Auf den Spuren des Stresses

ROMANSHORN. Ramona Bär ist seit Anfang Juli für sieben Wochen in 17 Kantonen in der Schweiz unterwegs. Auf ihrer Reise will sie die Menschen motivieren, Zeit für sich zu nehmen. Am Wochenende kam die 32-Jährige in Romanshorn vorbei.
18. August 2015, 08:14
Daniel Ebinger

Es ist für sie eine Wanderung gegen den Stress. Ramona Bär ist seit einigen Wochen in der Deutschschweiz unterwegs. Ihr Projekt führt sie durch 17 Kantone. Am Wochenende streifte die 32-Jährige aus dem aargauischen Stein den Thurgau.

Auf ihrer Reise will sie herausfinden, wie die Bevölkerung in der Stadt und auf dem Land auf stressbedingte Erkrankungen zu sprechen ist. «Mein Anliegen ist es, meine Mitmenschen zu motivieren, sich einen Moment für sich selbst Zeit zu nehmen», sagt die Kursleiterin für Coaching und Training mit Hunden. Ihr Hund Loup ist für sie ein sozialer Katalysator, der ihr oft die Türen zu den Menschen öffnet. «Viele spontane Gespräche beginnen über Loup und gelangen so schnell ins Persönliche», sagt sie.

Dass die Menschen zu ihr Vertrauen fassen, habe aber auch mit ihr selber zu tun. «Ich bin mit meiner Körperhaltung und meinem Blick anders unterwegs, als wenn ich bereits schon sieben andere Termine zum Erledigen im Kopf habe.» Ihre Tour soll keine sportliche Höchstleistung sein. Ihr gehe es darum, den Mitmenschen Zeit zu schenken und zu signalisieren, dass das Hier und Jetzt wichtig sei.

Erkrankungen steigen stetig

Aus den verschiedenen Gesprächen auf ihrer Reise will Ramona Bär zudem herausfinden, wieso die Zahl von stressbedingten Erkrankungen stetig steigt. Diese Beobachtung hat sie in ihrem Beruf in den vergangenen Jahren immer wieder gemacht. «Es ist erstaunlich, wie viele Menschen einen Bezug zu stressbedingten Erschöpfungen haben, auch wenn nur über ihre Nächsten.» Ein weiterer Punkt ihrer Reise ist die Selbstbeobachtung. «Ich bin gespannt, welche Fragen, Ideen und Erfahrungen ich von dieser Wanderung für mich mitnehmen kann.» Ihre Eindrücke hält sie in Wort und Bild fortlaufend auf einem Blog fest.

Alles hat positive Seiten

Zu Beginn plante Ramona Bär ihre Tagesrouten ganz genau. «Wegen der starken Hitze verzögerte sich mein Zeitplan, und ich musste alles vermehrt dem Zufall überlassen», sagt sie. Auf den Abstecher ins Appenzellerland musste sie verzichten. «Was nicht heisst, dass ich das gar nicht mache», sagt Bär. Ärgern will sie sich nicht, sondern vielmehr das Positive in der Planänderung sehen. «Ich kann mir dadurch an einigen Stellen mehr Zeit nehmen, und das ist schön», sagt sie. Für sie und ihren Vierbeiner waren die frühen Morgenstunden zum Wandern am angenehmsten. Im Thurgau erlebte sie die Menschen als freundlich, offen und sehr tier- und naturverbunden. Viele Hundeverbotstafeln sind ihr zudem aufgefallen, und die bald reifen Äpfel und Birnen regten bei ihr den Appetit an. Nun geht die Reise Richtung Schaffhausen.

Hund in Coaching einbeziehen

Der 25. August ist für sie der nächste fixe Termin in Zürich. Dann wird sie als Angestellte im Auftrag von Pro Mente Sana an einem Workshop über das Aufklärungsangebot «Prävention für psychische Ermüdungserscheinungen» ein Referat halten.

Das Ziel in ihren Coachings- und Trainingsangeboten ist es, die Menschen mit gezielten Fragen den Weg finden zu lassen und sie zu begleiten. Auch da ist für sie ihr Hund Loup ein wichtiger Begleiter, den sie gerne einbezieht.


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