Deponie weckt Ängste

Gerodetes Feld und Obstbäume: In diesem Gebiet beim Autobahnzubringer Arbon West ist die Inertstoffdeponie geplant. (pd)
EGNACH. Gegen die geplante Deponie für Aushub und mineralische Bauabfälle in Roggwil regt sich im Nachbardorf Egnach Widerstand wegen des Lastwagenverkehrs und der 30 Meter hohen Haufen.
11. Februar 2012, 11:27
Markus Schoch
Sven Bradke lag mit seiner Einschätzung richtig. «Wir sind uns bewusst, dass wir nicht mit offenen Armen empfangen werden», sagte der Kommunikationsverantwortliche für das Projekt an einer Medienorientierung Ende Januar (TZ berichtete). So ist es tatsächlich.

Widerstand kommt aber nicht aus der Standortgemeinde Roggwil, sondern aus Egnach, an dessen Grenze die sogenannte Inertstoffdeponie der Firma Zürcher Kies und Transport AG mit Sitz in Zuzwil zu liegen kommen soll. Das 22 Hektaren grosse Areal im Gebiet Grosszälg befindet sich nördlich der Strasse zwischen Arbon und Neukirch direkt beim Autobahnzubringer West.

Erhebliche Belastung
Die Anlieferung des Aushubes und der Inertstoffe wie Steine und Erde mit Lastwagen werde zu einer erheblichen Belastung der Bevölkerung über Jahrzehnte führen, hauptsächlich in Egnach und Neukirch, kritisiert Peter Stäheli. Die künftigen Betreiber der Deponie reden von 30 bis 35 Fahrten pro Tag. «Es glaubt wohl niemand, dass die Bodensee-Thurtal-Strasse schon gebaut sein wird, um den zusätzlichen Verkehr abzuwenden», sagt Stäheli, der im Gebiet Holz wohnt in einem Kilometer Entfernung zur geplanten Deponie. Roggwil werde von den Transporten nur am Rande betroffen sein, kassiere aber «erkleckliche Summen  an Gebühren», während Egnach leer ausgehe.

Widerstand in Fetzisloo
Stäheli ist nicht der einzige, der keine Freunde an den Plänen der Firma Zürcher hat. Im Weiler Fetzisloo in unmittelbarer Nähe des vorgesehenen Deponiegeländes formiert sich Widerstand. Der Egnacher Gemeindeammann Stephan Tobler hat Verständnis für die Anstösser, die wenig begeistert sind von der Aussicht auf Mehrverkehr und bis zu 30 Meter hohe Berge in der Nachbarschaft.

Nur Roggwil profitiert finanziell
Der Gemeinderat habe sich noch keine Meinung zur Deponie gemacht, sagt Tobler. «Wir sind erst in groben Zügen von der Bauherrschaft informiert worden. Damit wir uns ein detailliertes Bild machen können, brauchen wir noch zusätzliche Unterlagen.» Aus einer ersten Beurteilung heraus scheine es aber tatsächlich so zu sein, dass Neukirch und Egnach hauptsächlich vom Deponieverkehr betroffen sein werde. «Finanziell wird die Gemeinde Egnach aber nicht von der Anlage profitieren im Unterschied zu Roggwil, was störend ist, denn es wird erheblich Geld fliessen.»

«Gibt keinen besseren Standort»
Bradke kann verstehen, dass die Anwohner nicht in Begeisterungsstürme ausbrechen. Er gibt aber zu bedenken, dass ein Bedürfnis nach einer Inertstoffdeponie besteht und es «keinen besseren Standort als Roggwil gibt» in bezug auf die verkehrstechnische Erschliessung und die Belastung der Bevölkerung.
Nicht vergessen werden dürfe, dass Inertstoffe aus dem Raum Arbon heute in Bürglen deponiert würden. Dieser Verkehr würde wegfallen mit dem Projekt in Roggwil, sagt Bradke. Es könne darum sein, dass mit der neuen Deponie in Roggwil sogar weniger Lastwagen mit Inertstoffen durch Neukirch und Egnach fahren würden. Eine entsprechende Analyse werde noch gemacht.

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