Verwirrende Strassenschilder verärgern Romanshorner

ROMANSHORN ⋅ Über dreissig Signalisationen in der Innenstadt sind irreführend und eine Gefahr für die Verkehrsteilnehmer. Benny Studer hat alle dokumentiert. Die Stadt hat der Fahrlehrer damit nicht beeindruckt.
30. November 2017, 07:07
Maria Keller

Maria Keller

maria.keller@thurgauerzeitung.ch

Benny Studer ist empört. Der Grund: Auf den Romanshorner Strassen seien viele Signalisationen und Vortrittsregelungen irreführend, falsch oder unvollständig. Der Fahrlehrer zweifelt an der Kompetenz der Verantwortlichen und kritisiert, dass solche Fehler die Steuerzahler jährlich Tausende von Franken kosten.
 

«Frage mich, welche Fachleute am Werk waren»

Als Fahrlehrer kennt sich Studer bestens mit Verkehrsregelungen aus. Deshalb störe es ihn umso mehr zu sehen, wie gefährlich ­Signalisationen und Markierungen seien, die nicht der Vorschrift entsprechen würden. «Der heutige Strassenverkehr ist äusserst komplex und für die meisten Fahrzeuglenker eine grosse Herausforderung. Schon bei kleinen Verstössen drohen happige Bussen», sagt Studer. Er frage sich, welche Fachleute in solche Planungen involviert seien. Die Anschaffung von Strassenschildern sowie der Unterhalt von unnötigen Strassenmarkierungen koste jährlich Geld, das vorteilhafter für unfallverhütende Massnahmen auf dem Stadtgebiet eingesetzt werden könne, sagt Studer. Dazu komme, dass bei Verkehrsunfällen Haftpflichtversicherer Regressansprüche an die Stadt richten könnten. «Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Romanshorn irgendwann nach einem Unfall zur Kasse gebeten wird», sagt Studer.

Im Laufe des letzten Jahres hat Studer die Kamera in die Hand genommen und über dreissig mängelbehaftete Situationen dokumentiert.

Reklamation verhallte im Nichts

Anlässlich einer Begehung des Stadtkerns Anfang 2017 unter der Leitung von Stadtrat Urs Oberholzer, Vize-Stadtpräsident und Verantwortlicher für das Ressort Verkehr, wies Studer auf seine Dokumentation hin. Diese sei zwar zur Kenntnis genommen worden, verhallte aber offensichtlich im Nichts. Das beweist laut Studer ein neu geschaffener Fehler an der Alleestrasse. Anstelle des ursprünglich geplanten einseitigen Einfahrtsverbots können Autofahrer neu wieder von der Bahnhofstrasse in die Alleestrasse fahren. Dort finde sich auf der rechten Strassenseite ein Schild zum obligatorischen Rechtsabbiegen. Die Signalisation sei aber völlig falsch platz­iert, da sich rechts des Schildes nur das Geschäft Jelmoli befinde, sagt Studer. Dieser Fehler sei zwischenzeitlich korrigiert worden. An der Sternenstrasse, hinter dem Konsumhof, bestehe das gleiche Problem aber immer noch (siehe Bild oben). Ein weiterer Fehler beziehe sich auf die Parkplätze vor dem Rösslibeck an der Bahnhofstrasse 43. Vor den blauen Parkplätzen befinden sich Sperrflächen, welche die Autofahrer daran hindern, geradeaus auf den Parkplatz zu fahren (siehe Bild).

Bahnhofstrasse: Korrekterweise müssten Autofahrer hier seitwärts einparkieren. Zoom

Bahnhofstrasse: Korrekterweise müssten Autofahrer hier seitwärts einparkieren.

Korrekterweise müsse man daher seitwärts einparken. «Daran hält sich aber niemand. Viele fahren einfach verbotenerweise über die Sperrfläche auf den Parkplatz», sagt Studer. Die Bodenmarkierungen seien daher völlig unnötig und würden das ganze Verhalten der Verkehrsteilnehmer zu solchen Vorschriften verwässern.
 

Massnahmen von Steuerzahler finanziert

An der Gemeindeversammlung vom 6. November wies Studer auf die irreführenden Verkehrssignalisationen hin. Die Reaktion sei eine Pauschalaussage gewesen. «Es wurde gesagt, es werde eine Expertise in Auftrag gegeben, um alle derartigen Fehler auf dem Gemeindegebiet zu erfassen», sagt Studer. Daraufhin habe er sich zur Verfügung gestellt, um die gesamten Fehlerstellen darzulegen. Und damit Kosten zu sparen. «Sonst wird diese Massnahme wieder dem Steuerzahler auf dem Portemonnaie liegen.» Wenn darauf keine Reaktion mehr komme, werde er sich erneut beim Stadtrat melden, stellt Studer in Aussicht.

Stadtrat bestätigt fehlerhafte Signalisation

Urs Oberholzer, Ressort Verkehr und Integration, bestätigt, dass einige Signalisationen nicht der Richtigkeit entsprechen. Die Stadt habe in der Vergangenheit immer wieder die Kantonspolizei, die Feuerwehr, Anwohner und auch Fahrlehrer in die Planung von verkehrlichen Massnahmen einbezogen. «Bei der aktuell umgesetzten Verkehrsführung in der Innenstadt wurde die Signalisation zugegebenermassen nicht optimal ausgeführt», sagt Oberholzer. Die Zeit des Versuchsbetriebs werde nun genutzt, um Massnahmen für ein definitives Verkehrskonzept aufzubereiten. Dies setze ein ordentliches Auflageverfahren und die Bewilligung durch den Kanton voraus. (kel)


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