Welt; man beschenkte sich an Weihnachten gegenseitig, weil Gott uns seinen Sohn geschenkt hat. Befana ist nicht identisch mit Epiphanie oder Drei Könige, wird aber im gleichen Zeitraum gefeiert.

Kirche toleriert Brauch

Befana ist kein kirchliches Fest, aber die Kirche toleriert den fröhlichen Brauch und begleitet ihn: In Arbon wurde die Hexe, gespielt von Giulia Ambrosi, von den heiligen drei Königen empfangen. Die vielen Kinder im Saal sagten Verse in italienischer Sprache auf, darunter Elisa, Denise und Giovanni. Befana wandte sich nach den Kindern den jungen Frauen im Saal zu und kam mit ihnen als weise Frau ins Gespräch.





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