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Tagblatt Online, 28. Juli 2012 01:36:00

Idylle auch bei Hochbetrieb

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Campingwart Markus Möckli

ARBON. Richtige Hochsommertage am Stück, die sind am Bodensee rar. Umso mehr füllt sich dann der Campingplatz im Arboner Buchhorn. Er ist ein Geheimtip bei den Velotouristen. Sie bilden in der Zeltstadt die grösste Gruppe.

MAX EICHENBERGER

«Isch da schöö!» Mit ihrem Enkelkind watet die Grossmutter im Flachwasser vorsichtig vom Ufer weg, bis den Kleinen die roten Flügeli tragen. Die Mutter schwimmt unterdessen zum Floss hinaus. Kinder spielen mit den Luftmatratzen Kapitän. Dreikäsehochs planschen oder sändelen am Ufer sitzend mit buntem Plastikgeschirr. Campinggäste plägern unter schattigen Bäumen, in ein Buch vertieft. Andere dösen, während die Wellen, die ans Ufer rollen, das hoch aufgeschossene Schilf hin und her wiegen.

Alle zieht es an den See

Das Buchhorn bleibt eine Idylle, auch wenn ungewohnt viel Betrieb herrscht wie an diesem heissen Sommertag im Camping und im Strandbad. Beide Betriebe fliessen ineinander über. Es ist Ferienzeit. Und wenn es richtig Sommer ist, füllt sich der Camping und strömen auch viele Besucher aus dem sanktgallischen und appenzellischen Hinterland ins Strandbad. Die Wiesen müssen aufgemacht werden, um ausreichend Parkplätze zu schaffen.

Rare Zeltplätze

Im Camping sind die begehrten freien Plätze rar. Beim Hauptplatz östlich des Imbersbach sind neben den 33 Dauermietern die 60 Touristenplätze belegt. Dort laufe es sowieso nur über Reservation, sagt Campingwart Möckli. «Je länger, je mehr übers Internet.»

Markus Möckli schaut mit Cornelia Principe das zweite Betriebsjahr auf dem Campingplatz Buchhorn zum Rechten. Mit Fingerspitzengefühl jongliert er bei der Vergabe der 120 auf der unteren Strandbadwiese zur Verfügung stehenden Passantenplätze. Sie sind der besseren Übersicht wegen parzelliert und mit einem Weg erschlossen worden.

Mit dem Velo von Mörschwil

Mit dem Elektrobike kurvt Markus Möckli um die Anlage und späht nach freien Plätzen, die er Neuankömmlingen zuweist. «Ein Dreier- und ein Viererzelt?» Ja, da habe er noch etwas – und führt die Familien Poltera und Neuner zur Südostecke. Sie, die von Mörschwil mit den Velos angeradelt kamen, sind erleichtert, noch einen Platz gefunden zu haben. Die Jungmannschaft beginnt sogleich mit dem Zeltaufbau. Eine Nacht werden sie bleiben. «Wir haben sehr viele Velofahrer hier, die im Zelt übernachten oder auch länger bleiben», sagt Möckli. Sie belegen im Schnitt gut zwei Drittel des Areals für Passanten über dem Bach. Der Zeltplatz ist direkt am Seeradweg gelegen und unter Radlern mehr als ein Geheimtip.

Ein Tag bis zwei Wochen

Am Abend lassen sie Beine und Seele an der Ufermauer sitzend baumeln und geniessen das Farbenspiel an Himmel und Horizont, wenn sich die Dämmerung über das Buchhorn legt. Die Gäste verweilen unterschiedlich lange: Durchreisende schlagen für eine Nacht das Zelt auf, andere bleiben bis zu zwei Wochen. Das verlangt auch vom Campingwart Flexibilität. Das hat er gut im Griff und findet den Ton zu seinen Gästen. Auch das Wetter hat grossen Einfluss. Bei Regen und wenig sommerlichen Temperaturen entleert sich der Platz schnell. Schöne Hochsommertage, die gibt es nicht gerade in Fülle. Darum geniessen alle die Zeit bis zum nächsten Temperatursturz. Wollte er sich mit allen Campeuren in ihrer Landessprache unterhalten, müsste er wohl zehn Sprachen beherrschen, schmunzelt Möckli.

Aus halb Europa

Sie kämen aus halb Europa: von Deutschland über Holland bis England und Tschechien; natürlich Schweizer. Der Anteil der Stammgäste sei hoch, sagt Möckli: «Vielen gefällt es hier einfach, darum kommen sie wieder.» Wie der Walliser Pfarrer, der nicht der einzige seiner «Zunft» ist, der die Ruhe in der Arboner Oase am See geniesst.





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