«Rebenpark» statt «Mammutpark»

ARBON ⋅ Neben der Alterssiedlung plant eine private Trägerschaft einen Villenneubau und Wohnungen für betagte Menschen. Diese können Dienstleistungen einkaufen. Ein schwächlicher Mammutbaum muss weichen.
29. September 2017, 07:36
Max Eichenberger

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Bis ins 19. Jahrhundert hinein ist hier noch Rebland bewirtschaftet worden. Der Südhang des Hügels, auf dessen höchstem Punkt die Berglikirche thront, bot sich für den Rebbau an. Strassennamen erinnern heute noch daran: die Rebenstrasse und die Rebhaldenstrasse. Auch alte Fotografien im Historischen Museum zeugen davon. Unter anderem sind es Schwarzweissaufnahmen des bekannten Arboner Fotopioniers und Künstlers Max Burkhardt.

Lücke soll nach Jahren der Planung geschlossen werden

Er selber hatte eine Jugendstilvilla an der Rebenstrasse bewohnt, die er nach seinen Plänen erbauen liess: das bekannte Sonnenblumenhaus. Dort bestehen Pläne, aus der Villa mit den Sonnenblumenornamenten ein Haus er Kultur zu machen. Um die vorletzte Jahrhundertwende waren an der bevorzugten Hügellage mit Blick auf den Alpstein Wohnquartiere mit einer Reihe von herrschaftlichen Häusern entstanden. Sie formieren sich an der Rebenstrasse. Zwischen dem Sekundarschulzentrum (Reben 25) und der später entstandenen Alterssiedlung I steht die Villa Schöneck, halb versteckt durch viel Baumgrün. Zwei weitere Parzellen sind Brachland.

Das ganze Areal – 7764 Quadratmeter gross – ist im Eigentum von Regula Hoenner. Schräg gegenüber hatte ihr Vater einst eine Metzgerei betrieben, ehe Jakob Züllig zum Arbonia-Forster-Firmenpatron aufstieg (heute Cantina de Aldo e Anna). Im angrenzenden Herrschaftshaus, neben dem Kirchenvorplatz, war Regula Hoenner aufgewachsen. Die Lücke neben der Villa Schöneck, die geschütztes Denkmal-objekt ist, an der Rebenstrasse will sie jetzt schliessen: mit einer Villa, die in neuzeitlicher Architektursprache gleichwohl als ein respektvolles Pendant zu den bestehenden Herrschaftshäusern in Erscheinung treten soll.

Auch eine soziale Komponente

Die Villa ist Teil eines Überbauungsvorhabens «Im Rebenpark». Vorerst liegt es als Richtprojekt vor. Mit dem ebenfalls vorliegenden Gestaltungsplan basiert es auf einem Konzept, das in einem Workshopverfahren breit abgestützt mit Fachstellen des Kantons und externen Planern erarbeitet worden war. Bauherrschaft und Architekt (Architektur Gemperli Stauffacher) hatten bereits vor fünf Jahren mit der Planung begonnen. Daraus resultierten mehrere, zwischenzeitlich wieder verworfene Varianten. In einem Konsens hat man sich jetzt gefunden. Im Süden des Grundstücks sollen drei viergeschossige, 13 Meter hohe Baukörper mit 24 bis 26 Wohnungen auf einem verbindenden Sockel realisiert werden. Diese sind – bei 2? – 3? Zimmern – als Alterswohnungen konzipiert. Die Idee ist, dass künftige Mieter nach Bedarf Leistungen der benachbarten Genossenschaft Alterssiedlung einkaufen können. «Damit hat unser Projekt auch eine soziale Komponente», sagt Philippe Cuérel, der mit Regula Hoenner die Bauherrschaft bildet. Die aktuelle Situierung der Baukörper wird möglich, weil ein geschwächter und abgängiger Mammutbaum aus dem Inventar der geschützten Naturobjekte entlassen und damit entfernt werden kann. Das Gesuch, dem bei der Auflage ein Gutachten eines Fachspezialisten beilag, sei «auf dem Weg der ­Genehmigung». So könne auf der freien Fläche zwischen Villa und Wohnhäusern eine grosse Parkanlage entstehen. Erschlossen werden diese über die Rebenstrasse mit einer schmalen öffentlichen Zufahrtsstrasse. Geplant sind zwei Tiefgaragen, eine mit Autolift.

Ziel: Baubeginn im Laufe des Jahres 2019

Der Gestaltungsplan liegt beim Stadtrat zur Genehmigung. Danach wird, wenn alles zügig laufen sollte, gemäss Architekt Pius Gemperli das Bauprojekt erarbeitet. Ziel ist, es ab 2019 umsetzen zu können.


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