Die Arboner Flaniermeile

29. März 2014, 02:54
Hans Geisser

Der Verkehr durch die Altstadt sorgt derzeit für viel Diskussionen. Einst war die Promenadenstrasse als sonnige Flaniermeile um den Stadtkern angelegt worden. Fotografien des Historischen Museums belegen dies. Der Stadtmauer entlang – vom Schloss bis zum Seeufer beim Wasserwerk – zieht sich über Jahrhunderte der Stadtgraben. Mit dem Erdmaterial vom Bahnaushub kann 1869 der militärisch längst nutzlose Graben aufgefüllt werden.

Gleichzeitig taucht im Unterhaltungsverein die Idee einer «städtischen Promenade» auf. Wenige Jahre später bauen die Arboner mit dem «Pärkli» die direkte Verbindung vom Städtli zum damals noch unverbauten Seeufer. Spaziergängern an der Bahnhofstrasse öffnet der Blick vom Engelplatz auf die Promenadenstrasse das Zeitfenster auf acht Jahrhunderte Arboner Baugeschichte: rechts hinter dem «Steinhof» (um 1900) die Handelshäuser «Rebstock» und «Schwanen» der Kaufleute Mayr und das «Rote Haus» der Leinwandhändler von Furthenbach (18. Jh.); die St. Martinskirche mit dem 1895 erneuerten Glockenturm, dem Langhaus (1789) und dem spätgotischen Chor (1490), der Schlossturm aus dem 13. Jahrhundert, die Schlossgebäude (1515–1518), das neuere Wohn- und Geschäftshaus auf dem Areal des früheren Hotels «Krone». In der Reihe folgen die schmucken Fachwerkhäuser auf der Stadtmauer. Weiter folgt der Blick auf den Posthof (1905/06). Er ist im Thurgau die einzige Blocküberbauung mit geschlossenem Innenhof aus der Zeit des Industriewachstums um 1900.

Der langgezogene «Adlerblock» hinter der mit Efeu umrankten Stadtmauer – Geschäfts- und Wohnhaus – widerspiegelt mutige Privatinitiative während des Zweiten Weltkriegs (1940/41). Der Unterbau des alten Rathauses diente als Wachtturm (13. Jh.); auf der Südseite das evangelische Pfarrhaus zum «Freienstein» (um 1850) und die «alte Apotheke»> aus der gleichen Zeit. Noch bis 1890 reift an den Hängen der begehrte Arbonerwein.


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