Die Handschrift der Grande Dame

ARBON. Sie hat den Fifa-Hauptsitz in Zürich, die Residenz von Sepp Blatter, projektiert und mit der kristallinen Kuppe auf dem Weisshorn für Furore gesorgt. Jetzt baut Tilla Theus in der Thurgauer Provinz den Mammertsberg um – und errichtet in Freidorf einen architektonischen Leuchtturm.
01. Februar 2013, 01:35
MAX EICHENBERGER

Den Roggwiler Gemeindeammann Gallus Hasler freut die Entwicklung, die das Traditionshaus Mammertsberg im Ortsteil Freidorf genommen hat: «Für uns bedeutet das grosse Engagement der Investoren in eine nachhaltige Zukunft des Betriebes ein absoluter Glücksfall.» Der Gastrobetrieb im neuen Kleid werde weit über die Region ausstrahlen. Und neben der Bioforce, weiteren Betrieben wie die unter den Fittichen der Arbonia-Forster-Gruppe expandierende RWD Schlatter und Kybun zu einem glänzenden Imageträger für das Dorf werden.

Die Wende

Dabei weiss Hasler: Es hätte genauso gut anders kommen und das Anwesen mit prächtigem Panoramablick auf den Bodensee verlottern können. Fünf Jahre lang stand der Mammertsberg, auf dem zuletzt Pius und Elisabeth Dürr gewirtet hatten, nämlich leer. Zwischenzeitlich hatte Schuh-Erfinder Karl Müller das Objekt erworben. Sein Plan, einen gastronomischen Leuchtturm zu setzen, zerschlug sich jedoch.

Diesen Leuchtturm setzt nun die Mammertsberg AG. Hinter der Gesellschaft steht der Freidorfer Jürg Maurer. Er lancierte die Idee, das Haus zu revitalisieren und zu einer noblen Adresse für Gourmets zu machen. Seine AG repräsentiert nach aussen Livio Zanetti. Fertig geschmiedet haben sie das Konzept 2010.

Von ihren Bauten spricht man

Für die Realisierung ihrer Pläne – man spricht von einer zweistelligen Millionensumme – hat die AG an Bord geholt, was in Architektur und Küche Rang und Namen hat. So zeichnet für die Restaurierung, den Umbau und die Erweiterung des Mammertsberg Tilla Theus. Die Zürcherin mit Bündner Wurzeln gilt als Grande Dame der Schweizer Architektur. Die 69-Jährige ist bekannt dafür, historische Elemente mit moderner Architektur zu verbinden und mit neuzeitlichem Design in einen Kontext zu setzen – im grossen wie im kleinen Massstab.

In Zürich hat sie unter anderem das Altstadt-Hotel Widder und den Jelmoli-Komplex umgebaut. Für den Weltfussballverband Fifa projektierte Tilla Theus auf dem Zürichberg den monolithischen Hauptsitz, worin Sepp Blatter thront und Lionel Messi unlängst zum drittenmal als Weltfussballer des Jahres geehrt worden war. 2012 auf Theus' Reissbrett entstanden ist auch das 180-Millionen-Projekt eines Fussballmuseums, das neben dem Fifa-Headquarter – unterirdisch und mit Oblicht versehen – gebaut werden soll. Hoch hinaus ist Tilla Theus mit ihrem Bergrestaurant auf dem Weisshorngipfel ob Arosa, eingeweiht 2012, gegangen – und hat dort dem Berg eine kristalline Aluminium-Kuppe aufgesetzt.

Wertet Region auf

Nach Max Dudler, von dem die Arboner Rosengarten-Pläne stammen, schreibt nun also in der Region wieder eine bekannte Grösse der nationalen Architekturszene Baugeschichte. Im April, nach Ostern, soll der Mammertsberg, nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit, bereits neu eröffnet werden – und Glanz ausstrahlen.


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