Geschichten wider das Vergessen

ARBON. Die Genossenschaft Alterssiedlung Arbon feiert dieses Jahr ihr 50jähriges Bestehen. Bis zum Jubiläumsakt im Herbst plant sie die Herausgabe eines Buches: Darin werden Menschen porträtiert und Lebensgeschichten aufgezeichnet.
02. Mai 2013, 06:57
RALF RÜTHEMANN

«Wir möchten die interessanten Ereignisse und Lebensgeschichten der letzten 50 Jahre in den Vordergrund stellen. Nicht etwa den Verwaltungsrat wie in einer Jubiläumsbroschüre zu Wort kommen lassen.» So beschreibt Jürg Niggli, Mitglied des Verwaltungsrates der Genossenschaft Alterssiedlung Arbon, die Absichten, die der Verwaltungsrat mit dem Jubiläumsgeschichtsbuch verfolgt. «Im Buch werden wir zwölf verschiedene Personen, die in irgendeiner Art einen Bezug zur Genossenschaft Alterssiedlung Arbon haben, porträtieren.»

Bei der Personenauswahl habe der Verwaltungsrat besonders darauf geachtet, dass es zwölf völlig unterschiedliche Leute seien. «Die Geschichten gehen von der Tessinerin, die in einer Fabrik gearbeitet hat, über eine Industriellen-Gattin bis hin zu einer Person, die die Seegfrörni erlebt hat.»

Samt und Patina

Im Alter werde der Lebensraum kleiner, der Erfahrungsschatz dafür grösser. «Viele Menschen haben etwas zu erzählen. Diese Geschichten wollen wir nun aufschreiben, ansonsten geht es irgendwann vergessen», sagt Jürg Niggli. Im Gegensatz zu einem Lebenslauf an einer Abdankungsfeier, der eventuell positiv ausgeschmückt ist, erzählen die ausgewählten Personen laut Jürg Niggli auch von den Schattenseiten ihres Lebens. «So bringen wir die Geschichten wahrheitsgetreu auf das Papier. So erhalten die Leser einen spannenden, humorvollen oder ernsten Einblick in das Leben fremder Leute.»

Den Buchtitel habe der Verwaltungsrat bereits definitiv festgelegt. «Unser Werk erhält den Namen <Samt und Patina>.»

Vertrag mit Appenzeller Verlag

Mit Franziska Messner-Rast habe man eine sehr gute Porträtfotografin verpflichten können. «Auch mit Claudia Schmid und Anna Miller haben wir zwei renommierte Journalistinnen, die die Porträts schreiben, ins Boot geholt.» So sei es dazu gekommen, dass die Genossenschaft einen Verlagsvertrag mit dem Appenzeller Verlag abschliessen konnte. «Mit unserem Geschichtsbuch wollen wir aber nicht etwa Geld verdienen, sondern einfach ein Produkt für alle Interessierten herstellen.» Auf die Buchvernissage, die am 26. Oktober stattfindet, dürfe man sich freuen.

Das dritte Buch von Jürg Niggli

Das Projekt habe Jürg Niggli im Sommer 2012 dem Verwaltungsrat vorgeschlagen. «Es hat mich gefreut, dass sie meinen Vorschlag akzeptiert haben.» Jürg Niggli arbeitet als Sozialarbeiter in St. Gallen in einer Suchteinrichtung. Im Zusammenhang mit seinem Beruf hat er schon zwei Bücher schreiben lassen. «Das eine Buch handelt vom Lebenslauf einer Drogensüchtigen und im anderen sind Randständige porträtiert, ähnlich wie wir es nun in diesem Buch mit den Leuten im Zusammenhang mit der Genossenschaft machen.» Jürg Niggli hat vor sechs Jahren im Verwaltungsrat das Ressort Öffentlichkeitsarbeit übernommen und ist bei diesem Projekt, wie auch bei seinen ersten zwei Büchern, für das Organisatorische zuständig. «Ich ziehe einfach die Fäden im Hintergrund.»


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