Stadtrat war zu pessimistisch

ROMANSHORN ⋅ Die Rechnung der Stadt für das Jahr 2017 schliesst mit einer roten Null ab. Das Ergebnis ist damit rund eine Million Franken besser als budgetiert.
11. April 2018, 17:09
Markus Schoch
151 Romanshorner dürften sich bestätigt fühlen. Sie hatten im November 2016 an der Gemeindeversammlung mit ihrem Nein eine Erhöhung des Steuerfusses um zwei Prozentpunkte verhindert. Bestätigt fühlen können sie sich in ihrem Entscheid, weil sich die düsteren Prognosen des Stadtrates im Budget 2017 nicht bewahrheitet haben. Der Voranschlag sah ein Minus von rund 1 Million Franken vor, tatsächlich schliesst die Rechnung mit einem minimalen Verlust von gegen 66000 Franken ab.
Das relativ gute Ergebnis habe nicht erwartet werden können nach dem Defizit von über 860000 Franken im Jahr 2016, sagt Stadtpräsident David H. Bon. Der finanzielle Druck auf den Finanzhaushalt der Stadt sei aber unter dem Strich trotz erfreulichem Resultat nicht geringer geworden. Um die geplanten Investitionen solide finanzieren zu können, müsse die Stadt schwarze Zahlen schreiben in der Grössenordnung von jährlich rund 500000 Franken. «Es braucht Überschüsse.»
 

Bevölkerung wächst stärker als erwartet

Gründe für die Wende zum Guten gibt es einige. Einer der wichtigsten: Die Bevölkerung ist stärker gewachsen als angenommen - auch wenn es lange nicht danach aussah - nämlich um 1,3 Prozent statt bloss um 1,0 Prozent. Entsprechend ist der Steuerertrag der natürlichen Personen um fast 290000 Franken höher ausgefallen als vorgesehen. Doch es haben nicht nur mehr Personen Geld dem Fiskus abgeliefert, im Schnitt hat auch jeder einzelne mehr der Gemeinde überwiesen. Die so genannte Steuerkraft ist im letzten Jahr von 1787 auf 1834 Franken gestiegen. Das sind zwar immer noch 121 Franken weniger als im kantonalen Durchschnitt, für Romanshorner Verhältnisse ist der Wert aber sehr gut. Höher war er zuletzt nur 2003 (1933 Franken).  Aber auch der Wirtschaft am Ort ging es besser als erwartet. Die Steuern der juristischen Personen liegen um fast 140000 Franken über Budget. Die Rechnung wesentlich aufgebessert hat ausserdem eine Sonderdividende der Gasversorgung im Betrag von 216000 Franken. «Das ist ein einmaliger Effekt aufgrund von Rückerstattungen der Gasversorgung Oberthurgau-See»,», sagt Bon. Für die Stadt sei die Ankündigung überraschend gekommen. Früchte tragen im weiteren erste Massnahmen, die der Stadtrat ergriffen hat, um den Finanzhaushalt ins Lot zu bringen.  Insgesamt schlagen sie mit rund 50000 Franken zu Buche.  10000 Franken gehen auf das Konto von Hilfsaktionen im In- und Ausland. Dazu kämen viele Einzelpositionen, sagt Finanzverwalter Thomas Burri. So sind im Bereich Kommunikation und im Werkhof Stellenprozente gestrichen worden. Zwei weitere Beispiele: Für die 1. Augustfeier habe die Stadt mit dem Lieferanten der Verpflegung tiefe Preise aushandeln können, und das Wirtschaftstreffen sei sehr preiswert durchgeführt worden, was dem Erfolg des Anlasses aber keinen Abbruch getan habe. Das Massnahmenpaket werde in den nächsten Jahren stufenweise immer mehr auf die Rechnung durchschlagen, sagt Burri. Wichtig zu wissen sei: Der Effekt sei kein kurzfristiger, sondern halte an.
 

Sozialkosten unter Budget

Erfreulich sei die Kostenentwicklung im Sozial- und Gesundheitsbereich, sagt Bon. Die Ausgaben nehmen zwar immer noch zu, sie liegen 2017 aber unter Budget (wie bei der Spitex). Bei der Gesundheit beträgt die Differenz fast 94000 Franken, bei der sozialen Sicherheit sind es annähernd 450000 Franken. Doch  der Trend scheint nicht gebrochen: «In diesem Jahr rechnen wir mit einer erneuten Zunahme der Kosten», sagt Bon.  Einzelne Fälle könnten enorm ins Geld geben, sagt Burri. Für die Platzierung von Kindern/Jugendlichen habe die Stadt 2017 im Rahmen der Vereinbarung IVSE zwischen den Kantonen rund 100000 Franken rückerstattet bekommen.
Zum guten Ergebnis haben nicht zuletzt auch die Verwaltung beigetragen, betont Burri. «Sie hat 2017 insgesamt sehr gut gearbeitet und eine grosse Kostendisziplin an den Tag gelegt.»
 

Investitionen belaufen sich auf 2,34 Millionen Franken

Die Investitionsrechnung weist Ausgaben von netto 2,34 Millionen Franken aus - rund 480000 Franken weniger als 2016. Die wesentlichsten Posten waren Baubeiträge an kantonale Tiefbauprojekte, Abfallentsorgungsstellen, ein Baubeitrag an die Tierkörpersammelstelle in Lad-reute sowie die Beschaffung eines Mehrzweckfahrzeuges.  Verschoben hat die Stadt die Sanierung der Mittleren Gasse, bei der Allee-/Bahnhofstrasse hat sie grössere Arbeiten zurückgestellt, und der Stadtplatz bleibt vorerst nur eine Idee.

Neue Bilanzierung des Pflegeheims

Aus Gründen der Transparenz wurden die Bilanzen der Stadt und des Pflegeheims erstmals separat dargestellt. Bei 7,1 Millionen Franken Umsatz und Anlagen im Anschaffungswert von ca. 24,3 Millionen Franken sei dieser Schritt gerechtfertigt und von der Revision auch gewünscht, heisst es in einer Mitteilung der Stadt. Zudem seien sie systemtechnisch gezwungen gewesen, ihn zu tun, sagt Finanzchef Thomas Burri. Romanshorn betrete damit auch kein Neuland. Andere Städte seien voraus gegangen. «Durch diese Aufteilung resultiert für die Stadt ein Nettovermögen von 4,578 Millionen Franken, nach alter Rechnungslegung würde die Bilanz erwartungsgemäss mit einer Nettoschuld von 109048 Franken abschliessen», heisst es in der Mitteilung weiter. (mso)


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