Unbekannte verkleben SBB-Automaten mit Kaugummi

EGNACH ⋅ Mit Kaugummi verklebte Schlitze des Billettautomaten am Bahnhof Neukirch-Egnach sorgen für Ärger bei den Passagieren. Möglicherweise ist es ein lukrativer Lausbubenstreich.
09. Februar 2018, 05:19
Markus Schoch

Die Sache geht seit Wochen, wenn nicht Monaten. Zuerst verklebten die Täter wahllos alle Schlitze - auch denjenigen des orangen Stempelautomaten. Was dazu führte, dass Passagiere mit dem Handy ein Video von ihren vergeblichen Versuchen machten, um zu beweisen, dass sie ihre Mehrfahrtenkarte nicht entwerten konnten. Denn die Kontrolleure glaubten ihnen die Geschichte zuvor nicht und hatten die Schwarzfahrer wider Willen gebüsst, weil sie ohne gültiges Billett in den Zug eingestiegen waren. Mittlerweile haben die Täter ihre Strategie gewechselt. Sie kleben nur noch einen Schlitz zu: Denjenigen, wo die Noten des Rückgeldes heraus kommen sollten. Das tun die Noten aber natürlich nicht, wenn ein Kaugummi sie im Innern blockiert.

Dass es ein Kaugummi ist, hat Noémi Moinat Anfang Jahr herausgefunden. Sie gab sich nicht damit ab, dass der Automat eine Zehnernote zurückhielt, sondern begann, mit einer Pinzette nach dem Schein zu fischen, den sie dann tatsächlich zu fassen bekam, nachdem sie auf die klebrige Kunststoffmasse gestossen war. «Ich habe mich furchtbar aufgeregt.» Letzte Woche ist es ihr wieder passiert. Moinat meldete darum den Vorfall am Bahnhof Romanshorn, wo man ihr sagte, man kenne das Problem.

Das sei tatsächlich so, bestätigen die SBB auf Anfrage. «Uns ist bekannt, dass bei Billettautomaten in Egnach wiederholt die Schlitze verklebt wurden», sagt Mediensprecher Oli Dischoe. «Für uns wie auch für die Kunden ist dies ärgerlich.» Betroffene könnten sich via Gratis-Helpline melden und würden den Betrag zurückerstattet erhalten. Die entsprechende Nummer finde sich an jedem Automaten.

Die Bundesbahnen sind nicht länger bereit, dem Treiben tatenlos zuzusehen. «Die SBB haben Anzeige erstattet und bereits Massnahmen getroffen», sagt Dischoe. «So wurde eine Video- überwachung installiert und entsprechend den gesetzlichen Vorgaben gekennzeichnet.»
 

Die Polizei weiss von nichts

Im Dorf erzählt man sich, dass es Schüler sind, die sich einen Scherz erlauben. Und die sich damit ein schönes Sackgeld verdienen. Denn sie holen sich angeblich regelmässig die Noten, die im Automaten stecken geblieben sind. Moinat hat gehört, dass es täglich rund 70 Franken sein sollen. «Über die Täterschaft möchten wir nicht spekulieren», sagt dazu Dischoe von den SBB.

Erzählt wird in Egnach auch, dass die Polizei die Lausbuben mittlerweile gefasst hat. Dieses Gerücht kann Matthias Graf vom Mediendienst der Kantonspolizei nicht bestätigen. «Wir wissen von nichts.» Er habe extra Rücksprache mit dem Postenchef in Egnach genommen.


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