Tagblatt Online, 02. September 2010 01:01:11
Der junge Mann an der Orgel
Simon Menges, der neue Organist der Evangelischen Kirchgemeinde Arbon, mit Mario Schwarz, dem Leiter des Kammerchores Oberthurgau. (Bild: Bild: Max Eichenberger)
ARBON. Er ist jung, erst 27, und hat im Februar dieses Jahres in Berlin das Konzertexamen mit Auszeichnung abgeschlossen: Simon Menges ist seit gestern mit vorauseilendem Ruhm offiziell als Organist der evangelischen Kirchgemeinde angestellt.
max eichenberger
Am übernächsten Sonntag wird er beim Einführungsgottesdienst erstmals vor der Gemeinde die Orgel spielen. Gleichentags, am Abend (20 Uhr), wird Mario Schwarz mit seinem Kammerchor Oberthurgau Zoltan Kodalys Werk «Laudes Organi» in der Kirche aufführen – bei diesem «Lobgesang auf die Orgel» mit Simon Menges am königlichen Instrument auf der Empore der Berglikirche, seinem künftigen Arbeitsplatz.
Gleichwertige Partner
«Man kann sich kaum ein besseres Werk vorstellen zu einer Organisten-Einsetzung», sagt der Chorleiter. «Chor und Orgel sind in diesem Werk gleichwertige Partner.» Der Zufall ist der Vater dieses Projektes. Schwarz wollte dieses kirchenmusikalische Werk, das er schon seit längerem im Kopf herumträgt, ohnehin aufführen. Und hat es programmiert für diesen Herbst.
Jetzt, da Simon Menges neu an der Orgel in der Berglikirche zu hören ist, passe das alles wunderbar zusammen.
«Arbon darf stolz sein»
«Es ist schön, dass sich zwei wichtige Akteure der Kirchenmusik hier in Arbon so finden» – just zum richtigen Zeitpunkt. Der junge Organist hat sofort zugesagt – und kurz darauf in Berlin Post mit den Noten aus Arbon zugeschickt erhalten.
Jetzt, nach Menges Ankunft in Arbon und dem Bezug einer ersten Wohnung, beginnen die gemeinsamen Proben. Schwarz äussert sich schon nach wenigen Klängen begeistert: «Arbon darf stolz sein, einen solchen Organisten zu bekommen.»
Im Bodensee geschwommen
Was treibt einen exzellenten Konzertorganisten, der im norddeutschen Kleve geboren wurde, in Düsseldorf und Dallas studiert sowie an der Universität der Künste in Berlin sein Konzertexamen abgelegt hatte, nach Arbon? Bezüge gibt's da einige.
Eine Tante, die Zwillingsschwester seiner Mutter, wohnt in Konstanz. Ein Bruder lebte ebenfalls in der Konzilstadt, ein anderer studierte in Weingarten. «Im Urlaub weilte ich öfters in dieser schönen Bodenseegegend.» Natürlich ist Menges auch im See geschwommen. Schwimmen: das ist wie Radfahren für ihn ein wichtiger Ausgleich.
Der beste Klavierschüler
Eine Studienfreundin ist es dann entscheidend gewesen, die ihn auf die Organistenstelle in Arbon aufmerksam gemacht hat. «Alles ist dann sehr schnell gegangen. Ende April konnte ich mich vorstellen. Im Mai ist der Vertrag dann bereits unterschrieben worden. Und jetzt bin ich da.» Und er macht sich immer mehr vertraut mit «seiner» Orgel.
Eigentlich sollte Simon Menges Pianist werden. Mit sechs begann er Klavier zu spielen. Sein Klavierlehrer war auch Kirchenmusiker. So begann sich sein besten Klavierschüler halt auch für die Orgel zu interessieren – und ab 12 auch auf diesem Instrument zu spielen. Eine Zeitlang lief das parallel.
Ein Schlüsselerlebnis
Ein Schlüsselerlebnis, das die Laufbahn in die eine Richtung lenkte, war, als Simon Menges Wolfgang Seifen, einen der begnadetsten Improvisatoren, unter der Empore «auf einem Riesending von einer romantischen Orgel» spielen hörte.
Mit 17 hat der talentierte Tastenvirtuose Menges das Studium begonnen – das Abitur übersprang er. Mit 21 hatte er seinen Abschluss. Im texanischen Dallas arbeitete Menges als Korrepetitor der Chöre an der «Southern Methodist University». Während der späteren Studienzeit in Berlin war er unter anderem Assistenzorganist am Dom mit der berühmten Sauer-Orgel aus dem Jahre 1905. Konzerte gab er in halb Europa und auch in den USA. In der Pariser Notre-Dame-Kirche spielte er ebenso wie an der St. Philipps Cathedral Atlanta.
Emotionalen Zugang schaffen
Und nun: nach der Weltstadt Berlin die Provinz am Bodensee. Die deutsche Hauptstadt habe ein facettenreiches kulturelles Angebot, sei aber auch «anstrengend»; 50 Minuten brauchte Menges mit der U-Bahn zur Arbeit. Er wollte einmal eine Luftveränderung. Die Bodenseeregion sei eher ländlich – wie die Gegend bei Kleve, wo er aufgewachsen war.
Und so will Simon Menges den künftigen Besuchern und Zuhörern in der Kirche mit seinem Spiel Freude bereiten, mit der Orgelmusik einen emotionalen Zugang schaffen zum Wort. Sie sei eine Ergänzung zur Predigt, zur Lesung. Das eine unterstütze das andere. Und so sieht sich der Organist auch im Dialog mit den Pfarrpersonen, die er als «nettes Team» kennengelernt hat.
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