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Tagblatt Online, 26. November 2008 01:00:35

Ein Jahrhundert Orchestermusik

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Unter Leitung von Leo Gschwend steht heute das Sinfonische Orchester Arbon. Es umfasst rund 50 Musikerinnen und Musiker. (Bild: Bild: zVg)

Das Sinfonische Orchester Arbon feiert 2009 sein 100jähriges Bestehen. Anlass genug, auf den Werdegang des Orchesters, auf glanzvolle Zeiten mit Heinrich Steinbeck, aber auch auf Schwierigkeiten und Krisen zurückzublicken.

Gerd-Peter Bohnen

Arbon. Beginnt man in alten Protokollen, Programmheften und Zeitungsberichten zu stöbern, so werden aus Namen nach und nach Gestalten, und je intensiver man sich in die Lektüre vertieft, umso mehr nimmt der Verein vor dem geistigen Auge Konturen an – ja, er beginnt zu leben. Die Geschichte des Sinfonischen Orchesters Arbon spiegelt auch ein wahrhaftiges Stück Zeitgeschichte: Ereignisse des politischen und wirtschaftlichen Geschehens haben das Vereinsleben seit Anbeginn massgebend beeinflusst.

Finanzielle Engpässe

Am 16. Dezember 1909 wurde der «Orchesterverein Arbon» gegründet. Im Mitgliederverzeichnis von 1910 ist zu lesen, dass die Aktivmitglieder einen Monatsbeitrag von einem Franken zu entrichten hatten. Dieser wurde kurz darauf um die Hälfte reduziert. Nicht nur finanzielle Engpässe schienen die Mitgliederzahlen gering zu halten– das Orchester hatte auch Schwierigkeiten, junge Musiker für den Verein zu begeistern. So beschloss man 1912, in den Zeitungen Inserate aufzugeben, die junge Leute ermuntern sollten, dem Orchesterverein beizutreten. Im Protokoll ist dazu zu lesen: «Nebenbei sollte auch bemerkt werden, dass Bass und Viola vom Verein zur Verfügung gestellt werden.»

Zwischen 1913 und 1921 fehlen protokollarische Aufzeichnungen, und auch über Konzertaktivitäten ist bis 1920 nichts bekannt – ein Hinweis auf die schwierigen Verhältnisse vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg.

Steinbeck übernimmt Leitung

Wesentlich für den Aufschwung des Orchesters war die Zusage des damaligen Dirigenten der Stadtmusik Arbon, Heinrich Steinbeck, auch die musikalische Leitung des Orchestervereins zu übernehmen. Am 3. Juni 1920 fand im «Baer-Garten», der ebenso wie der «Lindenhof» heute nicht mehr existiert, ein Konzert statt. Ein Jahr später fand das erste Sinfoniekonzert in Arbon statt, das in der lokalen Presse ausführlich gewürdigt wurde. Die Eintrittspreise betrugen für nummerierte Plätze 2.50 Franken, für unnummerierte Plätze 1.50 Franken.

Humor und Wohltätigkeit

Die Aufzeichnungen der 100jährigen Vereinstätigkeit sind umfassend. Handgeschriebene Sitzungsprotokolle und Zeitungsausschnitte geben Aufschluss über Hauptversammlungen, Vereinsabende, Konzerte sowie Schlosshof-Serenaden. Köstlich sind die teils sehr humorvollen Kommentare der Protokollführer, wie dieser vom 29. Januar 1938: «Schade, dass Herr X mit seinen Fingern auf der Geige nicht so gut jonglieren kann wie mit Stühlen und Tischen, dann wäre er ein noch viel willkommeneres Orchester-Mitglied.» Bemerkenswert ist auch das 10. Sinfoniekonzert, das 1932 zugunsten der Arbeitslosen gegeben wurde: «Das Ergebnis des Konzertes beträgt Fr. 377.20 zu Gunsten der hiesigen Arbeitslosen.»

In der musikalischen Leitung des Orchesters lassen sich drei Epochen erkennen: eine florierende Ära mit Heinrich Steinbeck (1920 bis 1954), eine turbulente Zeit mit Walter Schaich (1954 bis 1984) und aktuell mit Leo Gschwend, der nun schon über 20 Jahre für den musikalischen Weg des Orchesters verantwortlich ist.

Nicht immer war es einfach: So kämpfte das Orchester in den Achtzigerjahren um sein Überleben: Nur noch acht Aktivmitglieder hielten dem Verein die Treue. Heute zählt das Orchester rund 50 Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Ostschweiz und dem angrenzenden Ausland.

Zahlreiche Anpassungen

In seiner 100jährigen Geschichte hat das Orchester Arbon immer wieder versucht, sich den kulturellen Veränderungen der Zeit anzupassen. Zeichen dafür sind die Namenswechsel: von «Orchesterverein Arbon» über «Stadtorchester Arbon» bis zu «Sinfonisches Orchester Arbon». Der aktuelle Name entspricht der Professionalisierung der Konzertmeisterstelle und der Aufstockung des Laienorchesters mit professionellen Bläsern zur sinfonischen Besetzung. Auch im organisatorischen Bereich ist mit der Einführung einer Geschäftsstelle eine notwendige Anpassung vorgenommen worden. Das Sinfonische Orchester Arbon tritt regelmässig im Gemeindesaal Steinach und im Schlosshof Arbon auf.





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