Der Widerstand nimmt zu

EGNACH. Gestern haben rund 200 Personen einen Verein gegen die geplante Inertstoffdeponie in Roggwil gegründet. «Fetzisloh darf nicht im ewigen Schatten der Schuttkegel verschwinden», sagte SVP-Kantonsrat Moritz Tanner.
24. März 2012, 01:06
MARKUS SCHOCH

Vereinspräsident Pascal Stacher traute seinen Augen nicht. Immer mehr Menschen strömten gestern nachmittag auf die Wiese an der Durchgangsstrasse zwischen Arbon und Neukirch, wo die Firma Zürcher dereinst mineralische Bauabfälle und Aushub ablagern will auf einer Fläche von 11 Hektaren. «Ich bin überwältigt», sagte der Landwirt, der im benachbarten Weiler Fetzisloh wohnt.

Am Schluss standen gegen 200 Personen auf der «Grosszälg», unter ihnen verschiedene Kantons-, Stadt- und Gemeinderäte sowie Vertreter von Umweltverbänden. Entschuldigen liessen sich die Gemeindeammänner von Egnach und Roggwil. «Ich habe Verständnis dafür», gab sich Stacher versöhnlich.

Den Ohren nicht getraut

Sie alle waren gekommen, um einen «Baum der Hoffnung» zu pflanzen und den Verein «Depo nie!» zu gründen. «So können wir den Widerstand am besten bündeln», sagte Stacher.

Er habe seinen Ohren nicht getraut, als er das erste Mal vom Projekt gehört habe, wandte sich SVP-Kantonsrat Moritz Tanner an die Versammlungsteilnehmer. Das Gebiet sei völlig ungeeignet für eine Deponie. «Es ist keine Mulde, die man auffüllen könnte, sondern sanft abfallendes Gelände, und dazu erst noch bestes Landwirtschaftsland.» Für ihn sei unvorstellbar, dass in diesem Gebiet bis zu 35 Meter hohe Schuttkegel aufgeschüttet werden sollen. «Fetzisloh würde im ewigen Schatten versinken.» Dazu komme, dass das Land stark entwertet würde und für die Landwirtschaft weitgehend verloren wäre, wenn die Deponie nach 30 Jahren Betrieb aufgehoben würde.

Für ihn unerklärlich sei, wie man überhaupt auf den Gedanken kommen könne, auf der Grosszälg eine Deponie zu errichten, sagte Tanner. «Im kantonalen Richtplan ist das Gebiet nicht dafür vorgesehen.»

Für immer zerstört

Die intakte Landschaft wäre für immer zerstört, kritisierte Peter Stäheli, der als erster öffentlich Stellung gegen die Pläne der Firma Zürcher bezogen hatte und am nächsten Donnerstag an einer Podiumsveranstaltung zur Deponie in Egnach mitdiskutieren wird.

Die Anwohner müssten für sehr lange Zeit mit Lärm, Verkehr und Staub leben, was ihre Gesundheit beeinträchtigen könne. «Es ist unsere Pflicht, Verantwortung zu übernehmen», appellierte Stäheli an die Versammlungsteilnehmer. «Wir müssen die Deponie verhindern.»

Dieser Meinung ist auch Nick Sigg, der Präsident der Eigentümergemeinschaft in der etwa 300 Meter vom Deponiegelände gelegenen Domino-Siedlung auf Frasnachter Boden, wo ungefähr 36 Familien wohnen. «Die Deponie würde unser Leben zum Schlechten verändern », sagte er. Es werde Lärm geben, und der Wind werde den Staub bis nach Arbon hinein verfrachten.


Leserkommentare

Anzeige: