Schlafen wie ein Nomade

SALMSACH. In der Salmsacher Bucht können Naturliebhaber möglicherweise schon bald in einer Jurte übernachten. Sabrina Hiller aus Hefenhofen will vier dieser Rundbauzelte an Gäste vermieten.
07. Mai 2015, 08:06
MARKUS SCHOCH

In der lauschigen Salmsacher Bucht kann man wegen der schlechten Wasserqualität bis jetzt zwar meist nicht baden, aber vielleicht bald die Nacht verbringen und den Tag geniessen. Sabrina Hiller aus Hefenhofen vom Familienunternehmen Unikaat.ch plant, am Rand der Badewiese beim Naturschutzgebiet auf Gemeindeland vier Jurten aufzustellen: Zwei haben einen Durchmesser von vier Metern, die beiden anderen einen von 5 beziehungsweise 8 Metern. Die Zelte will sie Gästen vermieten, die Ruhe und das einfache Leben suchen.

Die runden, mit Holz konstruierten Behausungen lehnen sich in der Bauweise an die traditionellen Nomadenzelte in West- und Zentralasien an. Unterschiedlich sind teilweise die Materialien. «Das Klima in Salmsach ist ein anderes als beispielsweise in der Mongolei», sagt Hiller. Gleich ist hingegen: Die Jurten lassen sich mit relativ wenigen Handgriffen auf- und abbauen. Trotzdem ist ein Baugesuch nötig, das derzeit in der Gemeinde öffentlich aufliegt. Der Gemeinderat von Salmsach begrüsst das Projekt, sagt Gemeindeschreiberin Nicole Haas. Nicht zuletzt erhofft sich die Behörde weniger Vandalismus, wenn durch das Projekt sich Touristen nachts im Gelände aufhalten.

Kein Wasser und kein Strom

Die mit regionaler Schafwolle isolierten Jurten aus europäischer Produktion sind einfach ausgestattet: Es gibt ein massives Doppelbett mit Matratze sowie bei Bedarf Feldbetten, einen Holzofen, eine Kommode, vielleicht noch einen Tisch – sonst nichts. Auch auf fliessendes Wasser und Strom im Zelt müssen die Gäste verzichten. Licht geben Kerzen und Öllampen. Für die Toiletten und Duschen wird voraussichtlich ein Container aufgestellt. «Die sanitären Anlagen planen wir zusammen mit der Gemeinde», sagt Hiller, die Jurten von Ferien im In- und Ausland kennt. Die Reduktion auf das Allernotwendigste ist Konzept: «Die Menschen sollen die Natur ohne Ablenkung fühlen und spüren können», sagt Hiller, die in Romanshorn aufgewachsen ist. Und sie sollen sich bewusst werden, wie wenig es eigentlich zum Leben braucht. Die Salmsacher Bucht inmitten von Naturschutzgebieten direkt am Wasser sei ideal für diese Art von Erfahrung, sagt Hiller. «Es ist der richtige Platz.» Die Jurten sollen Teil der Idylle werden. «Wir wollen keinen lauten und grossen Betrieb aufziehen», stellt Hiller klar.

Im grössten Zelt wird sie selber schlafen, wenn Gäste da sind, die auf Wunsch ein Frühstück mit regionalen Spezialitäten in einer Box erhalten. Gleichzeitig betreibt Hiller in ihrem Zelt auch eine einfache Gelegenheitswirtschaft, wo es Kaffee, Kuchen und Glace gibt.

Gibt ein Publikum

Das Projekt passe gut zu Unikaat.ch, findet Hiller, die das Unternehmen mit ihrer Mutter, ihrer Tante und zwei Schwestern aufgebaut hat. Der Name steht für kreative Kunst und Kultur.

Hiller ist sicher: Es wird Menschen geben, die den Weg in die Salmsacher Bucht zu ihr und ihren Jurten finden werden. Und vielleicht können sie dereinst sogar ohne Bedenken in den Bodensee steigen. Die Gemeinde will bekanntlich die mit Schmutzstoffen befrachtete Aach umleiten, so dass das Badewasser wieder sauberer wird.


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