«Die Natur ist kreativ»

FRASNACHT. Im Erlebnisgarten Buchhorn versetzen sich 25 Kinder eines WWF-Lagers zurück in die Urzeit. Sie stellen Trinkhörner, Bundschuhe, Bogen und Feuerstahl her – und lernen nebenbei viel über die Natur und ihre Möglichkeiten.
08. Juli 2010, 06:12
Andrea Kern

Es riecht verbrannt auf dem Gelände des Erlebnisgartens Buchhorn bei Frasnacht. 25 Mädchen und Buben aus der ganzen Schweiz sind für ein WWF-Lager an den Bodensee gereist, um gleich darauf die nächste Reise anzutreten: in die Urzeit. Auf dem ganzen Hof verteilt widmen sich die Kinder dem alten Handwerk. Einige stellen ein Trinkhorn her, andere basteln einen Bogen, um sich danach als Bogenschütze zu beweisen. Daneben schmiedet eine Gruppe Buben über dem Feuer einen Feuerstahl. Damit lässt sich später Feuer zünden.

Schlafen in Tipis

«Wir wurden vom WWF angefragt, ob wir für die Kinder ein Lager durchführen», sagt Remo Gugolz, einer der zwei Köpfe hinter dem Erlebnisgarten Buchhorn. Zusammen mit Felix Immler bietet er seit drei Jahren Kurse und Workshops für Schulen, Firmen und weitere interessierte Gruppen an. Mit dem WWF-Lager führt die Crew um Remo Gugolz zum ersten Mal ein Lager dieser Art durch. Aus einigen Angeboten können die Kinder auswählen. Weitere kleine Kurse werden nebenher angeboten.

Dazu gehören unter anderem Salben herstellen, Kräuter kennenlernen, Gold waschen oder Talgkerzen herstellen. Geschlafen wird in Indianertipis.

Nistkasten für Wildbienen

Im Lager herrscht eine lockere Atmosphäre. «Wir haben keinen strengen Zeitplan, sondern reagieren spontan», erklärt Felix Immler. «Und wir sehen uns nicht als Indianerlager», fügt Remo Gugolz an. So sind die beiden auch froh darüber, dass vom WWF kaum Auflagen gemacht wurden. «Einzig das Thema Biodiversität muss rein.

» Dieses Jahresthema des WWF zur Artenvielfalt wird im Lager im Buchhorn mit dem Bauen eines Nistkastens für Schlupfwespen oder Wildbienen aufgenommen.

Das Leben in und mit der Natur steht aber sowieso an oberster Stelle, das Begreifen der Artenvielfalt scheint für die beiden selbstverständlich. So lassen die zwei Naturpädagogen weiteres Wissen bei Gelegenheit einfliessen. Als Beispiel nennt Remo Gugolz die Brennnessel. «Wenn sich ein Kind daran brennt, kann ich die Pflanze als Thema gleich aufgreifen.

» Und er zeige dem Kind dann die zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten auf, ob als Tee, für Seile, das Rösten der Samen. «Wir nehmen die Interessen der Kinder in jenem Moment auf, wenn sie dazu bereit sind.»

Natur erdet

Was gibt ihnen die Natur? «Alles», antwortet Remo Gugolz spontan. «Vertrauen in sich selber, das Verständnis der Natur.» Die Natur sei kreativ. «Wer diese begreift, kann selber auch kreativ sein und immer durch das Leben kommen.

» Das gelte nicht nur in der Not, sondern in der Gesellschaft, im Alltag, im Beruf.

Die Natur bedeute auch Erde und geerdet sein, sagt Felix Immler. «Sie bringt einem zu innerer Ruhe und Gelassenheit.» Nicht zu vergessen sei auch die Freude am Kleinen, an Details, an der heimischen Natur. Und so schnitzt er während des Gesprächs so nebenbei eine kleine Flöte aus Schilfrohr, gefunden im nahen Uferbereich des Bodensees.


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