Im Fahrwasser von Hamburg

ROMANSHORN ⋅ Am Pfingstsonntag genoss ein gutes Dutzend Passagiere die erste Hafenrundfahrt auf der MS Zeppelin. Sie ist das Ergebnis einer anfänglich nicht ganz ernst gemeinten Idee.
07. Juni 2017, 05:17
Trudi Krieg

Trudi Krieg

romanshorn@thurgauerzeitung.ch

Vor zwei Jahren war Thorsten Kausch zu Gast am Romanshorner Wirtschaftsforum. «Ich sehe hier unglaublich viel Potenzial», sagte der Chef des Hamburger Stadtmarketings. «Ich bin total beeindruckt.» Die Lage direkt am Wasser sei ein riesiger Standortvorteil, der genutzt werden müsse.

Der Aufruf blieb nicht ungehört. Die kleine Stadt am Bodensee könnte doch auch Hafenrundfahrten anbieten, wie es sie in der grossen deutschen Stadt an der Elbe gibt, hiess es beim Apéro in lockerer Runde. Schliesslich habe Romanshorn den grössten und schönsten Bodenseehafen. Und könne die gleichen Attraktionen wie Hamburg bieten: Werft, Frachtverkehr, Personenschifffahrt und Hafenleben, wenn auch alles etwas kleiner. Die anfänglich nicht ganz erst gemeinte Idee tauchte immer wieder auf, schliesslich wurde die Sache konkret.

Imposante Wolken bilden die Kulisse

Am letzen Sonntag stach die MS Zeppelin zum ersten Mal zu einer Sightseeingtour in See. Dass es wenig Anmeldungen gab, lag wohl daran, dass über Pfingsten viele Leute andere Pläne hatten – und am schlechten Wetterbericht. Als Guide an Bord war Raffael Soppelsa, der Geschäftsführer des Autobau. Er war einer der treibenden Kräfte des neuen Angebotes.

Imposante Wolkengebilde bildeten die stetig wechselnde Kulisse am Himmel: «Wir haben ablandigen Wind, das heisst, er kommt vom Land auf den See, und die Wellen türmen sich erst Richtung deutsches Ufer auf», erklärte Rolf Fürst, Kapitän und Partner der Stadt in Bezug auf die Hafenrundfahrt. Stadtpräsident David H. Bon freute sich, dass Romanshorn mit der Hafenrundfahrt über eine neue Touristenattraktion verfügt.

Soppelsa erzählte, wie der Bau der Eisenbahnlinie und der Güterverkehr Romanshorn zur Blüte verhalfen, vom europaweiten Getreidehandel und von der Zeit, als die Autofähre noch beim Zollhaus anlegte. Die eineinhalbstündige Fahrt ging aus dem Hafen Richtung Werft. Die mitfahrenden Kinder drückten ihre Nase an der Fensterscheibe platt, als die grossen Schiffe vorbeifuhren, Die Werft sei die grösste am Bodensee, und alle Schiffe ausser der MS Sonnenkönigin hätten darin Platz, war zu erfahren. Der alte Hafenkran verrichte immer noch seine Dienste. Bei der Werft sei die erste Romanshorner Badeanstalt gewesen, auf Pfahlbauten, so dass die Sicht vom Ufer auf die Badenden verhinderte gewesen sei. Später war die Badi beim Yachthafen, bevor schliesslich die «Trockenbadi» (weil vom trockenen Ufer aus zugänglich) gebaut worden sei – das heutige Seebad.

Es ist einiges am tun im Hafen

Soppelsa schlug auch den Bogen in die Gegenwart und warf einen Blick in die Zukunft. Er erzählte vom Tourismus, vom geplanten Hotel, von den Lofts, vom Spielplatz auf der Bunkerwiese und von der bereits rege genutzten Hafenplattform.

Der Ausblick auf die drei Kirchtürme und auf das Hafenglöggli bildete den Abschluss der Hafenrundfahrt.


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