Romanshorner setzen viel Vertrauen in Hess

KOMMENTAR ⋅ Das Ja zum Verkauf eines Stück Landes auf der Hafenpromenade an Hermann Hess gibt Romanshorn wieder eine Perspektive, die zuletzt verloren gegangen zu sein schien, schreibt Redaktor Markus Schoch.
24. September 2017, 13:58
Markus Schoch

Das war nicht unbedingt zu erwarten: Die Romanshorner sagen überaus deutlich Ja zum Verkauf eines Stück Landes auf der Hafenpromenade an Hermann Hess. Damit kann der Amriswiler Investor jetzt die Planung für sein Hotelprojekt vorantreiben. Der Weg zur Baubewilligung ist ein weiter und steiniger. Doch Hess nimmt die Herausforderung an, was ein Stück weit auch mit Idealismus zu tun hat. Denn eigentlich kann ein Hotel hier im Oberthurgau trotz bester Lage kaum rentieren, sagen zumindest die Experten, die für den ähnlich guten Standort beim «Metropol» in Arbon die Rechnung gemacht haben und die Ergebnisse letzte Woche präsentierten. Wie schwierig es tatsächlich ist, lässt sich an den Plänen für den Bau eines neuen Hotels neben dem Restaurant Neuhaus in Romanshorn ermessen: Die Bewilligung liegt seit 2013 vor, die Bagger sind bis heute nicht aufgefahren.

Der Entscheid ist deshalb überraschend, weil sich die Romanshorner zuletzt einer Entwicklung des ehemaligen Güterschuppenareals  immer verwehrt hatten: 2011 sagten Sie Nein zu einem Saal für fast 15 Millionen Franken, ein Jahr später stellten sie der HRS mit einer Zonenplanänderung ein Bein, die vier Wohnblöcke bauen wollte. Dass die Bevölkerung bei Hess jetzt die Weichen anders stellt, hat sicher auch mit seiner erfolgreichen Vorwärtsstrategie bei der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt zu tun, wo er die Mehrheit der Aktien hält. Der Amriswiler hat sich viel Vertrauen erworben: Die Weisse Flotte investierte in den letzten Jahren weit über 20 Millionen Franken am Hafen in Romanshorn, unter anderem in ein Restaurant und eine Plattform, von denen die Bevölkerung direkt profitiert.

Das Ja gibt der Hafenstadt wieder eine Perspektive, die zuletzt verloren gegangen zu sein schien. Die Stadtentwicklung war massiv unter Druck geraten. Kritiker warfen dem Stadtrat vor, nur teure Luftschlösser zu bauen. Die Romanshorner sind aber offenbar sehr wohl bereit, einen Schritt vorwärts zu gehen und die Vergangenheit los zu lassen, wenn man ihnen überzeugende Projekte vorlegt. Selbst wenn ihre Realisierungschancen ungewiss sind. Nicht ausgeschlossen,  dass es Hess bis am Schluss nicht bis ans Ziel reicht, weil die Hürden zu hoch sind.

Der Entscheid der Romanshorner war aber nicht umsonst, selbst wenn sich die Pläne des Amriswilers im Sande verlaufen sollten. Er ist ein Signal an andere Investoren, dass die Bevölkerung durchaus mit sich reden lässt und bereit ist, Zugeständnisse zu machen. Von diesem Signal profitieren könnten unter anderem die Besitzer des Hotel Inseli in Romanshorn, die seit längerem Geldgeber suchen für ihr Ausbauprojekt.  


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