Tagblatt Online, 08. Mai 2009 08:06:38
Die Steinach sauber halten
Trügerische Idylle: Der Flusslauf der Steinach ist noch weitgehend intakt; schlechter bestellt ist es mit der Wasserqualität. (Bild: Bild: Enrico Berchtold)
Durch eine neue Leitung soll das gereinigte Abwasser der Stadt St. Gallen via die ARA Morgental dem Bodensee zugeführt werden. Die Steinach würde wieder ein sauberes Gewässer und ein attraktives Naherholungsgebiet.
Enrico Berchtold
Sie ist ein idyllisches Gewässer, die Steinach. Oberhalb Obersteinach fliesst und windet sie sich noch in ihrem natürlichen Bett. Doch der kleine Fluss hat eine zweite Seite: seine Wasserqualität. Seit Jahren leitet die ARA Hofen gereinigte Abwasser der Stadt St. Gallen in die Steinach, die je länger, je mehr dadurch zum Abwasserkanal verkommen ist.
Vorprojekt abgeschlossen
Damit soll nun Schluss werden. Ein Projekt sieht vor, die Abwasser der Ostschweizer Metropole über eine neue Leitung der ARA Morgental in Steinach zuzuführen und von dort gemeinsam mit anderem Abwasser in den See zu leiten. Ein entsprechendes Vorprojekt wurde in der Zwischenzeit abgeschlossen. An einer Presseorientierung unterrichteten Martin Klöti als Präsident des Abwasserverbandes Morgental, der Steinacher Gemeindepräsident Roland Brändli und Roland Boller, Geschäftsführer der ARA Morgental, über den aktuellen Stand.
Keine Gefahr für Trinkwasser
Laut Klöti sollte bis Ende Jahr das Bauprojekt fertig erstellt sein. Im Vordergrund stehe in nächster Zeit die Information der Bevölkerung zu verschiedenen Fragen, die in Leserbriefen und örtlichen wie kantonalen Parlamenten aufgetaucht sind. Dazu gehört die Ansicht, die künftige Einleitung des gereinigten Abwassers beeinflusse die Trinkwasserqualität.
Da die neue Leitung weiter draussen und in grösserer Tiefe das Abwasser dem See zuführt, bestehe diese Gefahr nicht, stellte Martin Klöti dar. Ein in Auftrag gegebenes Strömungsdiagramm soll dies bekräftigen. Zu den weiteren zentralen Fragen zählt der Umgang mit der Mikroverunreinigung. «Das müssen wir separat angehen», ist die Meinung von Roland Boller.
Die Mikroverunreinigung durch Medikamente, kosmetische Produkte und andere Stoffe bringe bis heute niemand in der Schweiz weg, so der Morgental-Geschäftsführer. Der Bund sei an der Ausarbeitung einer entsprechenden Strategie. Bei der ARA Hofen werden aktuell rund 5 Millionen investiert, um die Reinigungsleistung zu verbessern.
Schädlich für das Ökosystem der Steinach ist neben der Fracht im Abwasser auch die Wärme. Temperaturunterschiede bis 10 Grad sind dabei möglich. Wenn die ARA Hofen kein Abwasser mehr zuführe, verfüge die Steinach immer noch über genügend Wasser, erklärte Martin Klöti im weiteren. Entsprechende Versuche hätten dies bestätigt. Mit den angestrebten Massnahmen würden die Steinach und ihre Mündung in den See ein attraktiver Erholungsraum werden, so Klöti. Der WWF konnte bereits für das Projekt gewonnen werden; Pro Natura wünsche, dass die Verminderung der Mikroverunreinigungen vorangetrieben werde.
20 Millionen Kosten
Im kommenden August/September ist in Steinach eine öffentliche Informationsveranstaltung vorgesehen. Der Umweltverträglichkeitsbericht, das Baubewilligungsverfahren und die Unterlagen mit Kreditvorlagen sollen 2010 zur Verfügung stehen. Der Abwasserverband Morgental entscheidet über das Vorhaben im November des nächsten Jahres. Zur Realisierung sind zudem die Zustimmungen der Stadt St. Gallen und ihres Abwasserverbandes notwendig. Gerechnet wird mit Baukosten von rund 20 Millionen Franken.
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