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Tagblatt Online, 08. September 2010 06:54:00

Jahrhundertchance für die Stadt

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Zwischen Bahnlinie und Rosengarten-Überbauung (links, im Bau), parallel zum Bahntrassee, wird die neue Kantonsstrasse geführt. (Bild: Bild: Max Eichenberger)

ARBON. Es wird das grösste und bedeutendste Geschäft sein, welches das Parlament je behandelt hat. Am Dienstag beschäftigt es sich mit dem Objektkredit von 13,12 Millionen, den die Stadt an das Projekt einer neuen Kantonsstrasse beizusteuern hat.

max eichenberger

Dabei macht der städtische Anteil einen knappen Viertel aus. Die Gesamtkosten des Projektes «Neue Linienführung Kantonsstrasse» (NLK) beziffern sich auf 58 Mio. Franken. Einen schönen Brocken zahlt der Bund – dies im Rahmen des Agglo-Programms. Der Nationalrat wird in der Herbstsession noch seinen Segen geben.

Ein Glücksfall

Es sei ein Glücksfall, betont Max Gimmel, Präsident der vorberatenden Kommission, dass der Bund erkannt hat, wie wichtig das Zusammenspiel von Städten und deren Agglomerationen sei.

Das Projekt habe eine Dimension, die von der Stadt niemals allein bewältigt werden könnte. Mitfinanziert wird das Strassenbauprojekt von den Kantonen Thurgau und St. Gallen. Ebenfalls beteiligt sich die Gemeinde Steinach.

Basis für Entwicklung

«Arbon steht vor der Möglichkeit, mit einem einzigartigen Projekt für ein nachhaltiges Wachstum und eine sinnvolle Entwicklung Raum zu schaffen», sieht die Kommission unter dem Präsidium von Max Gimmel (FDP) eine grosse Chance für die Stadt.

Die neue Linienführung der Kantonsstrasse entlang der Bahnlinie ab Stahelplatz bis Bleiche und Fortsetzung zum A1-Zubringer im Morgental entlastet die Arboner Altstadt und die Landquartstrasse – und sie erschliesst das Saurer WerkZwei. Dieses 250 000 Quadratmeter grosse Areal hat sich nach dem Aderlass bei Saurer vor bald dreissig Jahren entleert. Die Strasse soll diese Industriebrachen zum Blühen bringen. Zum Projekt gehört auch ein Busbahnhof beim Hamel.

Vielfältiger Nutzen

Die Vorteile sieht die Kommission so: Mit der neuen Strasse soll der Verkehr «so von der Peripherie ins Zentrum geführt werden, dass wichtige Wohn- und Naherholungsgebiete nicht belastet, sondern aufgewertet werden». Und: «Brachliegende Flächen in Zentrumsnähe können für die Zukunft überbaut werden, ohne dass damit die übrige Infrastruktur im Verkehr erstickt.» So bringe die Strasse einen vielfältigen Nutzen: Das «Mobilitätskonzept» löse Verkehrsprobleme, die neue Achse entlaste die Altstadt und die Wohngebiete entlang der Landquartstrasse.

Zudem schaffe sie die Voraussetzung, dass sich Arbon entwickeln könne. Die Kommission spricht von einer Einwohnerzahl von 15 000. Seit Jahrzehnten wird schon diskutiert, das Nadelöhr Altstadt zu entlasten. Weit kam man mit verschiedenen Variantenstudien bis anhin nicht.

Aufatmen im Städtli

Jetzt eröffnet sich über den Fokus Städtli hinaus, wo das Verkehrsaufkommen mit der NLK auf einen Fünftel reduziert wird, ein Mehrwert. Der Zugang zum Gewerbe bleibt gewahrt.

Auf der Basis eines gültigen Gestaltungsplans kann es mit der Erschliessung im Saurer WerkZwei vorangehen. Im Städtli sollen neue Aufenthaltsräume entstehen und die Hauptstrasse als Flanierzone mit Zubringerverkehr gestaltet werden. Dies ist allerdings Bestandteil eines nächsten Agglo-Programms. Ein städtischer Kreditantrag ist bereits eingegeben. Eingangstor zur Altstadt wird der vom Durchgangsverkehr befreite Stahelplatz, der ein neues Caché bekommen wird. Über eine Rampe wird der Verkehr der Bahn entlanggeführt.

ÖV/Parkraum: Stadt in der Pflicht

Der Busbahnhof zwischen Hamel und St. Gallerstrasse wird die Drehscheibe für drei Regionalbuslinien sowie eine Schnellbuslinie. Ein Halteplatz wird für Ortsbusse vorbereitet. Damit Agglo-Gelder fliessen, muss die Stadt aus eigenen Mitteln ein Ortsbuskonzept realisieren. Dieses ist nicht Bestandteil des Projektes NLK – im Gegensatz zu den verkehrsberuhigenden Massnahmen bei der Landquartstrasse. Die Stadt steht jedoch nicht unter Druck, das Ortsbusnetz gleichzeitig in Betrieb nehmen zu müssen.

Auch beim Parkraum-Management steht die Stadt in der Pflicht. Wobei Parkhäuser über die Stadt oder Dritte zu finanzieren sind.

Die neue Arkade des Hamel-Kopfbaus wird Ausgangspunkt der Personenunterführung zur Bahn. Markant entlastet vom Verkehr, so sieht es auch die Kommission, werden Altstadt und Landquartstrasse, während er auf der Salwiesenstrasse zunehmen wird. Geprüft wird hier, die Abfallentsorgungsstelle zu verlagern. Ansonsten würden die Frequenzen nur im Rahmen der allgemeinen Verkehrszunahme ansteigen.

Auf 28. November ist die Volksabstimmung geplant.





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