Gubser will Kompromiss vermitteln

ARBON ⋅ HRS erwägt einen alternativen Standort für sein Hotel im WerkZwei – wenn abzusehen ist, dass sich die Metropol-Beschwerdeverfahren hinziehen. Stadtrat Peter Gubser überrascht mit einem Kompromissvorschlag.
27. September 2017, 05:19
Max Eichenberger

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Das Hotel Metropol bewegt auch eine Woche nach dem Entscheid des Arboner Stadtrates, das Gebäude nicht unter Schutz zu stellen, die Gemüter weiter. Weil die Exekutive de facto einen Vorentscheid für einen späteren Abbruch gefällt hat, nehme er in Kauf, gegen verbindlich geltende Richtlinien zu verstossen, kritisiert die enttäuschte Interessengemeinschaft Pro Metropol. Sie argwöhnt, der Stadtrat mache sich mit den neuen Gutachten zum Erfüllungsgehilfen von HRS.

Die HRS Investment AG, mittlerweile Eigentümerin der 7418 Quadratmeter grossen Metropol-Parzelle, geht weiterhin davon aus, ihr Projekt «Riva» mit den zwei Wohntürmen wie geplant realisieren zu können. Ein Hotelbetrieb – an dieser eigentlich prädestinierten Lage – rechne sich nicht, kommt das Wirtschaftlichkeitsgutachten zum Schluss. Über einen mitentscheidenden Faktor wurde allerdings bei der Vorstellung der Gutachten kein Wort verloren.

Bauparzelle soll nicht mehrere Jahre Brache sein

Weil HRS für den Kauf der Parzelle ein laut Insidern nicht zu toppendes Preisangebot gemacht hatte, stand ein Hotelbetrieb von vornherein sowieso gar nie im Fokus. Der Amriswiler Unternehmer Hermann Hess, der für die Metropol-Parzelle ebenfalls mitgeboten hatte, will demgegenüber sein beim Romanshorner Hafen geplantes Hotel derweil wirtschaftlich tragfähig führen können. Er bekommt dort – durch den Abstimmungsentscheid vom Sonntag – das Land beim ehemaligen Güterschuppenareal wesentlich günstiger im Vergleich zur HRS-Investition in Arbon.

Acht bis zwölf Hotelzimmer sieht das HRS-Projekt «Riva» am See zwar über dem Gastronomiebereich und dem Saal vor. HRS stehe nach wie vor zum abgegebenen Versprechen, im rückwärtigen WerkZwei ein Hotel mit fünfzig Zimmern zu realisieren, bekräftigt Kommunikationsleiter Andreas Netzle. Ob am geplanten Ort neben dem Hamel, sei allerdings davon abhängig, wie lange sich die Beschwerdeverfahren gegen den Metropol-Nichtunterschutzstellungsentscheid hinziehen. HRS hatte vor längerem schon klargemacht, das Hotel im WerkZwei erst zu realisieren, wenn als Ersatz für das Metropol ein baubewilligtes Projekt vorliegt. Läge nun die vorgesehene Hotelparzelle im WerkZwei zwischen Kantonsstrasse (NLK) und Kulturzentrum Presswerk über Jahre brach, würde das neben dem Hamel «sehr störend» wirken, sagt Netzle. Auch könnten die Hamelstrasse und die Saurer-Passage nicht fertigerstellt werden. Zudem könnte die Nutzung durch die Baufreunde Zürich im geplanten Gebäude nicht realisiert werden. «In diesem Fall müsste HRS sich überlegen, das Hotelprojekt umzuplanen und dafür einen alternativen Standort im Saurer-Areal vorzusehen.»

Weg aus der Blockade mit einem Kompromiss

Derweil hat sich Stadtrat Peter Gubser mit einem Kompromissvorschlag öffentlich in die Debatte eingebracht. Er stehe hinter dem stadträtlichen Entscheid, das Metropol nicht unter Schutz zu stellen, outet sich das Stadtratsmitglied. «Eine Renovation würde zu einem unbefriedigenden Ergebnis führen.» Aufwand und Ertrag stünden in einem groben Missverhältnis – auch für die Stadt und deren Bevölkerung. Gubser regt einen Kompromiss an, um eine drohende jahrelange Blockade abzuwenden. Dieser könnte aus seiner Sicht erreicht werden, «wenn HRS vom Projekt ‹Riva› abrückt und die Gruppierung, die um den Erhalt des Metropols kämpft, Hand bietet zu einem neuen Projekt, das auf die Umgebung Rücksicht nimmt». Für eine städtebaulich gute Lösung dürfe auch der Einbezug der 2695 Quadratmeter grossen Parzelle «Fenster am See», die im Besitz der Stadt ist, «kein Tabu» sein.


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