Eine Deponie in Roggwil

ROGGWIL. Nördlich der Hauptstrasse Arbon-Neukirch plant die Firma Zürcher aus Zuzwil eine Inertstoffdeponie. Sauberer bis leicht belasteter Aushub und Bauabfälle sollen hier während dreier Jahrzehnte aufgeschüttet werden. Danach stünden die 22 Hektaren wieder der Landwirtschaft zur Verfügung.
27. Januar 2012, 08:13
ROGER HÄNI

«Wir sind uns bewusst, dass wir nicht mit offenen Armen empfangen werden», sagte Sven Bradke, Kommunikationsverantwortlicher des Projekts «Inertstoffdeponie Grosszälg» an einer Medienorientierung. Der Begriff Deponie löse in der Schweiz negative Assoziationen aus. Doch seien diese hier nicht angebracht.

Werner Meier vom Weinfelder Umwelt- und Planungsbüro Meier und Partner erläuterte, dass Deponien in der Schweiz in drei Typen eingeteilt sind: Reaktordeponien für Kehrichtschlacke und stärker belastete Altlasten (zum Beispiel in Berg bei Weinfelden), Reststoffdeponien für verfestigte chemische Rückstände (z. B. bei Winterthur) und eben Inertstoffdeponien (z. B. in Gloten bei Sirnach). «Es handelt sich hierbei um sauberen Aushub von Baugruben, leicht belasteten Aushub – etwa das am wenigsten belastete Material von Schiessstand-Sanierungen – und mineralische Bauabfälle», so Werner Meier.

Mehrere Jahre gesucht

Etliche Unternehmen seien auf der Suche nach Deponien. Sie sind gemäss kantonalem Richtplan regional zur Verfügung zu stellen. Im Oberthurgau gibt es bislang aber keine. «Unsere Firma hat deshalb die Initiative ergriffen», blickte Meier zurück. Die Suche nach möglichen Standorten sei mit grossem Aufwand verbunden gewesen und habe mehrere Jahre gedauert. Das Ziel war ein Standort, an dem möglichst wenige Personen vom anfallenden Verkehr und den Immissionen betroffen sind.

Fündig wurde das Büro am Rande der Gemeinde Roggwil bei der Autobahnausfahrt Arbon West. Erst danach habe sich herausgestellt, dass hier eine Ausfahrt der Bodensee-Thurtal-Strasse entstehen könnte – ein Glücksfall. Der Verkehr sei bei der Erstellung von Deponien nämlich immer eines der grössten Bedenken, räumte Walter Schwarzkopf, Geschäftsleiter der Zuzwiler Firma Zürcher Kies und Transport AG, ein. Das in den Bereichen Transport, Entsorgung, Recycling, Deponien, Kies und Natursteine tätige Familienunternehmen war von Meier und Partner ins Boot geholt worden.

Schwarzkopf erwartet in der Grosszälg Zulieferungen in der Grössenordnung von 30 bis 35 pro Tag – mehrheitlich aus dem Oberthurgau. Um verlässliche Zahlen zu nennen, sei es allerdings noch viel zu früh, betonte Geschäftsinhaber Andi Zürcher an der Medienorientierung. Man befinde sich noch am Anfang der Planung.

«Nicht einfach ein Dreckhaufen»

Tatsächlich ist der Weg bis zum Betrieb der Deponie noch weit. Zuerst sind die genauen planerischen Voraussetzungen zu schaffen. Unter anderem soll ein Landschaftsplaner einbezogen werden. Dann möchte die Firma Zürcher die ordentlichen Behörden- und Bewilligungsverfahren auf lokaler und kantonaler Ebene einleiten. Letztlich wird Roggwil an einer Gemeindeversammlung über die nötige Zonenplanänderung befinden müssen.

Schon für die Inertstoffdeponie in Gloten – ein Höhepunkt in der fast 80jährigen Geschichte des Unternehmens – musste die Zürcher Kies und Transport AG bis zur Eröffnung im Jahr 2006 einen eigentlichen Verhandlungs- und Bewilligungs-Marathon hinlegen.

Sei die Deponie in Roggwil (an der Grenze zu Egnach) dann einmal in Betrieb, so sei das nicht einfach ein Dreckhaufen, den man sich selbst überlasse, hielt Umweltplaner Werner Meier fest. Die reglementierten Anforderungen seien vielfältig, und der Betrieb werde vom Kanton überwacht.

Mit Landeigentümern einig

Der Firma Zürcher ist es ein Anliegen, offen zu kommunizieren. Gestern abend hat sie die Anwohner informiert. Mit den Landeigentümern hat sie bereits grundrechtliche Verträge abgeschlossen. Dies nachdem Ausgleichsflächen für die Pächter (Landwirte) des 22 Hektaren grossen Areals bereitgestellt werden konnten.

Wie an der Medienorientierung zu erfahren war, wird die mittlere Schütthöhe der Deponie 15 Meter betragen. Zu rechnen ist mit einer Aufschüttung von drei Millionen Kubikmetern, verteilt auf mehrere Jahrzehnte. Das Verhältnis zwischen unverschmutztem Aushubmaterial (Erde/Steine) und Inertstoffen (darunter zum Beispiel Ziegel oder Mauerwerk) betrage etwa zwei Drittel zu einem Drittel, sagte Andi Zürcher.

Die Idee ist, dass nach etwa 30 Jahren aus der aufgeschütteten Deponie wieder Landwirtschaftsland wird. Dann gilt es, einen neuen Deponie-Standort zu finden – ein Unterfangen, das dann noch schwieriger sein dürfte als heute.


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