Tagblatt Online, 08. September 2010 08:05:45
Die Bucht als natürliche Galerie
H2Art-Mitinitiant Stefan Philippi.
Die Premiere 2009 hat die Initianten beflügelt, eine zweite Auflage von H2Art zu machen. Bei Halbzeit – die Bucht ist noch bis 19. September eine «Freiluftgalerie» mit Installationen und Objekten – zieht Stefan Philippi eine positive Bilanz.
max eichenberger
Wenn der Klangkünstler von der Arboner Bucht spricht, kommt er ins Schwärmen. Eine wunderbare Natur-Galerie sei sie, eine Plattform, prädestiniert dafür, Kunst zu präsentieren, die sich mit dem Wasser auseinandersetzt und die mit dem Element spielerisch in Beziehung tritt.
Kaum einer bleibt unberührt
Passanten, die der Kastanienallee und dem Quai entlang spazieren oder fahren, werfen zumindest einen flüchtigen Blick nach den Objekten, suchen ihre Botschaft zu ergründen oder nehmen
die ungewohnten «Ansichten» einfach nur auf, finden sie schön, erheiternd, belanglos, elegant oder hässlich. Unberührt aber bleibt kaum jemand.
H2Art hat sich geöffnet, über die regionale Szene hinaus. Die Ausschreibung erfolgte im Organ «Visarte» der Vereinigung Schweizer Künstler. Das Echo war beachtlich: aus der Schweiz, Deutschland, sogar aus Frankreich. Eine Jury beurteilte die Ideen und Skizzen, machte dann eine Auswahl. Verlangt wird eine Auseinandersetzung mit dem Element Wasser.
Und: die Objekte müssen Wind und Wetter standhalten. Die Vorbereitungsphase war lang und aufwendig. Und bis die Installationen montiert vor Ort standen oder sicher verankert schwammen, bedurfte es noch einmal logistischer Kniffe und viel Arbeit.
Vom Wannsee zum Bodensee
Zum Beispiel, bis Jörg Plickats Stahlplastik «Balance» in ihren Einzelteilen per Laster vom Berliner Wannsee an den Bodensee herantransportiert, per Kran entladen, zusammengebaut und per Schiff in die Bucht verlegt worden war – immerhin ein Werk von einer Tonne Gewicht.
Jetzt dreht es sich um die kurze Ankerkette und erfreut die Passanten.
«Einmal die Spesen und Transportkosten decken zu können: da würden wir gerne hinkommen», sagt Philippi, der mit seinen Mitorganisatoren Marc Moser und Rainer Bolliger unentgeltlich arbeitet und viel Herzblut in das Projekt steckt. Mit rund 20 000 Franken an Unterstützung durch Stadt, Kanton und Sponsoren müssen die H2Art-Macher auskommen. Gegenüber den Künstlern gehen sie die Verpflichtung ein, einen professionellen Katalog zu machen.
«Ein Jahr Vorbereitung, sechs Wochen intensive Betreuung»: Dies beinhaltet auch die morgendliche und abendliche Runde, die Stefan Philippi vor Augen führt und manchmal via Kommentare von Leuten inkognito zu Ohren kommt, dass sich die Mühe lohnt.
Klangkörper See
Natürlich freut es ihn, wenn da einer die Ohrmuschel an sein «Hörohr» drückt, das die durch das Wasser verstärkten und gebündelten Töne des Klangkörpers See aufnehmen lässt, das Wellenspiel, tagsüber manchmal auch das Brummen der Bootsantriebe.
Stöpsel macht sich selbständig
Einmal musste die SLRG zu Hilfe geholt werden und ausrücken, um den «Seestöpsel» von Monika Hollenstein, der sich vom Anker gelöst und als Schwimmobjekt selbständig gemacht hatte, einzufangen. Philippi freut die Anteilnahme nicht nur der Anwohner, die melden, wenn sich die Verspannung der Bilderreihe löst. Das werten die H2Art-Macher auch als Ausdruck des Interesses.
Vermitteln und erklären
Ein Bedürfnis ist beidseitig: einmal von Künstlerseite, die Werke zu vermitteln, anderseits von Betrachtern, diese erklärt zu bekommen. Dieser Dialog soll mit Führungen künftig direkter geführt werden. Die Objekte im Uferbereich und also im öffentlichen Raum zu plazieren, setzte eine Bewilligung des Kantons voraus. Kunst und Wasser: ist das nicht erschöpflich? Philippi glaubt, dass es viele interessante Variationen gibt – auch bezüglich Zeitfenster der Ausstellung («Warum nicht einmal im Winter?») und Publikum. Jedenfalls sind die Organisatoren nimmermüde, die H2Art zu einer Marke zu machen.
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