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Tagblatt Online, 03. September 2010 01:02:55

Zur Konfirmation eine Backpfeife

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Hans Mettler – ein Appenzeller, der in den Thurgau zog. (Bild: Bild: Hedy Züger)

ARBON. Der Appenzellerverein feiert sein 90jähriges Bestehen. Hans Mettler präsidierte diesen während 33 Jahren. Seine Kindheit in Urnäsch war geprägt von strengen Pflegeeltern. Doch es gibt auch schöne Erinnerungen, darunter die Konfirmation.

Hedy Züger

Eigentlich hätte Hans Mettler seine Kindheit in Hundwil auf dem Hof seines Vaters verbringen sollen. Doch die Mutter starb, als er ein kleiner Bub war, und die Kinder wurden auseinandergerissen. Eine kinderlose Tante in Urnäsch nahm Hans und einen jüngeren Bruder auf.

Sie regierte mit harter Hand; maulte Hans heraus oder schwänzte er die Sonntagsschule, so wurde das bestraft, indem er tagelang morgens und abends trockenes Brot essen musste. Doch da er oft die Kühe melkte, hielt er sich an der frischen Milch schadlos.

Tagwache war um 4.30 Uhr, denn die Stallarbeit kam vor der Schule. Gelegentlich liess der Pflegevater die Buben nicht in die Schule ziehen, wenn er sie lieber auf dem Hof beschäftigte.

Mobilmachung von 1939

Hans Mettler ist ein Meister der Zahlen und Jahrzahlen, die für sein Umfeld relevant sind. Er erinnert sich verblüffend genau, wann sich dies und jenes ereignet hatte. Er gehörte aber zu jenen Kindern, denen die Sekundarschule verwehrt blieb. In seiner Erinnerung prägte sich die Mobilmachung von 1939 ein.

Ein Lehrer war eingerückt und zwei Klassen wurden in sein Schulzimmer gepfercht.

Rauchen verboten

Bis die Jugendlichen konfirmiert waren, kamen weder Qualmen noch Wirtshausbesuche in Frage. Versuche habe es trotz harter Strafen doch gegeben, gibt Hans Mettler heute zu. In Erinnerung blieb ihm das einzige Geschenk zur Konfirmation: ein Verwandter schenkte ihm die erste Tabakpfeife und das nötige Stopfmaterial.

Kein Heimweh

Die obligatorische Schulzeit und die strengen Pflegeeltern liess Hans Mettler fast gleichzeitig hinter sich. Manche Härte, die ihm angetan wurde, schmerzte ihn lange, Heimweh plagte ihn nie. Es fällt bei ihm wie bei anderen älteren Leuten, die als Waise oder Halbwaise aufgewachsen sind, auf, wie grausam sich der frühe Verlust der Eltern auswirkte.

Und doch. In seinen Heimatkanton kehrte Hans Mettler gern zurück, solange sein Bruder lebte sogar alle zwei Monate. In früheren Jahren verliess er Neukirch am Tag der Schwägalpfahrt nachts um zwei Uhr und erlebte im Morgengrauen den Alpaufzug beim Rossfall. Was er seit 68 Jahren ebenfalls nie auslässt, ist das Treffen seiner Urnäscher Konfirmandenklasse alle zwei Jahre. An ihren Pfarrer Arnold Zehender erinnern sich alle gern, sie mochten ihn. Er war ein spätberufener Mann, der ein Handwerk erlernte und erst danach Theologie studierte.

Erste Station Chuglersgrüt

1942 wurde Mettler wie viele andere junge Männer aus dem Kanton am Säntis Knecht im Chuglersgrüt. Er absolvierte die Ausbildung zum Baumwärter. Während mehrerer Jahre arbeitete er später als Briefträger in St. Gallen und bis zur Pensionierung längere Zeit in einem Betrieb in Steinebrunn. Einige Kollegen wechselten vom Bauernhof zu Saurer.

Kupferblätz und Sternlifaden

Beim Appenzellerverein Amriswil verdiente sich der junge Ausserrhödler die ersten Sporen im Theaterleben ab; dreimal in der Woche per Velo zu den Proben fahren, das war oft ein eiskalter, nasser Spass. Ab 1960 war er in gleicher Funktion unersetzliches Mitglied im Arboner Verein und amtierte von 1968 bis 2001 erst noch als dessen Präsident.

Insgesamt stand er gegen 40 Mal auf der Bühne. Am liebsten übernahm er eine Rolle als Vagabund oder «Tröcklichrömer», wie Hausierer mit Kupferblätz, Nadeln und Fäden appenzellisch bezeichnet wurden.

Fast so attraktiv wie damals die Bühnenauftritte erscheinen Hans Mettler heute jene Vereinstreffen, die Jassen und Boccia, Ausflug, Maibummel oder Chlaushöck zum Ziel haben.

Er werde für seine Freunde gleich noch den Appenzeller Kalender 2011 bestellen, fällt dem verlässlichen Mann aus Ausserrhoden im Gespräch ein, die 290. Ausgabe sei dies. Sie mache sich mit dem altehrwürdigen Deckblatt in jeder Appenzeller Stube gut.





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