Aus Australien, für eine Nacht

Die Jurten in der Salmsacher Bucht sind aufgebaut. Bis Ende August sind die Zelte belegt, sagt Organisatorin Sabrina Hiller. Die Gäste kommen aus den verschiedensten Winkeln der Welt, um die Ruhe am Bodensee zu geniessen.
30. Juli 2015, 04:40
TANJA VON ARX

SALMSACH. Frisch gemähter Rasen, eine winzige Feuerstelle nah dem Ufer und feuchte Luft vom See. Stille. Nur ein paar Raben krähen. Eine Frau macht Yoga, jemand schläft.

In einem hellbeigen Zelt, in der Salmsacher Bucht. Es ist eins von vieren. «Wir sind ausgebucht», sagt Sabrina Hiller, «die Jurten sind bis Ende August belegt.» Sie ist die Gastgeberin und hat die Ferienhäuschen, ähnlich Iglus oder Tipis, organisiert und aufgestellt. Geholfen haben ihr der Mann und der Schwiegerpapa. Zügig sei's gegangen, lediglich drei Stunden hätten sie pro Zelt gebraucht. «Wie üblich bei den Nomadenzelten aus Afrika oder Asien, nach deren Vorbild sie gebaut sind.»

Tags arbeiten, abends ausruhen

Seit Mitte Juli übernachten die Gäste in zwei Häuschen mit einem Durchmesser von vier und fünf Metern, seit kurzem in einem weiteren von vier Metern. «Sie kommen aus Israel, aus Italien, einige gar aus Australien», sagt Hiller. «Auch aus der Schweiz.» Unterschiedlich ist neben der Herkunft, wie lange sie verweilen. «Manche bleiben bloss für eine Nacht, einige für ein langes Wochenende.» Ein Paar aus St. Gallen sei eine Woche lang abends zum Grillieren gekommen und hätte tagsüber gearbeitet.

Raus aus der Hektik

Was aber allen gemeinsam ist: Sie wollen die Ruhe geniessen. Raus aus der Hektik, dem stressigen Job. Denn ausgestattet nur mit einem Doppelbett, einer Kommode und einem Holzofen lebt es sich in den Häuschen im Naturschutzgebiet einfach. Ein WC und eine Dusche im Freien sind vorhanden, es hat aber nur Kaltwasser. Auf Strom im Zelt oder sonst fliessend Wasser müssen die Besucher verzichten. «Ich möchte den Menschen den Bodensee und die Natur näherbringen», sagt Hiller, die in Romanshorn aufgewachsen ist. «Ganz ohne Ablenkung.»

Was sie als schön erlebt, ist, dass sie die Salmsacher Bucht mit Orten aus der Region verbinden kann. «Viele sind auf Velotour und machen hier einen Zwischenstop», sagt Sabrina Hiller. «Manche kommen mit der Fähre von Friedrichshafen und kehren wieder zurück.» Ende August gehen die Gäste ans Summerdays in Arbon.

«Rundzelte passen zur Bucht»

Hiller bleibt über Nacht in der grossen Jurte von acht Metern Durchmesser. Sie macht Frühstück mit Tee, Kaffee und Früchten. Später soll ein kleines Bistro folgen. «Das braucht noch ein bisschen Zeit.» Die Gemeinde plant ausserdem einen Container mit sanitären Anlagen auf Mitte August. Die Kosten von 14 000 Franken trägt Salmsach zur Hälfte, wie Gemeindepräsident Martin Haas sagt. Das Geld stammt aus dem Spezialkonto «Bootshafen». Denn Bootsbesitzer profitierten auch vom WC für Damen, einem für Männer und einer Dusche mit warmem Wasser. Überhaupt kommt bei der Gemeinde die Idee gut an. «Die Rundzelte passen zur Bucht», sagt Haas.

Kinder können wieder baden

Indes kann man auch wieder baden gehen, sagt Organisatorin Hiller. Herrschte im Juni noch schlechte Wasserqualität in der angrenzenden Aach und somit in der Bucht, in die diese mündet, ist sie gemäss einer Untersuchung des Kantons nun optimal. «Wenn man vorsichtig ist, besonders mit Kindern, spricht nichts dagegen.» Denn schliesslich sind auch die Kleinen willkommen. Sie geniessen nicht nur das Spielen auf der Wiese, sondern auch die Schaukel, die Hiller für sie an einen Baum gehängt hat.


Leserkommentare

Anzeige: