Eine Pergola muss weg

ARBON ⋅ Beim «Roten Kreuz» stehen zwei eigenmächtig erstellte Sonnenschutzkonstruktionen. Der Stadtrat bewilligt nachträglich einen Pavillon. Die Baute im Freien muss verschwinden.
30. November 2017, 07:07
Max Eichenberger

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Für Gionatan Capuano hätte es schlimmer kommen können. Der Betreiber des Hotels Rotes Kreuz am Hafen darf die Pergola mit Sonnendach in der Gartenwirtschaft stehen lassen. Hingegen muss er als Vertreter der Eigentümerin der Parzelle, der Innoxent AG, den Pavillon mit Gartenbar im offenen Bereich der Parzelle unterhalb der Galluskapelle wieder entfernen.

Baubehörde vor vollendete Tatsachen gestellt

Den Teilrückbau der Anlage hat der Stadtrat verfügt. Er hatte das nachträglich eingereichte Baugesuch zu beurteilen und fällte am Montag den Entscheid. Das Verfahren hatte sich monatelang hingezogen. Der Gastro-Unternehmer hatte im März die Pergolas mit Sonnen- und Wetterschutz erstellt, ohne zuvor um eine Baubewilligung ersucht zu haben.

Das sorgte für gehörige Verstimmung. Der düpierte Stadtrat sah sich vor ein Fait accompli gestellt. Und verlangte vom Eigentümer, umgehend ein entsprechendes Gesuch nachzureichen.

Gionatan Capuano gab vor, nicht gewusst zu haben, dass er dafür eine Bewilligung hätte einholen müssen – was allerdings wenig glaubhaft klang. Er hatte das Projekt an der Baubehörde vorbei realisiert – mit Kosten von rund 100000 Franken. Angeblich sei er im Stadthaus «nie auf offene Ohren» für seine Anliegen gestossen. Die erstellten Konstruktionen sind fix. Sie ruhen auf Tragsäulen, die in den Betonsockeln fest verankert sind. Bei Sonneneinstrahlung kann das Dach ausgefahren werden und bietet Schatten. Es dient zudem als Wetterschutz.

Zweite Pergola «betrieblich nicht notwendig»

Als Ersatz für die Sonnenschirme hat der Stadtrat nun die Pergola im Kastaniengarten nachträglich bewilligt. Man habe dem Gastro-Unternehmer damit «eine zeitgemässe zusätzliche Beschattung zugestanden», begründet Stadtrat Peter Gubser. In den Bäumen wirke sie kaum störend. Zudem befinde sich dort «seit ewiger Zeit» ein Gartenrestaurant. Es bietet 108 Gästesitzplätze. Die freistehende zweite Pergola gegen die Schlosswiese hin toleriert der Stadtrat hingegen nicht. Er macht zum einen Ortsbildschutzgründe geltend. Zudem bestehe keine «betriebliche Notwendigkeit» für diese Anlage. Sie muss nun, wie die Gartenbar, rückgebaut werden – binnen Monatsfrist ab dem Tag, an dem der Entscheid rechtskräftig wird.

Es läuft eine zwanzigtägige Rekursfrist. Laut Geschäftsführer Gianni Christen bedeutet der Entscheid für den Heimatschutz einen Teilerfolg. Ob er sich damit zufriedengeben wird, werde der Vorstand bis Mitte Dezember entscheiden. Bauherr Gionatan Capuano war gestern nicht erreichbar.


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