«Das hat es noch nie gegeben»

ROMANSHORN ⋅ Anlanden der Kursschiffe auf deutscher Seite: Die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt muss umgehend Gebühren zahlen. Man fühle sich nicht willkommen, sagt Oberkapitän Erich Hefti.
27. Mai 2017, 09:33
Tanja von Arx

Tanja von Arx

tanja.vonarx@thurgauerzeitung.ch

Es sei nicht angebracht, es sei nicht nachvollziehbar und es sei insbesondere nicht förderlich für die Kooperation. Erich Hefti, Oberkapitän der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft AG (SBS), wählt deutliche Worte. Denn das Unternehmen mit Sitz in Romanshorn soll umgehend Gebühren zahlen, wenn seine Kursschiffe auf deutscher Seite anlegen.

Kostenpunkt 22'000 bis 54'000 Franken

Genau genommen in den Häfen von Konstanz, Unteruhldingen und Meersburg. Die Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH (BSB), die im Besitz der Hafenanlagen ist, hat an der letzten Verbandskonferenz der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein (VSU) eine Kostenaufstellung für die Benutzung einer Gangway oder einer beweglichen Treppe inklusive Hilfe des Hafenmeisters präsentiert. Die SBS müsste demnach gerechnet nach der Anzahl Anlandungen in der Saison 2017 rund 22'000 bis 54'000 Euro zahlen, je nachdem, welcher Methode sich die Kursschiffe für die Anlandung bedienen.

Hefti sagt, dass schon laut dem Gesetz keine Gebühr für das Anlanden an sich erhoben werden dürfe. Die anderen Schifffahrtsbetriebe rund um den Bodensee würden denn auch keine ausserordentliche Gebühr verlangen, auch nicht die SBS. «So etwas hat es noch gar nie gegeben, nie in all den Jahrzehnten, in denen die vier hiesigen Schifffahrtsgesellschaften unterdessen zusammenarbeiten.» Die SBS erachte diese Massnahme als grossen Rückschritt. «In der Schweiz würde man sagen: einen Schritt zurück zum Kantönligeist», sagt der Oberkapitän.

Unmut über neuen Kurs nach Konstanz?

Die BSB hat die Erhebung der Gebühr ausserhalb des Gemeinschaftsverkehrs mit den anfallenden Kosten für den Hafenmeister und der Nutzung ihrer Infrastruktur begründet, für die sie aufkommen müsse. Geschäftsführer Norbert Reuter hat ferner seinen Unmut darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Kursschiffe der SBS nun auch Konstanz anfahren würden. Hefti sagt über die auf deutscher Seite beliebte Anlegestelle: «Es ist auffällig, dass die Massnahmen zeitgleich zur Einführung unseres Kurses in Kraft treten sollen.» Mit dem neuen Angebot sei man einem langjährigen Kundenbedürfnis nachgekommen. Die SBS bringe ausserdem Gäste nach Konstanz, was förderlich sei für den Tourismus. BSB und Stadt würden sich denn auch für eine florierende Wirtschaft stark machen. Der Oberkapitän sagt: «Das schadet doch dem Tourismus.»

Alles in allem spüre man Widerstand, sagt Hefti. «Die BSB hat sogar kommuniziert, dass wir nicht willkommen sind. Die genauen Worte waren: ‹Wir wollen keine Konkurrenz.›»

Ein Zurück gibt es laut Hefti nicht. Für die BSB sei die Erhebung der Anlandegebühr beschlossene Sache. Die SBS will nun eine eigene Anlandekontrolle führen, um die Gebührenabrechnung der BSB überprüfen zu können. Der Verwaltungsrat hat darüber hinaus vor, den Austritt aus dem VSU zu geben.


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