Zwei entscheidende Minuten

AMRISWIL ⋅ Drei Tänzerinnen und ein Tänzer der Aero-Kids durften an der Weltmeisterschaft in Kopenhagen teilnehmen. Obwohl es nicht ganz für Medaillen reichte, sind alle vier zufrieden.
19. Oktober 2017, 07:04
Manuel Nagel, Kopenhagen

Es geht zu wie in einem Bienenhaus in der Brøndby Hallen, in einem Vorort von Kopenhagen. Doch statt eines Summens hört man wummernde Bässe. Noch diese ganze Woche ist die Sporthalle in der dänischen Hauptstadt Austragungsort der Weltmeisterschaften im Hip-Hop, Breakdance und Electric Boogie.

Viele Kinder springen an diesem Dienstagvormittag herum, denn auf dem Programm stehen unter anderem die Wettkämpfe der Formationen, bei denen bis zu zwei Dutzend kleine Tänzer in perfekter Synchronizität in der Halle herumhüpfen. Und mittendrin in diesem Gewusel sind drei Tänzerinnen und ein Tänzer der Amriswiler Tanzschule Aerokids.

Seit bald einem Jahr dabei

Dominik Baumgartner ist sichtlich nervös, aber auch gleich­zeitig fasziniert, was da abgeht. Voll aufgeregt sei er, sagt der Zehnjährige, der das erste Mal an einer Weltmeisterschaft teilnimmt. Vor nicht ganz einem Jahr hat er sich entschlossen, den Aerokids beizutreten. Eine Kollegin, die ebenfalls Hip-Hop tanzt, hat ihn mitgenommen und auf den Geschmack gebracht. Und durch seine Rangierung an den Schweizer Meisterschaften im Juni hat er sich gleich für die Weltmeisterschaften qualifiziert.

Nun steht er in der grossen Halle neben seiner Schwester und seinen Eltern, welche den Wettkampf von Dominik gleich als kleine Familienferien nutzen. Am Sonntag waren die vier angereist und nutzten den Montag für eine Bootsfahrt und einen Besuch im Tivoli, dem bekannten Vergnügungspark mitten im Zentrum Kopenhagens. Doch jetzt gilt die volle Konzentration seinem Auftritt um 16 Uhr.

Dominiks Trainerin Anna Renold ist ebenfalls da. Doch die 61-Jährige ist nicht nur zu seiner Unterstützung in Kopenhagen. Sie tanzt auch selber, zusammen mit Anita Landi und Natalia Nagel. Das Trio startet diesen Vormittag in der Kategorie Hip-Hop Groups Adult 2, also Tänzer, die älter als 30 Jahre sind. Zwei Minuten wird ihr Auftritt dauern, doch die Schwierigkeit liegt darin, dass die drei nicht wissen, zu welcher ­Musik und mit welcher Geschwindigkeit sie tanzen. Der DJ wird ­irgendein Hip-Hop-Stück abspielen. Geübt haben sie ihre Schritte deshalb häufig ohne Musik – nur mit Zählen.

Der DJ trifft den Geschmack nicht ganz

Kurz vor halb zwölf lüftet sich dann das Geheimnis, als die Gruppe auf der Tanzfläche steht. Doch die Wahl des Mannes am Plattenteller stösst nicht auf Begeisterung bei den drei Tänzerinnen. Dennoch absolvieren sie ihr Programm und warten hinterher gespannt auf die Resultate, ob es vielleicht in den Final reicht, der bereits um 12.20 Uhr stattfindet. Kurz vor Mittag erscheint die ­Liste mit den zwölf Finalisten. Weder die Aerokids noch die beiden Schweizer Teams aus dem Welschland sind aufgeführt. Die Enttäuschung hält sich bei den Aerokids-Tänzerinnen in Grenzen. Es sei eine tolle Erfahrung gewesen, sind sich Anita Landi und Natalia Nagel einig, die ebenfalls das erste Mal an einer Weltmeisterschaft dabei sind.

Auch für Dominik ist der Wettkampf nach dem Achtelfinal schon zu Ende. Die Nervosität war besonders beim ersten von drei Teilen gross, analysiert Anna Renold die Leistung ihres Schützlings. Doch nach nicht mal einem Jahr Hip-Hop tanzen hat die Trainerin auch nicht erwartet, dass Dominik gleich um die Medaillenplätze kämpft. Seine Konkurrenten trainieren schon jahrelang und wissen genau, wie sie die Kampfrichter antanzen und bezirzen müssen. «Diese Erfahrung wird ihn aber weiterbringen», ist ­Renold überzeugt. Schliesslich sollen es für den Jungen nicht die letzten Weltmeisterschaften gewesen sein.

 

Manuel Nagel, Kopenhagen

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: