Sie ist nun ihre eigene Chefin

ARBON ⋅ Die Primarschule mochte die Defizite nicht mehr tragen. Die frühere Leiterin der Zahnklinik, Figen Akyelken, arbeitet seit 2015 selbstständig. Die Schule ist immer noch Kundin.
28. September 2017, 05:19
Maria Keller

Maria Keller

maria.keller@thurgauerzeitung.ch

Figen Akyelken ist nach der Privatisierung der Schulzahnklinik jetzt rundum zufrieden. Drei Jahre war sie deren Leiterin. Seit 2015 betreibt sie die Zahnarztpraxis Stacherholz privat. Die frühere Schulzahnklinik ist passé. Für die Primarschulgemeinde sei die Ablösung der Schulzahnklinik ein notwendiger Schritt gewesen. «Die Privatisierung hat eigentlich für alle Beteiligten ausschliesslich Vorteile», sagt Akyelken. Sie hat mit ihrem nunmehr privaten Betrieb Fuss gefasst.

Privatpaxis übernimmt weiter die Zahnpflege

Fast hundert Jahre lang wurde die Schulzahnklinik (SZK) von der Primarschulgemeinde (PSG) betrieben. Wegen hoher Betriebsdefizite hat die PSG die Klinik aber privatisiert und die Verantwortung der Praxisleiterin Figen Akyelken übergeben. Die SZK sei für viele ein «alter Zopf» gewesen, so Akyelken. Auch wenn sie diese Meinung nicht geteilt habe. 2015 wurde die Ausgliederung angegangen und abgeschlossen. Mit dem klaren Segen der Schulbürger. Für die Schulgemeinde war dies das erste Jahr ohne den SZK-Kostenfaktor, wodurch der Steuerfuss von 67 auf 65 Prozent gesenkt werden konnte.

Die Zahnärztin sieht in der Privatisierung nur Vorteile. Denn auch wenn Lohn- oder Materialkosten nun nicht mehr von der PSG übernommen würden, seien die aktuellen schwarzen Zahlen kein Vergleich mehr zu früher. Die jährlichen Defizite von 400000 Franken waren nicht mehr tragbar. «Jeder wusste, es kann so einfach nicht weitergehen», sagt Akyelken. Nachdem auch ein externer Treuhänder Klartext gesprochen habe, wurde die Privatisierung als vernünftigste Lösung gesehen. Die Zahnarztpraxis übernimmt weiterhin die Schulzahnpflege. Dabei würden bei den Schülern vom Kindergarten bis zum Ende der obligatorischen Schulpflicht kostenlose Reihenuntersuchungen und Gruppenprophylaxen durchgeführt werden.

Neue Kunden nach Aufhebung der Altersgrenze

Mit Vorträgen und Zahnputzübungen solle den Kindern die Notwendigkeit einer korrekten Zahnpflege bewusst gemacht werden. «Es ist für uns enorm wichtig, dass diese Zusammenarbeit mit den Behörden gewährleistet ist», sagt Akyelken. Neu hat die Zahnarztpraxis ihre Altersgrenzen aufgehoben und behandelt auch Erwachsene. So könne die ganze Familie beim gleichen Zahnarzt ein- und ausgehen. Die Praxis ist aber immer noch auf Kinderzahnmedizin spezialisiert. Die Nachfrage ist laut Akyelken mit diesem Neuangebot sogar etwas gestiegen.

Trotz Privatisierung schossen die Tarife nicht rasant in die Höhe, wie von manchen befürchtet wurde. Die Taxpunktwerte stiegen lediglich von 2,70 auf 3,10 Franken und liegen jetzt somit im Sozialtarif. Die Stellenprozente (früher 505 Prozent) wurden auf 380 Prozent reduziert. Für die Patienten gebe es nun längere Wartezeiten für deren Termine. «Diese sind aber völlig normal», sagt Akyelken. Akyelken gewinnt der Veränderung noch weitere Vorteile ab. Als ihr eigener Chef könne sie nun Familie und Beruf gut unter einen Hut bringen.

Auch Regina Hiller, Präsidentin der Primarschulgemeinde Arbon, sieht in der Privatisierung eine Erfolgsstory. Besonders wichtig sei es für sie gewesen, die Meinung aller Beteiligten miteinbeziehen zu können. So wurde der Beschluss auch zusammen mit den Arboner Zahnärzten gefällt, die mehrheitlich hinter der Ablösung gestanden hätten. Hiller würdigt die kooperative Einstellung von Akyelken. Zudem zeige die unveränderte Nachfrage, dass die Kunden ein grosses Vertrauen zur Praxisleiterin hätten. Die Zusammenarbeit gehe auch trotz der Privatisierung weiter. «Wir treffen uns regelmässig, um die Veränderungen gemeinsam zu analysieren.»


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