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Tagblatt Online, 03. August 2012 07:37:00

Sie bringt Opfer für die Tiger

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Tigerlady Carmen Zander schmust auch manchmal mit ihren Tigern. (Bild: Gioia Zogg)

ARBON. Tigerlady Carmen Zander ist mit dem Circus Royal unterwegs. Die Tricks sehen einfach aus und die Tiger wirken wie Schmusekatzen. Die Dompteurin weiss aber, dass sie täglich ihr Leben riskiert.

GIOIA ZOGG

«Im Auge des Tigers», so heisst das aktuelle Programm des Circus Royal, der noch bis Sonntag in Arbon gastiert. Denn Hauptattraktion ist in diesem Jahr Carmen Zander und ihre fünf Königstiger. Die Tiger-Dompteurin gehört international zu den Renommiertesten. «Wir sind sehr glücklich, dass wir Carmen Zander und ihre indischen Tiger engagieren konnten», sagt Zirkus-Pressesprecher Niels Clemens. Sie war bereits mehrfach angefragt worden. Jetzt ist die Frau aus Chemnitz noch bis Ende Oktober mit dem Circus Royal unterwegs. «Danach gehen wir – leider ohne Tiger – nach Österreich. Zander hat dann ein anderes Engagement.»

Früher im Kader der DDR

«Leidenschaft für Raubkatzen – und das von klein an», antwortet Carmen Zander auf die Frage, wie sie zu ihrem Beruf gekommen ist. Natürlich ist die grosse Faszination nicht alles. Ihr Leben in der Manege war vorgezeichnet.

Als junge Hochleistungssportlerin im DDR-Kader der rhythmischen Sportgymnasten gab es nach dem Verletzungs-Aus für sie, die auf der Bühne bleiben wollte, nur zwei Optionen: Das Fernsehballett oder die Artistenschule. Zu klein für ersteres absolvierte sie die dreieinhalbjährige Ausbildung zur Artistin. Erstmals in die Nähe von Raubkatzen kam sie als freiberufliche Artistin, als sie die Chance bekam, eine fertig konzipierte Tigershow von einem erfahrenen Dompteur zu übernehmen – natürlich erst nach der zweijährigen Erfahrung als Tigerpflegerin.

Sechs bis acht Kilo Fleisch

«Ich musste wie immer alles übertreiben», sagt Carmen Zander. Denn als sie 2005 die Chance bekam, vom Safaripark Stukenbrock den Wurf der fünf Königstiger zu übernehmen, griff sie zu. Heute ist sie im Besitz von vier Tigerweibchen und einem Männchen, die alle um die 250 Kilo wiegen und zusammen täglich 30-40 Kilo Fleisch verspeisen.

Ihr Leben sei mit viel Verzicht verbunden, beginnend bei ihrem Zuhause im Wohnwagen, sagt Zander. Auch bemängelt sie, dass sie nur wenig Privatsphäre habe und immer in der Öffentlichkeit stehe. «Ich stelle mich nicht gerne aus.» Dafür führt sie gerne ihre Tiger vor. Und für ihre Tiere sei sie opferbereit. Durchsetzungskraft und -wille seien Voraussetzungen in ihrem Beruf. Der Leistungssport wäre ihr dafür eine gute Schule gewesen.

Das Schönste an ihrer Arbeit sei die Kommunikation mit ihren «Babies». «Ich bin ein sehr sensibler Mensch, und für meine Arbeit muss ich das auch sein», sagt Zander. Wenn sie die Blicke der Tiger nicht sofort deuten könne, würde es lebensgefährlich. Auch in der Manege bestehe die Vorstellung immer wieder aus Improvisation und Anpassung. «Ich riskiere täglich mein Leben, aber ich mache das gerne für mein Publikum.»




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