Direkte Links und Access Keys:

Tagblatt Online, 05. Dezember 2008 01:02:26

«Sprüche würden ihm nicht gefallen»

Zoom

Der Samichlaus wird am Samstag durch die Strassen ziehen. (Bild: Bild: tb)

Alle Jahre wieder kommt am 6. Dezember der Samichlaus mit dem Schmutzli, seiner Rute und Säckli mit Süssigkeiten und Nüssen auf Besuch. Erwachsene erinnern sich an ihre Erlebnisse mit dem Nikolaus in ihrer eigenen Kindheit. Und Schüler erzählen, was sie von ihm halten.

Julia Breitenmoser

«Wenn der Chlaus kommt, habe ich manchmal ein bisschen Angst. Denn er könnte mich ja im Sack mitnehmen», gibt der achtjährige Raphael Gross zu. Er lerne jeweils Sprüche auswendig und trage sie dann dem Chlaus vor. «Am meisten freue ich mich auf das Säckli mit den Süssigkeiten drin», sagt der Uttwiler. Der Chlaus habe bei seinen Besuchen Verbesserungsvorschläge für ihn gehabt. «Ich versuchte mich dann an das zu halten, was er mir gesagt hat», so Raphael. Der Drittklässler fände es nicht schlimm, wenn der Samichlaus nicht mehr käme: «Die Nüssli in den Säcken habe ich sowieso nicht gern.»

Schwester in den Sack gesteckt

«Früher hatten wir Angst vor dem Samichlaus», gesteht die 57jährige Nelle Mischler. Denn dieser habe ihre Schwester einmal in den Sack gesteckt: «Sie konnte das <Vaterunser> nicht auswendig.» Sie hätten damals keine Sprüche auswendig gelernt, aber trotzdem ein Säckli bekommen. «Die Tradition mit dem Chlaus finde ich gut, sie muss weitergeführt werden», so die Arbonerin. Ein Esel sei nicht mit von der Partie gewesen. «Nur der Chlaus und der Schmutzli kamen vorbei», sagt sie. Bei den Kindern im Dorf herrschte immer grosse Aufregung, als der Samichlaus kam. «Die meisten sind dem Chlaus nachgesprungen, um zu schauen, wo er als nächstes hingeht.»

«Chlaus war immer zufrieden»

«Ich freue mich immer, wenn der Samichlaus kommt», erklärt der achtjährige Lulzim Desko aus Uttwil. Am meisten freue er sich, weil der Samichlaus mit dem Schmutzli und seiner Rute komme. Lulzim lerne jedes Mal ein Sprüchli auswendig. «Der Chlaus war immer zufrieden mit mir und hat noch nie gemeckert», so der Drittklässler. Er fände es schade, wenn der Chlaus nicht mehr kommen würde: «Denn dann könnte ich keine Sprüchli mehr aufsagen, das mache ich gerne.» Lulzim Desko sagt jedes Jahr ein anderes Sprüchli auf: «Denn das alte vergesse ich immer wieder.»

«Ich kann mich nicht erinnern»

«Ich kann mich selbst nicht mehr an die Zeit meiner Kindheit erinnern, als der Samichlaus aktuell war», sagt die aus Deutschland stammende Marlies Verhofnik. Denn das sei zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gewesen. «Ich kann aber von den Erfahrungen meiner Kinder berichten», so die Romanshornerin. Diese hätten sowohl Freude als auch Angst gehabt vor dem Chlaus. «Aber mehr eine lustige Angst.» Der Chlaus habe nie gedroht, die Kinder in den Sack zu stecken, wovon Marlies Verhofnik auch nichts hält. «Die Kinder lernten die Sprüche in der Schule», sagt sie und ergänzt: «Sie merkten dann selbst, wenn der Chlaus enttäuscht war, weil sie kein Sprüchli konnten.»

«Der Chlaus hätte keine Freude»

«Der Chlaus wollte mich noch nie mitnehmen», berichtet der neunjährige Alexander Tomé aus Uttwil. Er freue sich, wenn der Chlaus komme.

«Ich kann keine Sprüche aufsagen. Das heisst, ich kann schon, aber an denen hätte der Chlaus keine Freude», sagt er schmunzelnd. «Samichlaus, du Superman, leider bin ich Schmutzli-Fan», sei einer dieser Sprüche. «Ich bekomme auch ein Säckli, wenn ich kein Sprüchli aufsage» Er habe versucht, zu verbessern, was der Chlaus ihm gesagt hat. Er fände es schade, wenn der Chlaus nicht mehr käme.

«Sprüche lernen war mühsam»

«Gestern war ich mit meiner Frau und meinem Grosskind beim Chlaus», erzählt der 59jährige Walter Gross. «Ich war überrascht, wie offen und ohne Angst die Kinder auf den Klaus zugingen.» Das Lernen eines Spruches fand der Romanshorner früher mühsam. Aber irgendeine Leistung müsse man ja bringen, findet Walter Gross. «Die Fehler, die ich gemacht habe, wollte ich natürlich nicht eingestehen, als der Chlaus sie mir dann vorgehalten hatte.» Seiner Meinung nach sollten die Eltern ihren Kindern nicht mit dem Samichlaus drohen.

«Säckli einfach hingelegt»

«Ich freue mich über die Geschenke, wenn der Chlaus kommt», erklärt die achtjährige Ramona Gähwiler. Sie lerne zwar ein Sprüchli auswendig, aber komme dann nie an die Reihe, um es vor dem Samichlaus aufzusagen. «Trotzdem bekomme ich immer ein Säckli geschenkt», sagt die Uttwilerin. «Letztes Jahr hat der Chlaus die Säckli einfach hingelegt, ohne reinzukommen.» Das habe sie aber nicht gross gestört. Der Weihnachtsmann sei eher lieb zu ihr als böse, meint Ramona Gähwiler.





Leser-Kommentare:
keine


Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.

Kommentar schreiben

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!

Um Inhalte kommentieren zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Noch keinen Zugang? Jetzt kostenlos registrieren!

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

Anzeige:

tagblatt.ch / ipad

iPad und E-Paper

facebook.com / tagblatt

 ...

Anzeige: