Neues Bett für die Steinach

Im Hinblick auf die Entlastung von gereinigtem Abwasser aus St. Gallen/Wittenbach, womit die Wassermenge auf einen Bruchteil schrumpft, will die Gemeinde die Steinach im sanierungsbedürftigen Unterlauf ab Obersteinach renaturieren.
28. August 2009, 01:05
Fritz Heinze

STEINACH. Die Bachverbauung von unterhalb des Gemeindeteils Obersteinach bis zur Mündung in den Bodensee ist rund hundert Jahre alt. Bereits das ist ein Grund, nun Sanierungsarbeiten an die Hand zu nehmen. Im weiteren erachtet es die Gemeindebehörde als wesentlich, den Steinach-Lauf zu renaturieren und neuen Gegebenheiten mit der geplanten Ableitung des gereinigten Abwassers von der ARA Hofen zur ARA Morgental statt durch die Steinach anzupassen. Durch das Projekt wird zudem der Hochwasserschutz verbessert.

Mit dem von der Bürgerschaft im Gemeindebudget bewilligten Kredit von vorerst 100 000 Franken können erste Planungsarbeiten an die Hand genommen werden. Dafür hat der Gemeinderat jetzt einen Auftrag vergeben. Die Realisierung des Projekts dürfte mehrere Millionen Franken kosten. Daran beteiligen sich aufgrund der gesetzlichen Grundlagen der Bund und der Kanton.

Diskussionen seit Jahren

«Das Projekt ist nicht neu», erklärt der Steinacher Gemeindepräsident Roland Brändli. Hochwasserschutz an der Steinach sei bereits zweimal projektiert worden. Doch im Rahmen des Gesamtprojekts mit der ARA Hofen sei jetzt der richtige Zeitpunkt, zu beginnen. Im Mittelpunkt stünden jetzt die Niedrigwasserthematik und der Hochwasserschutz. «Die jahrelangen Bemühungen und Diskussionen um die Reinhaltung der Steinach, noch zu Zeiten meines Amtsvorgängers Guido Wüst, haben mit dem Beginn der Projektierung ein Ende gefunden», sagt Brändli.

Gelegentlich ein Rinnsal

Von 1977 bis 1991 investierte die Stadt St. Gallen 56 Mio. Franken in technische Verbesserungen zur Reinhaltung der Steinach respektive in weitergehende Reinigung des Abwassers. Mit dem angelaufenen Projekt für direkte Ableitung des gereinigten Abwassers in die ARA Morgental dürfte der Steinach dann definitiv geholfen sein.

Experten schätzen, dass sich durch den Wegfall des gereinigten Abwassers die Wassermenge der Steinach bei Niedrigwasser um 80 oder mehr Prozent reduziert. Der kleine Fluss wird also gelegentlich nur noch ein Rinnsal sein.

Naturnahen Bach gestalten

Das bestätigt Philipp Gyr vom Tiefbauamt des Kantons St. Gallen, Sektion Wasserbau: «Wenn die Steinach in Trockenperioden nur noch 20 Prozent des bisherigen Wassers führt, wird sich das schlagartig bemerkbar machen.» Die Lösung dieses Problems sieht er darin, dass ein naturnah gestalteter Bach nicht so aussieht wie das jetzt stark kanalisierte Gewässer. Lösungen werden erarbeitet für den Niedrigstand, wobei noch nichts entschieden ist. Gyr, von Seiten des Kantons zuständig für das Projekt, gibt zu bedenken, dass vor einigen hundert Jahren das Wasser der Steinach im Sommer vielleicht nicht einmal mehr in den See gelangte, sondern im Geschiebekegel versickerte.

Geplant wird auch für künftige Hochwassersituationen. Fachleute sehen die Steinach in einem Bachbett mit einem so genannten Doppeltrapezprofil. Das heisst: Bei niedrigem Wasserstand fliesst der Bach in einem schmalen Bett, bei Hochwasser auch im oberen, breiter werdenden Teil des Bettes. «Das Profil wird breiter und die Böschungen dürften flacher ausgestaltet sein», sagt der Fachmann vom Tiefbauamt.

Planung läuft erst an

Zum aktuellen Stand erklärt Philipp Gyr, dass die Planungsarbeiten erst im Anfangsstadium stehen. Man sei erst am «Aufgleisen» und werde alle Interessierten in das Projekt involvieren – was auch bei Arbeitssitzungen geplant sei. Denn es gebe für die Bevölkerung doch erhebliche Änderungen. Diese werden Landwirtschaft, Gartenbesitzer, Fischer und Naturschützer speziell betreffen. «Wir sind bemüht, die verschiedenen Meinungen unter einen Hut zu bringen», erklärt Gyr. Nach dem Zeithorizont der Realisierung gefragt, sagt er, das könne fünf bis zehn Jahre dauern. Etliche Abklärungen wurden noch nicht getroffen. So ist auch die Zukunft der über die Steinach führenden Brücken noch nicht klar.

Wie weit Brücken anpassen?

Die Spannweite lässt darauf schliessen, dass sie der geforderten Hochwassertauglichkeit wohl nicht entsprechen. Renaturierung der Steinach wird an diesen Standorten wohl etwas zurückhaltend interpretiert werden müssen, sind doch die beiden Brücken an der Bahnstrasse mit den aktuellen Dimensionen wohl kaum dafür geschaffen.

(www.unseresteinach.ch)


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