Architekt Iseli wirft ein Auge auf Arbon

ANSIEDELUNG ⋅ Der Uttwiler Architekt überlegt sich, die Betonwabenproduktion im kommenden Frühling in der Stadt der weiten Horizonte zu zentralisieren. In Deutschland ist er nicht glücklich geworden.
02. Dezember 2017, 14:10
Markus Schoch

Markus Schoch

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Es ist nicht so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hatte. Fredy Iseli wollte im letzten Jahr die Produktion seiner sogenannten Ecocell-Waben weiter automatisieren. Doch keine Schweizer Bank war bereit, ihm die Investition in ­Maschinen und Anlagen zu finanzieren, nachdem er selber mit Freunden zusammen bereits 5 Millionen Franken eingeschossen hatte. Darum sah sich Iseli im Ausland um und entschied sich für Sigmaringen in Süddeutschland, wo man ihn mit offenen Armen empfing. Das Stadtmarketing wirbt mit dem Versprechen, «Raum für Ihre Ideen zu bieten». Und zwar unter anderem in einer Kaserne, aus der die Bundeswehr 2015 abgezogen war. Das Angebot richtet sich nicht zuletzt an Investoren aus der Schweiz. Bürgermeister Thomas Schärer stammt aus Egnach und verfügt über gute Kontakte in seine Heimat.
 

Die Banken hielten ihr Versprechen nicht

Tatsächlich ist Iseli dann aber nicht glücklich geworden in der 100 Kilometer entfernten Stadt an der Donau. Die Banken hatten ihm viel zu viel versprochen. Es gab zwar Geld für eine erste Maschine, aber nicht für eine zweite und dritte. «Obwohl mir es die Verantwortlichen hoch und heilig mündlich zugesagt hatten.» Die Produktion in Sulgen lief deshalb entgegen den ursprünglichen Plänen weiter. Aufgrund der schlechten Erfahrungen im benachbarten Ausland will der Uttwiler Architekt wieder zurück in die Schweiz, wo er die beiden Betriebe zusammenführen und vorwärtsmachen will. Mit Hilfe einer Bürgschaft des Technologiefonds könnte es klappen. «Die Chancen stehen gut», sagt Iseli. An die Bundesgelder kommt er aber nur heran, wenn seine Firma neues Kapital von privater Seite findet.

Einen geeigneten Standort hat der Unternehmer bereits ausgemacht. «Wir tragen uns mit dem Gedanken, uns im Frühling in Arbon niederzulassen.» Eine Liegenschaft hat Iseli bereits im Auge. Ecocell werde aber nicht Hunderte Arbeitsplätze schaffen, sondern vielleicht 20 bis 30, wenn es gut laufe, warnt Iseli vor falschen Erwartungen. «Wir sind in erster Linie eine Entwicklungsfirma», stellt er klar. Und Iseli betont auch, dass der Entscheid zu Gunsten von Arbon noch nicht gefallen ist. «Die Stadt steht zwar für mich im Moment im Vordergrund, wir prüfen aber auch andere Angebote.»

Für Stadtrat Patrick Hug sind es verlockende Aussichten. «Wir würden es sehr begrüssen, wenn sich Fredy Iseli entschliessen könnte, nach Arbon zu kommen.» Er sei ein initiativer Unternehmer mit einem interessanten Produkt. «Wir stehen in Kontakt mit ihm.» Hug war denn auch eingeladen, als Iseli letzte Woche mit chinesischen Partnern eine Absichtserklärung für eine strategische Zusammenarbeit unterschrieben hatte.

Mittlerweile hat Iseli auch Kontakte nach Russland geknüpft. Nächste Woche trifft er Vertreter eines Gaslieferanten mit Sitz in Moskau, die sich die Musterhäuser anschauen und mehr über das Bausystem erfahren wollen, für das Iseli im letzten Jahr mit dem grössten europäischen Umweltpreis ausgezeichnet worden ist. Und auch in Peru ist man auf den Uttwiler aufmerksam geworden. Es laufen Verhandlungen für den Bau von 1000 Häusern.


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