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Tagblatt Online, 26. April 2012 01:08:00

«Wehren uns für Standort Arbon»

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Der EKT-Hauptsitz in Arbon. (Bild: Max Eichenberger)

Der Stadtrat stellt sich vehement gegen das Ansinnen des EKT, den Arboner Hauptsitz möglicherweise aufzugeben und den Betrieb in Sulgen zu konzentrieren. «Arbon muss um jeden Arbeitsplatz kämpfen», sagt Stadtammann Martin Klöti.

Wie hat der Stadtrat davon Kenntnis bekommen, dass die EKT-Führung erwägt, dem Standort Arbon den Rücken zu kehren und den Betrieb in Sulgen zu konzentrieren?

Martin Klöti: Es liegt schon länger in der Luft, dass solche Überlegungen in den Gremien des Elektrizitätswerkes des Kantons Thurgau angestellt werden. Immerhin wurden die Mitarbeiter zum Jahreswechsel schon orientiert… Offiziell sind wir in einem Schreiben von der EKT-Direktion am 20. März informiert worden.

Das EKT stellt den Standort Arbon zur Disposition. Wie reagieren Sie darauf?

Klöti: Der Stadtrat hat mit Erstaunen und Befremden von dieser Standortüberprüfung Kenntnis genommen – und dass Arbon droht, dass das EKT seine Administration abzügelt. Das können wir nicht einfach so hinnehmen. Wir haben darum unsere Argumente in einem Schreiben umgehend auch der EKT-Leitung mitgeteilt.

Was sind denn diese Argumente?

Klöti: Mit dem Wegzug der EKT-Gruppe gingen in Arbon 62 Arbeitsplätze und zwei Lehrstellen verloren. Das würde uns schwer treffen. Die Stadt Arbon hat heute schon im Vergleich zur Wohnbevölkerung eine zu geringe Zahl an Arbeitsplätzen. Mit 0,39 Prozent ist unser Arbeitsplatzquotient zu tief und deutlich unter dem kantonalen Schnitt von 0,5 Prozent. Da müssen wir ohnehin Gegensteuer geben und wollen daher auch im Saurer WerkZwei 500 neue Arbeitsplätze schaffen. Unsere Stadtentwicklung ist nicht auf reinen Wohnraum ausgerichtet; Arbeitsplätze sind extrem wichtig.

Die EKT-Spitze spricht von wirtschaftlichen Vorteilen einer Zentralisierung…

Klöti: Nochmals: die volkswirtschaftlichen Aspekte darf man damit nicht einfach untergraben bei solchen Betrachtungen. Mit dem Standort Arbon hatte der Kanton damals ein Bekenntnis abgelegt, dass auch die Regionen nicht leer ausgehen und nicht alle Institutionen in Frauenfeld und Weinfelden angesiedelt sind. So hat Romanshorn zum Beispiel auch eine Kantonsschule. Wir müssen uns behaupten. Die Wirtschaft in der Region Arbon und die Politik hat letzthin erfolgreich um das Bildungszentrum gekämpft.

VR-Präsident Rainer Sigrist argumentiert mit der Liberalisierung und dem Druck, Kosten und Betriebsabläufe zu optimieren. Arbon liege da als Standort zu peripher.

Klöti: In Sulgen arbeiten die Netzelektriker. In Arbon befindet sich die Administration. Die hier Arbeitenden, hoch qualifizierte Leute, sind nicht im Netz selber tätig, sondern an Computern. Insofern schafft eine Zentralisierung in Sulgen kaum Vorteile. Dieses Argument zieht aus unserer Sicht jedenfalls nicht.

Die Stadt Arbon ginge neben Arbeitsplätzen auch Steuern verlustig. In welcher Höhe?

Klöti: In der Grössenordnung von 100 000 Franken. Aber das ist nicht der Punkt.

Arbon Energie AG, die der Stadt Arbon gehört, hat sich vor rund 20 Jahren (damals noch als «Stadtwerke») vom EKT als Stromlieferanten losgesagt und bezieht den Pfuus seither von der SN Energie. Das hat das EKT gekränkt…

Klöti: Seit die Stadtwerke abgedriftet sind, fühle sich das EKT nicht mehr gebunden an den Standort Arbon, sagt tatsächlich Regierungsrat Kaspar Schläpfer. Abgesehen davon, dass der Wirtschaftsdirektor finanzielle Vorteile bei einem zentralen Standort sieht. Das sehen aber nicht alle in der Kantonsregierung so. Kaspar Schläpfer habe ich nach Eingang des EKT-Briefes an einer Grossratssitzung sofort «angehechtet».

Am See käme an Top-Lage ein Landblätz mehr auf den Markt…

Klöti: Ich habe mir mit einer Dreierdelegation ein Bild gemacht vom EKT-Betrieb in Arbon. Wie schon gesagt: Wir wollen nicht nur Wohnraum in Arbon. Und wenn man die hinter dem markanten Hauptgebäude liegenden, modern ausgestatteten Gebäude einfach abrasieren würde, käme das auch einer unsinnigen Vernichtung von Volksvermögen gleich – selbst wenn man sagt, Wohnraum generiere dann mehr Profit.

Interview: Max Eichenberger

kanton thurgau 34




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