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Tagblatt Online, 20. August 2012 01:37:00

Harfenklänge und Flamenco

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Leo Gschwend dirigierte das Schlosshofkonzert. Eine eindrückliche Show boten die Flamencotänzerinnen und -tänzer. (Bild: Christian Brühwiler)

ARBON. Damit die Musikfreunde beim Schlosshofkonzert nicht gestört wurden, hat die Stadt den Verkehr umgeleitet. So konnte das Publikum nicht nur die Tänze, sondern auch die feinen musikalischen Töne voll und ganz geniessen.

CHRISTIAN BRÜHWILER

Zum Auftakt des Schlosshofkonzertes liess sich das Sinfonische Orchester Arbon von der Besonderheit des Ortes inspirieren. Der Dirigent Leo Gschwend hatte Luigi Boccherinis hübsche «Musica notturna di Madrid», die das pralle Leben in den Strassen Madrids beschreibt, speziell für die verschiedenen Instrumentengruppen des Orchesters arrangiert, die im und um den Schlosshof verteilt ein ganz besonderes raumakustisches Erlebnis vermitteln sollten.

Rimsky-Korsakovs «Capriccio espagnol» verströmte mit den charakteristischen Tänzen und Melodien typisch spanisches Flair, und die Flamencogruppe der Tanzwerkstatt Arbon sowie die Solisten Diego González López und Olivia Sergio demonstrierten packend choreographierte und ebenso präzis wie leidenschaftlich vorgetragene Tanzkunst.

Ätherische Harfenklänge

Anspruchsvoll präsentierte sich der konzertante Teil des Abends. Die in Amriswil wohnhafte Julia Kreyenbühl-Gschwend interpretierte ebenso souverän wie virtuos das Harfenkonzert Op. 25 des Argentiniers Alberto Ginastera. Ginasteras Musik erinnert in ihrer rhythmischen Kraft und in ihren Bezügen an die Volkskultur an Bartók und Strawinsky.

Durch die raffinierte Instrumentierung wirkt sie ausserordentlich farbig, sie ist aber auch fast durchgehend dissonant aufgeladen. Beglückend schön wirkten die lyrischen Stellen, beispielsweise in der ausgedehnten Kadenz, die den dritten Satz einleitet. Dabei weckten die Flageoletpassagen, Arpeggi, Wischklänge und Pedaleffekte Erinnerungen an die reichen Aromen und die Geräuschkulisse mediterraner Sommernächte.

Glanzlichter setzten aber auch die solistisch geforderten Holz- und Blechbläser, und die Streicher liessen mit genau abgemischten und ausgehörten Klangfarben aufhorchen.

Feuerwerk

Ein prächtiges rhythmisches und gleichzeitig melodisches Schlussbouquet mit begeisternden Tanzeinlagen boten dann die Szenen und Tänze aus Manuel de Fallas populärem Ballett «El sombrero de tres picos».

Wirkte bei Ginastera das vor allem rhythmisch komplexe Zusammenspiel stellenweise noch ein wenig angestrengt, schien das Orchester bei de Falla richtiggehend aufzublühen, und der Appell des Dirigenten Leo Gschwend, die Mühen zu vergessen und sich der Musik im Augenblick hinzugeben, zeigte Wirkung.

Es ist immer wieder beeindruckend mitzuerleben, zu welcher Steigerung das Sinfonische Orchester Arbon im Konzert fähig ist. Das hat wenig mit der Fehlerquote zu tun, die am Samstag wohl etwas schlechter ausgefallen wäre als an der Premiere. Sehr viel jedoch mit der Hingabe und Leidenschaft jedes einzelnen, das Beste zu geben.




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