Sein Traum wäre ein Museum

FREIDORF. Er hat den Narren gefressen an den Oldtimern. Das bekennt der Freidorfer Peter Hürlimann offen. Neben Modellautos, richtigen Automobilen älterer Jahrgänge und Rennwagen sammelt er seit zwei Jahren auch Rennboote. Die Sammlung öffentlich zu machen ist sein grosser Wunsch.
31. Juli 2014, 07:08
MAX EICHENBERGER

Irgendein Werkzeug hat er praktisch immer in Händen, das Sackmesser ist sowieso stets dabei. Das Leben von Peter Hürlimann dreht sich um Motoren, Autos und Technik. Oldtimer haben es ihm angetan. Und da ist er ständig mit funkelnden Augen unterwegs zu neuen Schätzen – oder er werkt in der Garage und bringt ein halbes Wrack wieder in Schuss.

Sammler und Restaurator

Der 57-Jährige ist Sammler und Restaurator. Aus Leidenschaft, die seine Frau Renate mit ihm teilt. «Mich fasziniert die Technik , sagt der Freidorfer, der in Arbon aufgewachsen ist und bei Saurer die Lehre als Maschinenmechaniker gemacht hat. Weit weg hat ihn der weitere Berufsweg nicht verschlagen. Hürlimann arbeitet in der Motorenentwicklung bei Iveco – im ehemaligen Saurer-Werk 1 im Städtli. Schon in der Kindheit sammelte er: damals kleine Modellautos, Dinky Toys. Später waren es dann richtige Autos, nach dem Motto: je älter desto besser. Mit der Restaurierung einer BMW Isetta hat alles angefangen. «Seither habe ich den Virus drin.» Eines der Schmuckstücke ist ein hellblauer Citroën, Modell 1922. «Das ist noch eine richtige vorsintflutliche Autokutsche.»

Strassen- und Wasser-Boliden

Die Modellauto-Sammlung ist aber unterdessen nicht «eingefroren», sondern trotzdem weitergewachsen: heute sind es 4500 Exponate. Mehrere Zimmer, Keller und andere Räume sind damit vollgestellt. Irgendwann ist die Sparte Rennautos hinzugekommen – Oldtimer-Boliden. Ein Dutzend Rennwagen besitzen Hürlimanns inzwischen – darunter einen britischen Surtees oder den Swica 387, eine Schweizer Konstruktion. «Wir wollen sie nicht nur horten, sondern auch zeigen und unsere Freude am Hobby teilen mit anderen Leuten.» So rattert Hürlimann die Zuschauer-gesäumte «Rennstrecke» nach Walzenhausen hoch oder dreht auch schon mal auf der Betonpiste der offenen Radrennbahn Oerlikon seine Runden. In seiner Sammlung hegt der Freidorfer auch den stärksten Formel-1-Motor, den es je gab: ein BMW-Turbo-Aggregat mit 1500 PS Leistung, mit dem einst Nelson Piquet im Brabham BT52 Weltmeister wurde.

Die wirklichen Schmuckstücke, die Peter Hürlimann restauriert hat, stehen in seinem Umfeld daheim in der Garage. Viele Vehikel in unterschiedlichem Zustand, die zumeist noch auf den Restaurator warten, sind verstreut in Scheunen und Hallen eingestellt. Vor einigen Jahren hat der passionierte Sammler seinen Fokus auf Rennboote erweitert. «Die Technik fasziniert mich generell – auch bei den Rennbooten.» Über den ehemaligen Schweizer Meister Fritz Steiger ist Peter Hürlimann zu seinen ersten beiden Booten gekommen. Früher seien auf Schweizer Gewässern Rennen gefahren worden. Wie auf der Strasse sind sie aber auch auf dem Wasser hierzulande längst verboten. Vor bald hundert Jahren baute sogar Saurer Motoren für Rennboote. Saurer hatte dafür einen eigenen Steg.

Der Museum-Traum

Hürlimann will mit seiner Sammeltätigkeit stolze Epochen des Automobilbaus wie auch die Zeit des Bootrennsports, «der in der Schweiz fast komplett vergessen gegangen ist», in Erinnerung behalten und anderen zugänglich machen. Dafür suchen er und Gattin Renate seit längerem nach einer grösseren Halle und möglichen Partnern, die diesen Traum realistisch werden lassen. Als weiteren Mosaikstein und Ergänzung zum Saurer-Museum und Autobau Romanshorn im Oberthurgau mit anderer Ausrichtung.

Das schnittige rote Alfa-Romeo-Hydroplan-Rennboot liegt auf einer Anhängerkonstruktion in einer zugemieteten Halle im Dorf. Manchmal steigt Peter Hürlimann ins Cockpit, wischt mit einem Tuch den Lack blank.

Wie ein Raumschiff

Daneben, unter einer Plane, lagert ein weiteres Prunkstück: eine Molinar-F1-Mercury, noch schneller als der Alfa-Flitzer. «2012 ist dieses Boot, bestückt mit einem 225 PS starken Motor, letztmals beim 24-Stunden-Rennen von Rouen pilotiert worden», kennt Hürlimann die Geschichte im Detail. Eines Nachts stand es auf einem Anhänger plötzlich vor dem Haus. Sohn Daniel fand, leicht erschrocken, ein Raumschiff sei gelandet. So ähnlich sieht der Bolide, der mit 200 Sachen übers Wasser zischt, aus. Mit einem V6-Motor könnte ihn Hürlimann fahren – aber nur im Ausland. «Ich bekomme ab und zu eine Einladung nach England oder Frankreich.»

Derzeit sind Renate und Peter Hürlimann mit Vorbereitungen beschäftigt: sie veranstalten am 26. Oktober zum zehnten Mal in St.Gallen die Oldtimermesse.


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