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Tagblatt Online, 25. Juni 2012 06:53:00

Keine Lust mehr auf Haie

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Mit dem Wasser vertraut: Bademeisterin Sandra Mathis schwimmt am liebsten mitten im Bodensee. (Bild: Bettina Degen)

ARBON. Im Strandbad Arbon hat Sandra Mathis als neue Bademeisterin die Aufsicht über das Baditeam und die Badegäste. Die 33-Jährige spricht über Veränderungen und verrät, wo es sich am Bodensee am besten abkühlen lässt.

Frau Mathis, seit Mitte Juni sind Sie die neue Bademeisterin im Strandbad Arbon. Sind Sie gut angekommen?

Sandra Mathis: Ich bin glücklich, wie gut ich vom Team und den Badegästen aufgenommen wurde. Es ist mein erster Posten als Chef-Bademeisterin. In meiner Position als Verantwortliche fühle ich mich wohl und respektiert.

Sie kommen zurück an den Bodensee. Was heisst das für Sie?

Mathis: Es ist ein kleiner Traum, am Bodensee arbeiten zu dürfen, denn es bedeutet für mich Freiheit. Die letzten drei Jahre habe ich in Bassersdorf als Bademeisterin in einem Hallen- und Freibad gearbeitet. Mit Arbon bin ich wieder in der Nähe von Kreuzlingen, wo ich aufgewachsen bin und schwimmen gelernt habe. Jetzt erst merke ich, wie sehr ich den See vermisst habe.

Sommer und täglich Strandbad – für Sie die beste Kombination?

Mathis: Oh ja, es ist perfekt. Ich kann in der Natur arbeiten, bin bei jedem Wetter draussen. Auch der Kontakt zu den Badegästen macht Spass. Bei den Touristen habe ich die Gelegenheit, mein Englisch und Französisch anzuwenden.

Hatten Sie schon als Kind den Wunsch, Bademeisterin zu werden?

Mathis: Ich wollte Rettungsschwimmerin werden, nicht Bademeisterin. Dieser Wunsch kam mit 14 Jahren durch die Serie «Baywatch». Bei den Rettungsszenen war ich gespannt, mit welchen Techniken die Rettungsschwimmer von Malibu die Situation meistern würden. Für den Beruf der Bademeisterin interessierte ich mich erst, nachdem ich die Badewacht im Schwimmbad gemacht habe. Heute weiss ich, dass es definitiv kein langweiliger Job ist. Neben Reinigung von Uferzonen, Becken und Holzflossen gibt es Instandsetzungen und Gärtnerarbeiten zu machen. Ich liebe auch den Kontakt zu Gästen aus der ganzen Welt.

Das ist viel körperliche Arbeit. Kein Problem für Sie als Frau?

Mathis: Manchmal geht die Arbeit schon an die Grenze meiner Kraft, zum Beispiel beim Hieven des Reinigungsbootes aus dem Wasser. Gerade bei technischen oder handwerklichen Kniffligkeiten gehen mir meine Mitarbeiter zur Hand. Sonst gibt es immer einen Badegast, der mir hilft. Sie sehen eben, dass ich mich nicht vor Arbeit scheue und auch Möwendreck von den Flossen wegschrubbe. Das wird geschätzt.

Bleibt im Strandbad Arbon alles beim alten?

Mathis: Ich habe einige Ideen, aber die Veränderungen sollen langsam kommen. Ich bin auch offen gegenüber Vorschlägen von Badegästen, die man umsetzen könnte. Zwei Dinge habe ich bereits verändert. Einzeleintritte erhalten neu einen speziellen Datumstempel, mit dem sie am gleichen Tag gratis ins Freibad Arbon kommen. Und von Anfang an war mir wichtig, dass die Abfalleimer mit Säcken bestückt werden. Das heisst aber, dass wir regelmässig die Abfallsäcke leeren müssen, gerade weil es hier oft windet oder weil sich die Möwen nachts auf den Müll stürzen.

Was für eine Bademeisterin sind Sie?

Mathis: Ich versuche immer auf eine freundliche Art streng zu sein. Ich habe es an meinen verschiedenen Arbeitsstellen in Badis Schritt für Schritt gelernt. Zuerst als Badewacht, als Hilfsbademeisterin und dann als Bademeisterin in Kreuzlingen, Saillon und in Bassersdorf. Gerade bei Kindern und Jugendlichen muss man Grenzen setzen, aber ohne Aggressivität. Profitieren kann ich auch durch meine Arbeit als Tanzlehrerin für Kinder.

Das tönt nach Polizeiarbeit. Verlieren Sie nie die Geduld?

Mathis: Nein. Klar stört es mich, wenn ich einen Badegast dreimal hintereinander auf eine Regel aufmerksam machen muss. Oder in gefährlichen Situationen, zum Beispiel wenn Boote in den Badebereich gelangen und die Schwimmer so in Gefahr geraten.

Welches sind die mühsamsten Gäste?

Mathis: Zu Beginn meiner Bademeister-Karriere waren das meine Freunde. Freundschaftspreise oder Gratiseintritte konnte ich eben nicht verteilen. Auch hatte ich Arbeiten zu erledigen und keine Zeit zum Plaudern oder kurz ins Wasser zu springen.

Achten Sie darauf, wie sich Badegäste vor Sonne schützen?

Mathis: Ich bin schon sensibilisiert darauf, ob sich Badegäste in der Sonne «braten». In extremen Fällen spreche ich die Leute auf Sonnenschutz an. Da wir grosse Baumschattenflächen haben, suchen viele Besucher von sich aus den geschützteren Ort. Ich persönlich trage regelmässig Sonnenschutz und Hautcrème auf.

Kommt nach dem See irgendwann mal das Meer?

Ich bin ein Seekind. Rettungsschwimmerin am Meer war einmal ein Wunschtraum von mir gewesen, so wie Pamela Anderson in «Baywatch». Er platzte aber, als ich den «Weissen Hai» sah. Da ist mir der See sicherer und ruhiger. Zudem habe ich hier meinen Freundeskreis.

Verraten Sie Ihren Lieblingsort am Bodensee?

Mathis: Mit meinen Freunden traf ich mich immer in Bottighofen zum Schwimmen. Ein bezaubernder Ort: eine einfache Wiese, mit Volleyballfeld und ohne Eintritt. Jetzt aber könnte es Arbon werden.

Interview: Bettina Degen





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