Tagblatt Online, 18. Oktober 2010 01:02:49
Auch für Kinder gibt es eine Spitex
Daniel Andres, stellvertretender Leiter UBS Arbon, Patricia Engeli, Präsidentin, und Thomas Engeli, Geschäftsleiter Verein Kinderspitex Schweiz. (Bild: Bild: Michael Hug)
HORN. Der Schweizerische Kinderspitex Verein bietet ambulante Behandlungspflege und ermöglicht damit schwerkranken Kindern den Aufenthalt zu Hause. Geschäftsführer des Vereins ist der Horner Thomas Engeli.
MICHAEL HUG
Seit zehn Jahren engagiert sich Thomas Engeli für die Kinderspitex Schweiz: «Wir helfen den Eltern, das ist unser Beweggrund.» Seine Klienten sind geistig, körperlich oder mehrfach behinderte oder chronisch kranke Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Solche Patienten verbringen oft Monate oder gar Jahre auf einer Intensiv- oder Pflegestation eines Kinderspitals oder Pflegeheims. «Dabei lässt sich in vielen Fällen der ganze Pflegeaufwand nach Hause transferieren.
In der Familiengemeinschaft sind die Kinder viel besser aufgehoben, genesen schneller und leben mental auf.» Doch mit der Pflege sind die Eltern in den meisten Fällen überfordert.
Was Spitex für Erwachsene tut
Die Kinderspitex macht, was die Spitex für erwachsene Patienten tut, sagt der Geschäftsführer der Kinderspitex Schweiz.
«Eigentlich wäre es ja ohnehin deren Aufgabe, aber ihr Fokus richtet sich stark auf die Pflege von älteren Menschen.» Er selbst, so Engeli, habe diese Erfahrung in seiner Familie gemacht. Das habe ihn bewogen, die Kinderspitex zu gründen. Seit 2000 hat der Verein sein Einsatzgebiet auf die ganze Ostschweiz ausgeweitet und arbeitet mit den Spitex-Stellen, dem Ostschweizerischen Kinderspital und den Versicherern zusammen: «Bei 400 Kindern und deren Eltern haben wir Unterstützung leisten können», sagt Engeli.
Die weniger schöne Seite: 30 Prozent der Kinder sterben. Engeli: «Doch sie haben wenigstens ihre letzten Monate im Kreis ihrer Familie erleben können.»
Letzte Monate in der Familie
Engeli erzählt vom Schicksal eines Mädchens, dessen Lunge von einem Virus beinahe vollständig zerstört wurde: «Dem Kind wurde ein jahrelanger Spitalaufenthalt an der Lungenmaschine vorausgesagt.
Wir haben ermöglicht, dass es samt Maschine nach Hause kam, und siehe da, es genas innert weniger Monate.» Jedes Kind hat eine Zukunft, sagt sich der Verlagsunternehmer, der 30 Prozent seiner Arbeitszeit in die Geschäftsführung des Vereins steckt. Rund 100 Pflegefachfrauen sind unter Vertrag, 36 000 Pflegestunden pro Jahr rechnet Engeli mit den Versicherungen ab.
Dabei kämpfe er oft gegen die Skepsis von Ärzten und Versicherungen: «Diese wollen die Kinder mit Fallpauschalen lieber im Spital behalten, obwohl die Pflege dort um ein Vielfaches teurer ist, damit der Spitalaufenthalt letztlich vom Steuerzahler und nicht von den Krankenkassen bezahlt werden muss.»
Die meisten Fälle vorfinanzieren
In den meisten Fällen muss der Verein seine Leistungen vorfinanzieren und nicht alles wird von den Versicherungen abgegolten.
Auch das Employee Volunteering Programm der UBS (siehe Kasten) hat die wertvolle Arbeit der Kinderspitex Schweiz entdeckt und am «slowUp» pro teilnehmendem UBS-Mitarbeitenden 100 Franken gespendet. 40 Bänkler sind mitgeradelt – damit kamen 4000 Franken der Kinderspitex zugute. «Es freut mich besonders, dass der Betrag von unseren sportlichen Mitarbeitern sozusagen vor der Haustüre des Kinderspitex Vereins herausgefahren worden ist», sagt Daniel Andres, stellvertretender Leiter UBS Arbon.
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