MEER LEBEN

Der Kopf ist frei für Neues

11. Mai 2016, 02:35
Christian und Jessica Grundlehner

Isch aber guet, händers s'WC nonig ipackt!», meint die kleine Lara an unserem Abschiedsfest. Ja, das Haus ist leer. So leer, dass alle Gäste auf Festbänken im Wohnzimmer Platz finden. Über 60 Freunde, Bekannte und Verwandte sind gekommen, um uns viel Glück zu wünschen. Ist schon komisch. Viele sieht man Monate oder Jahre lang nicht. Man muss schon «auswandern», um alle wieder einmal zu Gesicht zu bekommen. Aber das ist kein Vorwurf, ginge uns auch so. Jeder arbeitet, hat sein Leben, seine Verpflichtungen, andere Prioritäten.

Sich einen Traum zu erfüllen, hat auch negative Seiten. Wie der Abschied von Freunden und Familie. Wir müssen uns aber auch von fast allen materiellen Dingen trennen, denn unser neues Zuhause ist klein. Sehr klein. Wir zwei Erwachsenen haben circa drei Viertel unserer Kleider gespendet, Amyra muss auf die meisten ihrer Spielsachen verzichten. Das ist natürlich im ersten Moment schwierig. Sie weiss ja nicht, dass sie bald den grössten Spielplatz bekommt, den man sich vorstellen kann: Die Welt! Der Abschied von materiellen Dingen fällt uns nach der ersten Überwindungsphase allerdings leicht. Unglaublich, was sich über die Jahre angesammelt hat und eigentlich nicht benötigt wird. Etwa ein Dutzend Autoladungen haben wir entsorgt, den Rest verkauft. Reduktion auf das Notwendigste. Das befreit ungemein, macht den Kopf frei für Neues.

Christian (32) und Jessica Grundlehner (29) aus Romanshorn gehen mit Tochter Amyra (2) auf grosse Reise. Im deutschen Lübeck stechen sie Ende Mai mit ihrem Segelschiff Laya für unbestimmte Zeit in See. Im Moment treffen sie vor Ort die letzten Vorbereitungen.

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