Nicht alles ist Silber, was glänzt

ARBON ⋅ Sie sollten ein Referenzprojekt von HRS werden: die «Häuser am See». Doch die Freude der Eigentümer trübten grössere und banalere Ausführungsmängel. Ein Gutachten zur Fassadenkonstruktion steht noch aus.
03. Oktober 2017, 05:17
Max Eichenberger

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Er war eine Kampfzone: der Ufergürtel zwischen dem Aachbrüggli an der Steinacher Grenze und dem Hotel Metropol. Schon damals, vor zehn Jahren, als der Streit noch nicht um das «Metropol» entbrannt. Es ging um die Kastanienallee.

Die Generalunternehmerin HRS Real Estate AG schickte sich an, die Überbauung «Seepromenade» gegenüber dem Güterschuppen zu realisieren. Auf dem Streifen zwischen Bahnhofstrasse und Uferweg, wo einst die Saurer-Ersatzteillagerhalle gestanden hatte.

Erst der Kompromiss bei der Kastanienallee

2005/06 waren die fünf Wohnhäuser mit insgesamt 45 Wohnungen schräg zur Bucht hochgezogen worden Eigentlich sollte die Kastanienallee, die den breiten Uferweg säumt, weichen. Die Bäume versperrten die freie Sicht auf den See – zumindest den Eigentümern der Wohnungen in den unteren Geschossen. Begründet worden war das Ansinnen, die Allee zu entfernen oder stark auszudünnen, mit dem Alter und dem Gesundheitszustand der Bäume. Nach heftiger Gegenwehr von Naturschützern und aus der Bevölkerung konnte die Allee weitgehend erhalten werden. Lediglich einige Ersatzpflanzungen waren vorgenommen worden.

Referenzprojekt mit Mängeln

Wegen des grossen öffentlichen Drucks war HRS einen Kompromiss eingegangen. Letztlich stand auch ihr Image als Entwicklerin des Saurer WerkZwei auf dem Spiel. Pannenfrei war das Leben an der Seepromenade nicht. Reklamationen und Ungemach kamen wegen Baumängeln und eines Wassereinbruchs in der Tiefgarage auf die Bauherrschaft zu. Gewisse Fehler räumte HRS dann später öffentlich ein – beim Spatenstich zum Baubeginn der «Häuser am See» vor knapp fünf Jahren. Die Zwillingswohnblöcke gegenüber dem Bahnhof sollten «ein Referenzprojekt werden» punkto architektonischer Qualität und Baustandard für die künftigen Überbauungen im Saurer WerkZwei. Dort, auf dem grossen ehemaligen Werkareal, hat HRS seither schon viel saniert, umgenutzt und neu gebaut.

Wie bei der Überbauung «Seepromenade» lief dann allerdings auch bei den Häusern am See nicht alles glatt. Architektonisch und ästhetisch überzeugten sie zwar. Kleinere und grössere Mängel trübten jedoch diesen ersten äusseren Eindruck, tönt es aus dem Kreise der Eigentümer.

Kaum ein Bau frei von Handwerkermängeln

Einige hatten sich schon bald gemeldet. Später haben sich die Eigentümer zusammengeschlossen, eine Kommission gebildet und die Mängel gegenüber HRS gerügt. So trat Wasser über die Terrasse ein. Die Glasschiebetüren lassen sich nur unter grossem Kraftaufwand bedienen. Zum Teil seien Arbeiten schludrig ausgeführt worden. Visuell nahm die Öffentlichkeit Notiz im Sommer, als eine Fassade eine Zeit lang eingerüstet gewesen war. Wegen Verdachts auf versteckte Produktemängel war im Vorsommer eine Untersuchung durch einen Spezialisten vorgenommen worden. Man habe lange insistieren müssen, bis man sich mit HRS auf das Einholen eines Gutachtens habe verständigen können, sagt einer der Eigentümer.

Dieser findet die Wohnlage nach wie vor top und bereut den Kauf nicht. Getrübt werde das Wohngefühl aber mitunter auch durch ärgerliche, banal scheinende Dinge: wie etwa, wenn beim Türeschliessen ein Vakuum entsteht. «Solche Sachen sollten, in Relation zum stattlichen Kaufpreis, doch nicht sein.» Einsicht in das Gutachten sollen die Eigentümer noch dieses Jahr erhalten. Die Grundaussage sei aber schon mal die: es sei nicht alles gut, aber nicht so schlimm, wie man hätte befürchten können.

Von Seiten HRS erklärt Kommunikationsleiter Andreas Netzle, dass inzwischen Mängel bei der Attikaterrasse im Rahmen der Garantie behoben worden seien. Das Gutachten bezüglich monierter Mängel bei der Fassadenkonstruktion liege erst in drei Wochen vor. Im übrigen gebe es praktisch bei jedem Bau gewisse Handwerkermängel, die zu beheben seien.


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