Möglicherweise ein Projekt zu viel

EGNACH ⋅ Am Montag informierte die Gemeinde über das Budget und die geplante Sanierung des Gemeindehauses. Diverse Besucher kritisierten das hohe Tempo, das die Behörde anschlägt. Die FDP will auf die Bremse treten.
29. November 2017, 05:20

Mitten in Neukirch steht das den Dorfkern prägende, denkmalgeschützte Gemeindehaus. Die Fassade ist so weit noch in Ordnung. Aber die letzte Innensanierung liegt etwa 30 Jahre zurück. «Wenn es ein Sportplatz oder ein Schützenhaus wäre, würden sich die Vereine dafür einsetzen, doch bei einem Gemeindehaus stört es weniger, wenn Ziegel vom Dach fallen und die Bise durch die undichten Fenster pfeift. Da muss ich mich für das Gemeindehaus einsetzen», sagte Gemeindepräsident Stephan Tobler an einer äusserst gut besuchten Informationsveranstaltung in der Rietzelghalle.

Tobler sowie Patrik Betschart und Severin Amrein von der SA Architektur Bauleitung AG erläuterten die Sanierungspläne. Die Fenster müssen erneuert werden, das Dach gedämmt und neu gedeckt. Für die Heizung ist ein Anschluss an die Fernwärme der Schnitzelanlage im Rietzelg vorgesehen. Die Lüftung und die ganze Haustechnik müssen erneuert werden. Verbessert werden sollen ausserdem die Platzverhältnisse und die Schallisolationen in den Büros, vorgesehen sind überdies behindertengerechte Eingänge. Teil des Konzeptes ist ferner, in der freigewordenen Wohnung im oberen Stock ein Sitzungszimmer für den Gemeinderat einzurichten und Räume für die Sozialen Dienste zu schaffen. Wenn alles gut gehe, könnte mit den Bauarbeiten im Herbst 2018 begonnen werden. Die Gemeindeverwaltung würde für über ein Jahr in das leerstehende Sekundarschulhaus Gristenbühl verlegt.

Muss alles auf einmal sein?

Die Vorlage gab lange zu diskutieren. Dass das Gemeindehaus saniert werden muss, war unbestritten. Nicht jedoch der Zeitpunkt und das Vorgehen in Bezug auf die Finanzierung. «Muss denn alles auf einmal sein?», wollten die einen wissen. Schulhaus, Sporthalle, Kindergarten und jetzt gleich noch das Gemeindehaus? Es wurde auch hinterfragt, ob es zulässig sei, den Kredit in der Höhe von insgesamt 2,885 Millionen Franken über die Investitionsrechnung einzuholen, verteilt auf die Jahre 2018 bis 2020. Tobler erklärte, die Sanierung sei kein Neubau, daher brauche es keine Urnenabstimmung. Viktor Gschwend kündigte an, dass die FDP beschlossen habe, an der Gemeindeversammlung vom 7. Dezember den Antrag zu stellen, den Umbau des Gemeindehauses zu verschieben. Tobler bezweifelte, ob damit etwas eingespart werde, da die Zinsen für den Kredit steigen könnten. Tobler zeigte die Möglichkeiten auf, welche die Stimmbürger haben: erstens die Genehmigung der Investitionsrechnung inklusive des Betrages für die Sanierung. Zweitens: einen Antrag stellen, die erste Tranche von 500000 Franken zu streichen. Drittens: die Rückstellung des Projektes verlangen. Und viertens: zu beschliessen, dass die Bevölkerung an der Urne über den Gesamtkredit entscheiden muss. «Je nachdem wie die Gemeindeversammlung ausgeht, werden wir uns neu orientieren müssen.»

 

Trudi Krieg

romanshorn@thurgauerzeitung.ch


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