«Sache ist noch nicht gegessen»

ROGGWIL. Die Gegner der geplanten Inertstoffdeponie in Roggwil haben sich am Montag zur Jahresversammlung getroffen. Sie sind sich sicher: Der Kampf geht trotz ersten Erfolgen weiter.
24. April 2013, 01:33
MARKUS SCHOCH

«Die Sache ist noch nicht gegessen», sagte Vizepräsident Erich Wagner am Montagabend an der ersten Jahresversammlung des Vereins Depo nie! vor 34 Mitgliedern. Im Moment sei es zwar ruhig. «Wir werden aber wieder andere Zeiten erleben.»

Gleicher Meinung war Vereinspräsident Pascal Stacher. Die Firma Zürcher Kies und Transport AG aus Zuzwil werde am Standort der geplanten Deponie an der Grenze zu Egnach so lange wie möglich festhalten. «Sie hat Land gefunden und schon viel in das Projekt investiert.»

Pfand in den Verhandlungen

Er sei trotzdem «sehr optimistisch», dass die 11 Hektaren grosse Deponie für unverschmutzten Aushub sowie Steine und Erde im Gebiet Grosszälg verhindert werden könne, sagte Stacher. Denn unmittelbar daneben führe die Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS) vorbei. Die Anwohner in Fetzisloh wären dann doppelt belastet, was ihnen der Kanton kaum zumuten könne.

Es sei deshalb äusserst wichtig, dass die von der Strasse betroffenen Grundeigentümer in den Landverhandlungen mit den kantonalen Stellen entsprechende Vorbehalte machen würden, sagte Peter Stäheli, der den Verein am Podiumsgespräch zur geplanten Deponie vor einem Jahr vertrat. «Das ist der Schlüssel zum Erfolg.» Es gebe zudem durchaus Alternativen zum Projekt in Roggwil. So habe beispielsweise die Gemeinde Salmsach dem Kanton vorgeschlagen, mit dem Aushub der BTS die Salmsacher Bucht aufzuschütten. «Das stimmt mich zusätzlich positiv», sagte Stäheli. Zumal der Kanton in der Zwickmühle stecke. Denn der Bund habe ihm im Zusammenhang mit der BTS die Auflage gemacht, den Kulturlandverlust zu kompensieren. Eine Deponie im Gebiet Grosszälg zu eröffnen, stehe völlig quer dazu.

An der Versammlung zu Gast waren Michael Hungerbühler und Christoph Löhrer aus Niederwil, die mit einem ähnlichen Problem wie die Einwohner von Fetzisloh konfrontiert sind. Die Firma Holcim plant, vor der Haustür der beiden St. Galler während Jahrzehnten im grossen Stil mit Sprengstoff Kies abzubauen und eine Deponie zu betreiben. Zum Einsatz kommen sollen gemäss Hungerbühler auch riesige Brecher.

Andere setzen mehr Druck auf

Anders als im Oberthurgau sind die Pläne in Niederwil schon weit gediehen. Bereits im nächsten Jahr soll es losgehen. Wie Stacher und seine Kollegen haben die Quartierbewohner in Niederwil Unterschriften für eine Petition gesammelt, die vom Gemeinderat verlangt, die Pläne der Firma Holcim abzulehnen.

Weil eine solche Bittschrift aber unverbindlich ist und sich die Behörde bis jetzt wenig aufgeschlossen zeige, wollen die betroffenen Familien in Niederwil zusätzlich eine Initiative lancieren, die eine Änderung des Baureglementes zum Ziel hat. Ein neuer Passus soll Grossdeponien in Siedlungsnähe verbieten. «Der Rechtsanwalt hat uns geraten, den politischen Druck zu erhöhen», sagte Hungerbühler.


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