Das Städtli wird neu erlebbar

ARBON. Bis anhin prägte die Verkehrsführung in der Arboner Altstadt die öffentliche Diskussion. Das soll sich ändern. Das Gestaltungsprojekt einer Begegnungszone eröffnet neue Perspektiven.
11. November 2015, 07:40
MAX EICHENBERGER

Das Projekt kommt voran. Es befinde sich in der «Finish-Phase» bei der Ingenieur-Gemeinschaft, sagt Rainer Heeb, zuständig für den Bereich Tiefbau in der Abteilung Bau im Stadthaus. Der Auftrag des Stadtrates war an die Wälli Ingenieure AG ergangen, die zusammen mit dem Büro Brunner, St. Gallen, und dem Zürcher Büro Van de Wetering eine Arbeitsgemeinschaft bilden. Darin sind die fachlichen Kompetenzen für das Gesamtpaket vereinigt. Die Gesamtleitung hat Wälli inne.

Optisch wird sich einiges ändern

Bis jetzt hat in der Altstadt nur das unselige Hin und Her mit der Verkehrsführung und dem inzwischen wieder rückgebauten Provisorium die Diskussion beherrscht. Dabei geht es in diesem Konzept um weit mehr, als nur den rollenden und ruhenden Verkehr zu organisieren – und um die Verkehrsführung. Mit «verschiedenen Elementen der gestalterischen Umsetzung» werde sich optisch ein ganz anderer Eindruck bieten, als man bisher mit dem Provisorium habe wahrnehmen können, betont Projektleiter Stefan Fluck. Detaillierteres kann er noch nicht sagen, weil das Projekt erst noch über den Tisch des Stadtrates geht. Laut Stadtpräsident Andreas Balg werde der Stadtrat sich noch diesen Monat mit dem Projekt befassen.

Info-Anlass Ende Januar

Balg hatte angekündigt, dass das Bau- und Auflageprojekt «noch diesen Winter» genehmigt werden soll. Ende Januar sei bereits eine Informationsveranstaltung geplant, bestätigt nun Thomas Wiegand, zuständig für Stadtentwicklung und -planung. Laut Balg steht der Termin 25. Januar aber noch nicht definitiv. Eine gestaltete Begegnungszone werde den Lebensraum Altstadt spürbar aufwerten, sind sich Planer und Behörde einig. Das dürfte dann schon bei der Präsentation des Projekts erlebbar werden, freut sich Balg.

Verkehr: Varianten offen

Das Gestaltungsprojekt basiert zwar auf dem Verkehrsregime des Provisoriums mit Einbahnverkehr auf der Hauptstrasse, präjudiziere diesen aber nicht, sagt Fluck. Es lasse Varianten offen. Im September, nach dem Rückbau, hatte Stadtpräsident Balg den Fächer für beide Optionen offen gelassen. Gleichzeitig hat er aber auch erwähnt, grundsätzlich am einspurigen Verkehrssystem festhalten zu wollen. «Das Projekt ist so erarbeitet worden, dass es die Verkehrsführung nicht einschränkt», sagt Balg. Der Stadtrat werde diese im Rahmen der Diskussion dann festlegen.

Dominik Diezi, Präsident der katholischen Kirchgemeinde und CVP-Parlamentarier, erkennt noch einen ungelösten Zielkonflikt und hat in der Frage der Verkehrsführung nochmals einen Workshop gefordert.

Tempo 20 und Aufenthaltsräume

Klar ist: in einer Begegnungszone, wie sie jetzt in Planung ist, löst sich die heutige Verkehrshierarchie auf. Fussgänger haben grundsätzlich Vortritt und können die Fahrbahn überall queren. Für Fahrzeuge gilt maximal Tempo 20. Elemente der künftigen Begegnungszone sind unter anderem Aufenthaltsräume mit Sitzgelegenheiten, Bepflanzungen und unterschiedliche Belagsflächen.

Umgestaltet wird zum Beispiel der Marktplatz und die Situation beim Römerhof/ Obertor sowie gegenüber dem Promenadenschulhaus. Trottoirs wird es keine mehr geben, dafür die Verkehrsfläche unterschiedlich materialisiert und hervorgehoben. Akzentuiert wird der Charakter der Promenade als Grünraum. Bei der Hauptstrasse bietet die Enge zwischen den Häuserfluchten beschränkte Möglichkeiten.

Abstimmung in einem Jahr

Nach der Info-Veranstaltung im Frühjahr wird bald einmal die Botschaft ans Parlament ergehen. Vorgesehen ist die Urnenabstimmung im Herbst 2016. Bisher war von Gesamtkosten von rund 6 Millionen Franken die Rede. Der Bund dürfte 40 Prozent aus dem Agglo-Pott beisteuern. Offen ist noch ein möglicher Kantonsbeitrag.


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