«Wissen, wo der Schuh drückt»

EGNACH. Die Bauherrschaft ist von der Heftigkeit des Widerstandes gegen die geplante Inertstoffdeponie in Roggwil überrascht. Sie plant jetzt auf halber Fläche weiter und kommt so den Kritikern im Egnacher Weiler Fetzisloh entgegen.
25. Februar 2012, 01:05
MARKUS SCHOCH

Mit einem solchen Aufschrei der Empörung hatten Andi Zürcher und Walter Schwarzkopf nicht gerechnet. Seit sie vor vier Wochen ihre Pläne für eine Inertstoffdeponie (Aushub und mineralische Bauabfälle) in Roggwil an der Grenze zu Egnach bekannt gemacht haben, ist in Fetzisloh der Teufel los. Die Einwohner des Weilers in unmittelbarer Nähe des vorgesehenen Standortes laufen Sturm gegen das Projekt.

Dabei hatten der Geschäftsleiter und der Inhaber der Firma Zürcher Kies und Transport AG in Zuzwil genau das verhindern wollen, als sie Ende Januar Anwohner und Öffentlichkeit informierten. «Wir haben bewusst früh und breit kommuniziert in der Hoffnung, im Gespräch mit allen Beteiligten und Betroffenen besser ans Ziel zu kommen», sagt Zürcher. Sie hätten eine Basis für Diskussionen finden und Vertrauen schaffen wollen.

Gekommen ist es ganz anders: «Wir sind teilweise bewusst falsch verstanden worden», musste Schwarzkopf feststellen. «Es ist vieles in unser Projekt hineininterpretiert worden. Dabei sind die Details noch gar nicht geklärt.» Wie hoch die Aufschüttung werde, stehe beispielsweise nicht fest.

«Fast unmenschlicher Druck»

Bedauerlich ist für Zürcher und Schwarzkopf insbesondere, dass einer der vier Landbesitzer in Bedrängnis geraten ist. «Seitens der Nachbarn in Fetzisloh wurde er in den letzten Wochen einem fast unmenschlichen, psychischen und sozialen Druck ausgesetzt», kritisieren sie. Um die Familie aus der Schusslinie zu nehmen, hätten sie die grundbuchamtlich verbrieften Verträge auf Eis gelegt. «Wir wollen mit unserem Projekt nicht eine Familie opfern», sagt Zürcher. Und er betont: «Wir haben aus Goodwill gehandelt.» Wenn sie so geldgierig wären, wie ihnen unterstellt werde, hätten sie das sicher nicht gemacht.

Das Grundstück des Bauern umfasst etwa 11 Hektaren. Damit fällt die Hälfte des Landes der geplanten Deponie weg. Die Firma Zürcher hält trotzdem an ihren Plänen im Gebiet Grosszälg fest. «Der Standort ist in verschiedener Hinsicht sehr geeignet», sagt Zürcher. Zudem bestehe im Oberthurgau ein ausgewiesenes Bedürfnis nach einer Aushubdeponie, ruft er in Erinnerung. Es sei ausdrücklich auch der Wunsch des Kantons, dass eine eröffnet werde.

«Wir können auch nicht irgendwo ein Tobel zuschütten», nimmt Schwarzkopf Stellung zu einem Vorschlag der Kritiker. Der Kanton habe im Richtplan festgelegt, wo Aushubdeponien zulässig seien. «Daran müssen wir uns halten.»

Über die Bücher gehen

Die Redimensionierung des Projektes bleibt aber nicht ohne Folgen. «Wir haben eine ganz andere Ausgangslage», sagt Schwarzkopf. Sie müssten jetzt zuerst prüfen, wie die Anlage unter den neuen Voraussetzungen noch wirtschaftlich betrieben werden könne. Zudem will die Firma Zürcher Antworten auf diejenigen Fragen finden, die in den letzten Wochen am meisten zu reden gaben: Wie wirkt sich die Deponie auf den Verkehr aus, und welche Dimensionen wird die Anlage haben? Erst wenn diese Grundlagen erarbeitet sind, soll die Öffentlichkeit wieder informiert werden, sagt Zürcher. «Vorher können wir nichts Konkretes oder Verbindliches sagen.» Wie lange die Abklärungen dauern werden, sei offen. Vielleicht ein Jahr, vielleicht auch weniger.

Varianten erarbeiten

«Wir werden sicher kein fixfertiges Projekt haben, sondern verschiedene Varianten prüfen und diskutieren», stellt Zürcher in Aussicht. Wichtig für sie sei, wieder mit den Einwohnern von Fetzisloh ins Gespräch zu kommen, auch wenn der Weiler nicht zur Standortgemeinde der Deponie gehöre. »Wir wissen jetzt, wo die Fetzisloher der Schuh drückt», sagt Zürcher. Und er verspricht: «Wir stehen zu dem, was wir sagen.»


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